Der im September 2017 wegen Mordes an seiner Ehefrau zu lebenslanger Haft verurteilte Betriebswirt aus Berg bei Ravensburg kämpft weiter. Am 8. Januar geht es vor dem Ravensburger Landgericht um den Vorwurf der besonderen Schwere der Schuld. Die hatte die Schwurgerichtskammer mit Richter Jürgen Hutterer damals festgestellt. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bezeichnete diese Feststellung und Begründung in dem Revisionsverfahren jedoch „als rechtsfehlerhaft“ und verwies diesen Punkt zur erneuten Entscheidung an das Ravensburger Landgericht zurück. Die weitergehende Revision wurde verworfen.

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Zur Erklärung: als rechtskräftig verurteilter Mörder hat der Mann frühestens nach 15 Jahren Gefängnis die Chance, auf Bewährung freizukommen. Die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld bedeutet nach derzeitiger Praxis, dass er mehr als 20 Jahre in einem Gefängnis verbringen müsste. Da die Karlsruher Richter nicht ausschließen können, dass die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld auf „ Wertungsfehlern“ beruht, geht es im Januar um „reine Rechtsfragen“, erklärt der Ravensburger Anwalt Richard Glaubach.

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Der Jurist ist dem Verurteilten als Pflichtverteidiger beigeordnet. Er löst damit den Stuttgarter Strafverteidiger Hans Bense ab, der das Verhältnis zu seinem früheren Mandanten als „zerrüttet“ bezeichnete und deshalb entpflichtet wurde. Sein Nachfolger Glaubach war in mehreren Revisionsverfahren für seine Mandanten erfolgreich, zuletzt in einem Prozess gegen eine Kinderpflegerin aus Friedrichshafen, die zunächst wegen Mordes an ihrem Kind verurteilt worden war, im zweiten Verfahren aber wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde.

Zahlreiche Zeugen kamen zu Wort

Der Mordprozess von Berg war mit 29 Verhandlungstagen der längste seit 20 Jahren. Mehr als 50 Zeugen, Kriminaltechniker, Pathologen, Gerichtsmediziner, Psychiater und Spezialisten für Faserbestimmung und Krisenintervention kamen zwischen März und Oktober 2017 zu Wort. Mit immer neuen Beweisanträgen und Ablehnungsanträgen gegen das Gericht wurde das Verfahren verzögert. Tatumstände und Hintergründe entsetzten viele Menschen in der Region.

Gericht spricht von kaltblütiger Tat

Rückblick auf den Mordfall: An einem Sommerwochenende im Juli 2016 war der Mann mit den gemeinsamen drei Kindern von Berg in ein Erlebnisbad in Erding gefahren. Als die Kinder schliefen, fuhr er nach Berg zurück, erwürgte die von ihm getrennt lebende Ehefrau, schleppte die Sterbende in den Heizungskeller und legte sie zur Vortäuschung eines Suizids in die vorbereitete Schlinge eines Kälberstricks. Nach der Tat fuhr er nach Erding zurück. Angesichts der Tatumstände sprach das Gericht von einer planvollen, kaltblütigen und perfiden Tat. Für Richter Hutterer war es der letzte große Fall vor seiner Pensionierung. Und vielleicht wären die Ermittlungen nie ausgelöst worden, hätte eine junge Notärztin nicht auf „Ungereimtheiten“ der Tatumstände hingewiesen.