Herr Gätjen, ein Interkontinentalflug hat Sie dazu inspiriert, gemeinsam mit Ihrem Bruder Andreas Karlström ein Kinderbuch zu schreiben, in dem ein kleines Flugzeug turbulente Stürme erlebt, ein fieses Phantom trifft und eine monströse Wettermaschine zerstört. Mal ehrlich: Wie abenteuerlich war denn Ihr Flug?

Ach, der war gar nicht so abenteuerlich. Ich bin von Hamburg nach Los Angeles geflogen und hatte in den vielen Stunden genügend Zeit, mir Filme anzusehen. Nur waren die zu der Zeit alle recht uninteressant. Dann fing ich an, über das Reisen nachzudenken. Und habe abgespult, wie ich es früher als Kind empfand, zu verreisen. Man müsste Kinder plastischer darauf vorbereiten, war mein Gedanke: Wohin es geht, welche Sprache dort gesprochen wird, was man dort sehen kann. Schnell sind 1000 Figuren aus mir herausgesprudelt, von denen ich meinem Bruder erzählt habe.

Und dann haben Sie sich zusammen an einen Computer gesetzt und losgeschrieben?

Nein. Zu zweit etwas schreiben bringt ja nichts. Wir haben die ersten Ideen für die Handlung hin- und hergeschossen. Andy hat ein Talent zum Schreiben. Er hat Kapitel für Kapitel unsere Geschichte aufgeschrieben und durchdekliniert. Dann haben wir alles diskutiert und korrigiert. Erst war es unser Plan, ein Buch darüber zu schreiben, wie eine Reise funktioniert. Dann haben wir uns an unsere Kindheit erinnert – wir fanden früher Abenteuergeschichten am spannendsten. Also ist es auch eine geworden.

Hat Sie bei der Konzeption der Geschichte um das kleine Flugzeug Wilbur Ihr Faible fürs Kino beeinflusst?

Ja, ich liebe Kino und es fasziniert mich sehr. Unser Vater ist ein totaler Cineast, wir haben denselben Geschmack und schauen uns gern zusammen Filme im Kino an. Sich für zwei oder drei Stunden in eine andere Welt versetzen zu lassen, genieße ich sehr. Das war schon in meiner Kindheit so, wenn mir vorgelesen wurde. Mein Bruder Andy ist Schauspieler. Visuelles Denken hat unser Berufsleben stark geprägt.

Wie haben Sie in Ihrer Kindheit das Vorlesen empfunden?

Es war ein schönes Ritual, für das sich unser Vater immer Zeit genommen hat. Meine Oma mütterlicherseits hat uns außerdem Geschichten vom „Jungen Winni“ erzählt, die sie sich selbst ausgedacht hatte. Und meine anderen Großeltern haben uns Hörspiele vorgespielt. War uns das zu wenig, hatten wir unsere Tricks parat, um mehr Geschichten zu hören, zum Beispiel quengeln. Das hat eigentlich immer geklappt.

Welche Bedeutung hat das Vorlesen heute für Sie?

Ich halte das Geschichtenerzählen und Vorlesen für essentiell in der Entwicklung eines Kindes. Es ist toll, wenn man Kindern vorlesen kann. Es ist auch wunderbar, sich selbst etwas vorzustellen und zu beobachten, wie Kinder selber zu lesen anfangen.

Am Ende Ihrer Geschichte von Wilbur McCloud hat ein kleines Flugzeug viele neue Freunde gefunden und hilfreiche Erfahrungen gesammelt. Setzen Sie die Geschichte fort?

Ja – und wir sind sehr happy darüber! Die Geschichte von Wilbur geht weiter, wird diesmal in Deutschland stattfinden, und uns gefällt sie beinahe noch besser als die erste.

Gätjen und Karlström eröffnen Dienstag, 26. April, in der Zehntscheuer das Ravensburger Lesefestival. Um 9 Uhr und 10.30 Uhr stellen sie ihr Kinderbuch „Wilbur McCloud hebt ab“ vor. Restkarten an der Tageskasse.