Das Interesse von Historiker Hans Ulrich Rudolf war schnell geweckt, als er bei einem Spaziergang die kegelförmigen Betonbauten auf einer Wiese zwischen der Weststadt beim Zieglerschen Sprachheilzentrum und dem Hölltobel entdeckte. Das Ergebnis seiner Recherchen zu diesen kleinen Ein-Mann-Bunkern, unter denen sich Höhlen befinden, hat Rudolf kürzlich im Kulturmagazin des Landkreises Ravensburg veröffentlicht.

Produktionsort für die Do 335

„Eigentlich sind das Höhlen, die zu Werkstätten umgewandelt worden sind und die oben mit Kleinbunkern abgedeckt worden sind“, erzählt er. Im Zweiten Weltkrieg wurde wegen der schweren Luftangriffe auf die benachbarte Industriestadt Friedrichshafen die Produktion von Dornier auf zahlreiche verschiedene Standorte ausgelagert. Einer davon: die Keller am Rande des Hölltobels. Dort fand die Produktion für das Kampfflugzeug Do 335 statt.

Die Dornier Do 335: Ungewöhnlich für den deutschen Flugzeugbau war die Anordnung von jeweils einem Motor vorn und hinten, was die Do 335 zum schnellsten kolbenmotorgetriebenen Flugzeug zum Zeitpunkt des Erstfluges machte. Obwohl dieser schon im Oktober 1943 stattfand, kam das Muster kriegsbedingt nicht mehr zu einem Kampfeinsatz.
Die Dornier Do 335: Ungewöhnlich für den deutschen Flugzeugbau war die Anordnung von jeweils einem Motor vorn und hinten, was die Do 335 zum schnellsten kolbenmotorgetriebenen Flugzeug zum Zeitpunkt des Erstfluges machte. Obwohl dieser schon im Oktober 1943 stattfand, kam das Muster kriegsbedingt nicht mehr zu einem Kampfeinsatz. | Bild: dpa/Archiv

Julia Menzer vom Dornier-Museum in Friedrichshafen bestätigt: „Die Ausbauarbeiten mit den oberirdischen, verbunkerten Luftschächten beziehungsweise Notausstiegen wurden ab 1944 begonnen. Es wurden unter anderem Tragflächen für die Do 335 gefertigt sowie diverse Kleinbaugruppen für diesen Typ, auch wurden dort die Teile fertiglackiert und anschließend zum Transport nach Mengen zum Zusammenbau verbracht.“

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Schächte der Kleinbunker sind verfüllt

Die Vergangenheit dieses Ortes fasziniert aber nicht nur Geschichtsfans, sondern verleitet manche Menschen auch zu Gesetzesbrüchen, wie Historiker Rudolf und Beate Falk vom Ravensburger Stadtarchiv berichten. Bunkeranlagen übten auf bestimmte Gruppen eine besondere Faszination aus, sind sich beide einig. Die Palette reiche von historisch Interessierten über sogenannte Lost-Places-Fotografen, die bevorzugt Bilder von verlassenen Orten aus der Vergangenheit machen, bis hin zu Militaria-Sammlern und Einbrechern. Die dürften nach Einschätzung von Hans Ulrich Rudolf bei den Höhlen am Rande des Hölltobels jedoch kein Glück haben: „Da ist heute nichts mehr drin“, sagt er. Zudem seien die Schächte der Kleinbunker verfüllt.

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Konkrete Zahlen zu Einbrüchen oder Einbruchsversuchen gibt es nicht, wie Markus Sauter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, berichtet. Die Polizei erfasse Bunker- oder Kellereinbrüche nicht separat.

Heute Privatbesitz

Wie Beate Falk von Stadtarchiv erzählt, wurden die Keller nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise von der Firma Omira zur Käseeinlagerung genutzt. Heute befinden sie sich in Privatbesitz, genauso wie drei Luftschutzkeller, die in Ravensburg ebenfalls erst gegen Ende des Krieges gebaut wurden. Wer dort unerlaubt eindringt, verstoße nicht nur gegen Gesetze, sondern bringe sich in Gefahr.