Sechs Stunden ermüdender Aussage-Marathon im zweiten Anlauf des Hoßkircher Mordprozesses vor dem Ravensburger Landgericht: Zwölf Zeugen wiederholten altbekannte Aussagen -alles ist aus dem nach Befangenheit einer Schöffin geplatzten ersten Prozess bekannt.

Aber dann kam der ermittlungsführende Kripobeamte in den Zeugenstand. Und was er kompakt in einer Stunde vortrug, belastete den 35-jährigen Angeklagten schwer. Und der Beamte löste auch das Rätsel um jenen unbekannten Mister X, der am Morgen des 26. Februar 2017 in der Nähe des Fundorts der toten Ehefrau und des schwer verletzten Ehemanns von einem Spaziergänger in einem Auto gesehen wurde. Nachdem über 100 Fahrzeughalter angeschrieben worden waren, meldete sich der Mann mit Vollbart, ein unbescholtener Bürger, der an dem Morgen mit seinem Auto unterwegs war.

Kripo: Ehe war gescheitert

Insgesamt zehn Beamte der Ermittlungsgruppe förderten jedoch zutage, dass die Ehe des angeklagten Mannes mit seiner 30-jährigen Frau gescheitert war und er das Wochenende des 25./26. Februar 2017 mit einer jungen Frau im gemeinsamen Haus in Hoßkirch verbringen und die Geliebte seinen Eltern vorstellen wollte. Das ergab sich aus einem „umfänglichen“ Whatsapp-Chat, den die Spezialisten der Kripo auswerteten.

Der 63-jährige Ermittler gestern: "Er hat der Geliebten vorgegaukelt, dass die Ehefrau bereits ausgezogen ist" und einem gemeinsamen Wochenende nichts im Wege stünde. Tatsächlich aber war die Ehefrau „froh und gut gelaunt“ in der gemeinsamen Wohnung in Hoßkirch und „zu keiner Zeit weg oder unterwegs“. Dass ihr Mann aber ein außereheliches Verhältnis unterhielt, muss sie geahnt haben. Denn Tage vor ihrem gewaltsamen Tod suchte sie im Netz nach Hinweisen auf die neue Geliebte.

Kurz nach der Hochzeit schon die Krise

Dabei schien alles im August 2015 noch gut. Hochzeit und Taufe des zweiten Kindes auf der Mainau. Aber, so der Kripobeamte gestern, schon wenige Wochen nach der Hochzeit soll in Whatsapp-Einträgen deutlich geworden zu sein, "sie hält es nicht mehr aus". In der Folgezeit erkundigte sich die Ehefrau beim Jugendamt über Möglichkeiten einer Trennung und berichtete im Beratungsgespräch mit einem Rechtsanwalt davon, dass sie einmal von ihrem Mann mit einer Hand am Hals gewürgt worden sei.

Polizist: Frau muss im Haus getötet worden sein

Was an jenem Abend des 25. Februar 2017 im Haus in Hoßkirch geschah, formulierte der Kripobeamte gestern so: "Die Tötungshandlung muss im Haus stattgefunden haben“, vermutlich zwischen Wohnraum und Flur, wo sich Vlieshandschuhe mit Haaren der Toten fanden, außerdem ein abgerissener Ohrstecker und Frischhaltefolien mit Spuren von Täter und Opfer.

Und da war gestern die Rede von einer Whatsapp-Nachricht an die Ehefrau, abgeschickt an jenem Samstagabend um 21.19 Uhr. Text: "Komm jetzt mal heim…“ Da war die Frau vermutlich schon tot und auf dem Fahrersitz des Mercedes Vito festgeschnallt auf der Fahrt zur späteren Unfallstelle. Das Auto kann der Angeklagte vom Beifahrersitz aus gesteuert haben, so ein Gutachter.