Daniel Rapp ist ein gefragter Mann. Der Ravensburger Oberbürgermeister wird seit Tagen nicht nur mit unzähligen Glückwunschmails bedacht. Auch Rundfunk und Fernsehen stehen bei ihm schlange, nachdem er am Freitag einen psychisch kranken 21-Jährigen daran hindern konnte, mit seinem Messer ein weiteres Blutbad anzurichten.

Auch ein bekannter TV-Moderator soll Interesse bekundet haben, den Juristen in seine Sendung einzuladen. Doch Rapp will sich dem Medien-Hype nicht so recht beugen. "Ich habe bei allen Fernsehsendern abgelehnt, dass sie Bilder mit mir am Tatort machen," sagt der 46-Jährige. Er spricht von einem "Ungleichgewicht" in der Berichterstattung, die sich "stark auf die wenigen Sekunden von mir" fokussiert habe."Ich habe nicht einen Kratzer abbekommen", sagt er bescheiden.

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Da sei doch der Busfahrer, ein Tourist der sich dem Mann mit dem Messer mutig widersetzt hatte und dafür vorne und am Rücken schwer verletzt wurde. "Ich möchte, dass man den Blick auf die Opfer hat", findet Rapp. Er habe sie besucht, zwei Syrer und den Busfahrer. Ihnen gehe es "entsprechend besser".

Dennoch hatte Rapp durch seinen mutigen Einsatz ein noch schlimmeres Blutbad verhindert . "Ich war unterwegs in der Stadt, unweit vom Tatort in Richtung Rathaus." Mehrere Bürger seien aufgelöst auf ihn zugekommen, hätten um Hilfe gebeten, weil dort "Leute blutüberströmt" gelegen hätten. Rapp rannte vielleicht 40 Meter um die Ecke, als der junge Mann mit dem Messer auf ihn zukam. "Das war direkt nach der Auseinandersetzung mit dem Busfahrer", erinnert sich Rapp. "Instinktiv sagte ich: Du legst jetzt das Messer weg! Und dann lag das Messer zwischen uns beiden."

Der OB ist ein Kind der Region

In fast der selben Sekunde kam ein Polizist auf dem Fahrrad, zog seine Waffe und drückte den mutmaßlichen Täter auf ein Polster. Zwei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes beruhigten die aufgebrachten Menschen rund um den Tatort.

Daniel Rapp, Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, sitzt in seinem Dienstzimmer im Rathaus am Schreibtisch.
Daniel Rapp, Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, sitzt in seinem Dienstzimmer im Rathaus am Schreibtisch. | Bild: Felix Kästle

Daniel Rapp ist ein Kind der Region. Der gebürtige Riedlinger (Oberschwaben), dessen Vorfahren aus Ravensburg stammen, studierte nach dem Wehrdienst in einer Fallschirmjägereinheit Jura an der Universität Tübingen. Er wurde als Anwalt zugelassen, promovierte und ging war beim Stuttgarter Finanzamt für den kommunalen Finanzausgleich zuständig.

Mit 34 wagte er den Sprung in die Kommunalpolitik – zunächst als Bürgermeister in Sigmaringen, 2010 gewann er gegen Oswald Metzger. Rapp sanierte den Ravensburger Haushalt nachhaltig. Der Vorfall vom Freitag hatte in Ravensburg keine Demo gegen Flüchtlinge wie jene in Chemnitz zur Folge. Darauf angesprochen, sagt Rapp zufrieden: "Das finde ich gut und darauf bin ich auch stolz."