Die Ermittler in Ravensburg prüfen nach dem Messerangriff, ob der mutmaßliche Täter bereits durch aggressives Verhalten aufgefallen ist. Man werde Zeugen in diese Richtung befragen, teilte Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl am Dienstag mit. 

Zuvor hatte die „Schwäbische Zeitung“ berichtet, dass der Beschuldigte offenbar wiederholt eine Gefahr für sich selbst und andere gewesen sei. Unter Berufung auf einen Polizeisprecher und einen mit dem Beschuldigten bekannten Anwalt war die Rede von einem Ausraster und weiteren Vorfällen in Flüchtlingsunterkünften.

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In die betreffenden Akten der Jahre 2016 und 2017 habe man aktuell keinen Einblick, hieß es bei der Polizei Konstanz. „Er ist auf jeden Fall nicht rechtskräftig verurteilt worden. Das heißt noch lange nicht, dass es keine Polizeieinsätze gab“, sagte ein Sprecher.

Freunde wenden sich an Zeitung

In dem Artikel werden zwei Freunde des Beschuldigten erwähnt, der am Freitag auf drei Menschen eingestochen und sie schwer verletzt haben soll. Die beiden Jugendlichen sollen sich demnach nach Schilderungen des Anwalts mit der Betreuung des schwer psychotischen Mannes alleine gefühlt haben.

Oberstaatsanwalt Diehl hatte am Wochenende gesagt, der 21-Jährige sei bislang nicht durch Aggressionen aufgefallen. „Die Informationen waren uns nicht bekannt“, sagte er am Dienstag. Die Zeugen hätten sich zuerst an die Zeitung gewendet.

Das ist der Ermittlungsstand

Die Schuldfähigkeit des Mannes war nach einem vorläufigen Gutachten nach der Tat für den betreffenden Zeitraum ausgeschlossen oder zumindest erheblich vermindert. Den Ermittlungen zufolge hatte sich der 21-Jährige ein großes Küchenmesser gekauft und war zum Marienplatz gegangen, um einen Streit mit einem Arbeitskollegen auszutragen.

„Wie das zusammenhängt, dass jemand trotzdem planvoll vorgeht, das muss ein psychiatrischer Sachverständiger klären“, sagte Diehl am Dienstag. Neben der Befragung von Zeugen werten die Ermittler weiter Videomaterial aus, um den Tatablauf zu rekonstruieren. Nach Angaben von Diehl wurden hierfür auch umliegende Geschäfte angefragt.

In der Innenstadt wurden zudem die zusätzlichen Polizisten, die übers Wochenende das Geschehen überwacht hatten, nach Angaben eines Sprechers wieder abgezogen.

Wie auch in den Sommermonaten bleibe die Polizeipräsenz dort aber höher als zuvor - die Sicherheitsmaßnahme sei unabhängig vom Messerangriff verlängert worden.

Bereits vor der Attacke war es auf dem nördlichen Marienplatz nach Angaben der Stadt immer wieder zu aggressivem Verhalten und Ruhestörungen bekommen.