Im Mordprozess von Hoßkirch vor dem Ravensburger Landgericht hat die Verteidigung am zwölften Verhandlungstag neue Beweisanträge gestellt. Sie zweifeln an, dass der 35-jährige Angeklagte seine Ehefrau in der Nacht zum Fasnetssonntag 2017 in der gemeinsamen Wohnung getötet haben und dann einen Verkehrsunfall vorgetäuscht haben soll, wie es in der Anklage heißt.

Theodoros Germalidis und Ralf Steiner, Strafverteidiger aus Stuttgart und Bietigheim-Bissingen, beantragen neue Gutachten zu folgenden Fragen: Könnten die Erdspuren an Schuhen und Kleidung des Angeklagten darauf schließen lassen, dass der schwer verletzte Mann vom Mercedes Vito heraus mehr als 80 Meter über den Acker geschleift und dann abgelegt wurde? Wie wertet ein neuer Sachverständiger drei Verletzungsspuren am Hals des Mannes? Könnte es sich dabei um Würgemale handeln? Die Beweisanträge sollen beleuchten, ob ein unbekannter Dritter an der Tötung der Frau und der Inszenierung des Unfalls beteiligt gewesen sein könnte. 

Zu einem anderen Punkt gab es von einem Gutachter des deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungsvereins (Dekra) eine Aussage: Er bezeichnete es als absolut möglich, einen Mercedes Vito vom Beifahrersitz aus zu fahren. In einem von einer Filmkamera aufgezeichneten Selbstversuch sah man den Gutachter vom Beifahrersitz eines Vergleichsfahrzeugs aus das Auto beschleunigen, schalten und steuern. In der Anklage wird dem 35-jährigen Hoßkircher vorgeworfen, er habe seine tote Ehefrau auf dem Fahrersitz angeschnallt und das Auto vom Beifahrersitz aus über die Straßenböschung auf den Acker gesteuert und sich dabei schwer verletzt.

Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt. Bis dahin will das Gericht über die Anträge der Verteidigung entscheiden.