Dritter Verhandlungstag vor dem Ravensburger Landgericht im sogenannten Bajonettmord-Prozess: vier Polizisten berichten über die ersten Erkenntnisse am Tatabend des 31. Januar und die anschließende Verfolgungsjagd des flüchtenden 35-jährigen Mannes, der seinen Nebenbuhler getötet haben soll.

„Bajonett steckte noch im Körper des Toten“

„Das Bajonett steckte noch im Körper des Toten“, berichtet ein Beamter. Fotos werden auf dem Richtertisch ausgebreitet. Der aus Rumänien stammende Angeklagte lässt von der Dolmetscherin ausrichten, er wolle die Bilder nicht ansehen.

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Die folgende Verfolgungsjagd an dem Januarabend schildert ein junger Polizeihauptmeister. Mit Tempo 140 bis 150 Stundenkilometer sei der Flüchtige Richtung Wangen gerast, habe andere Fahrzeuge überholt und auf Signale von drei Streifenwagen nicht reagiert. Nachdem er kurz vor Wangen in einen Schneehaufen knallte, sei er ausgestiegen, die rechte Hand in der Jacke und habe die Polizisten mit einer angeblichen Pistole bedroht. „Da wir vom Ravensburger Tötungsdelikt wussten, war das ernst zu nehmen.“

Mit Pfefferspray überwältigt

Von einem Polizisten abgelenkt, konnte er mit Pfefferspray überwältigt werden. „Da war ganz schön Adrenalin dabei“, meinte der Beamte fast lakonisch. Später soll der Verhaftete gesagt haben, „er wollte, dass wir auf ihn schießen“. In der Kriminalgeschichte ist dies als „suicid by cop“ bekannt. Im Ravensburger Gerichtssaal wurde das besonnene Verhalten der Polizisten von mehr als 20 jungen Frauen und Männern verfolgt. Alle machen ihre Ausbildung an der Biberacher Polizeischule. „Das war schon sehr kompetent“, meinte ein Polizeischüler.

„Die war mit beiden Männern zusammen“

Dann der mit Spannung erwartete Auftritt der Landsmännin des Angeklagten, die einige Zeit im Rotlichtmilieu arbeitete und zum Angeklagten und seinem Opfer gleichzeitig eine Beziehung unterhalten haben soll. „Die war mit beiden Männern zusammen“, erzählte ihre Schwester vor Gericht. Zwar habe es zwischen der Schwester und dem Angeklagten immer wieder Streit und auch Schläge gegeben, „aber nicht so schlimm“.

Stunden später war dieser tot

Am Nachmittag des 31. Januar sei die Schwester vom Frauenarzt gekommen und habe berichtet, sie sei wieder schwanger und es werde wohl ein Mädchen. Daraufhin habe der Angeklagte gesagt: „Wenn es ein Mädchen ist, dann ist es vom Anderen.“ Stunden später war dieser tot. Nach einem Stich in den Nacken „hatte der keine Chance“, so die Zeugin.

Frau will keine Aussagen machen

Und was ist mit der Behauptung, ihre Schwester wolle den Angeklagten heiraten, will Richter Veiko Böhm wissen. Die Schwester meinte, sie wolle das nicht glauben. Aber dann kommt die Angesprochene in den Saal, wird nach ihrer Beziehung zum Angeklagten befragt. Ja, sie sei mit dem Mann verlobt, „aber ohne Papiere“. „Und haben Sie sich die Ehe versprochen“, fragt Böhm. Die Frau sagt Ja, fällt damit unter das Zeugnisverweigerungsrecht und will jetzt keine Aussagen machen.