Bis zum Jahresende wird Immenstaad fünf Flüchtlinge mehr aufnehmen, als es die Verteilungsquote vorsieht. Das sei für eine kleine Gemeinde keine Selbstverständlichkeit, sagte Michael Müller in der Sitzung des Gemeinderats am Montag. Er ist in der Gemeinde für die Unterbringung zuständig. Bürgermeister Johannes Henne sieht dieses Engagement als Signal: „Wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen, gibt das für andere einen Impuls. Das ist auch ein Zeichen der Menschlichkeit.“ Für die Unterbringung nutzt die Gemeinde neben dem Neubau im Gewerbegebiet Bürglen zwei eigene Wohnungen und hat drei Häuser und sechs Wohnungen gemietet.

Derzeit 14 Familien und elf alleinstehende Männer

Nach spätestens zwei Jahren geht die Aufgabe, Flüchtlinge unterzubringen, vom Kreis auf die Kommunen über. Nicht allen Städten und Gemeinden im Landkreis gelingt diese Anschlussunterbringung. Immenstaad stellt zurzeit Wohnraum für 77 geflüchtete Personen zur Verfügung: 14 Familien mit insgesamt 38 Kindern und elf alleinstehende Männer. In dieser Anschlussunterbringung bleiben sie, bis sie eine eigene Wohnung finden. Gut drei Viertel von ihnen stammen aus Syrien, andere kommen aus Nigeria, dem Irak und Togo, je eine Person aus dem Iran und Algerien.

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Wegen der Zuweisepraxis des Landratsamts kämen gerade verstärkt Menschen aus afrikanischen Ländern. Sie erhalten im Gegensatz zu Geflüchteten aus Syrien seltener einen Aufenthaltstitel. Sie müssen in ihr Land zurückkehren – freiwillig oder per Abschiebung, so die Theorie. „Viele haben keine Ausweise. Ohne Dokumente kann man sie nicht abschieben, das ist dann eine Verhandlungssache der Regierung“, erklärte Sita Koerber von den Johannitern. Sie ist seit Februar Integrationsmanagerin der Gemeinde. Alleinreisende Männer müssten eher ausreisen, während das etwa bei einer Alleinerziehenden mit mehreren Kindern sehr unwahrscheinlich sei.

Zweimal wöchentlich Sprechstunden zur Beratung

Koerber bietet zweimal wöchentlich Sprechstunden in der „s‘Deutsche Stube“ hinter dem Rathaus. Sie berät die Menschen, die zu ihr kommen, bei Asylverfahren, Behördengängen oder der Arbeitssuche, hilft ihnen beim Anmelden der Kinder in Schule oder Kita und übersetzt Briefe und Formulare. Wegen der Corona-Pandemie sind die sonst ebenfalls vorgesehenen Beratungen in Wohnungen oder Sammelunterkünften nicht möglich. Auch den für dieses Jahr geplanten Integrationsgipfel musste sie verschieben. Verwaltung, Ehrenamtliche, Vermieter, Nachbarn, Flüchtlinge und potenzielle Arbeitgeber hätten sich dort treffen sollen.

Rat wird über Beitritt zum Bündnis „Sichere Häfen“ beraten

Mehr Menschen unterzubringen als zugewiesen, ist eines der Hauptziele des Aktionsbüdnis „Sichere Häfen“, zu dem sich zahlreiche deutsche Kommunen zusammengeschlossen haben. „Das werden wir in diesem Jahr erreichen und darauf sind wir stolz“, sagte Michael Müller. Ob die Gemeinde den Beitritt zum Aktionsbündnis anstreben soll, berät der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung.