Seit 1893 zeigte sie in Immenstaad, was es geschlagen hatte. Jetzt steht die Mannhardt-Uhr aus der Königlich Bayerische Hof-Thurmuhren-Fabrik in einem Glaskasten auf dem Rathausplatz, Sinnbild für Präzision und Technikgeschichte.

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Vor dem Rathaus behalten die „Touristin“ und der „Bohnenbrätscher“ das Treiben auf Platz im Auge – über 40 Bronzeköpfe von Gerda Eckart repräsentieren Wirtschaft und Brauchtum.

Die „Touristin“ von Gerad Eckart
Die „Touristin“ von Gerad Eckart | Bild: Corinna Raupach
Der „Bohnenbrätscher“ ist eine Gruppe der Narrenzunft Hennenschlitter.
Der „Bohnenbrätscher“ ist eine Gruppe der Narrenzunft Hennenschlitter. | Bild: Corinna Raupach

Das Bürgerhaus wurde 1716 vom Deutschen Orden erbaut. An einer Ecke des Hauses erinnert das Wappen des Deutschordenritters Georg Balthasar von Weitersheim noch heute daran.

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An der anderen Ecke zeigt das Immenstaader Wappen Pilgermuschel, Pilgerstäbe und die abgelegte Krone des Heiligen Jodok.

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Zwischen ihnen hält das Kriegerdenkmal das Gedächtnis an die Gefallenen im deutsch-französischen Krieg wach.

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Karl Eckle und Winfried Dickreiter haben mehr als 100 solcher Kleindenkmale in Immenstaad und Kippenhausen erfasst

„Schon hier im Zentrum steht ein Kleindenkmal neben dem anderen“, sagt Karl Eckle. Innerhalb von zweieinhalb Jahren hat er zusammen mit Winfried Dickreiter mehr als 100 Kleindenkmale in Immenstaad und Kippenhausen erfasst.

Den Anlass bot das Kleindenkmalprojekt des Landes. Es hat die Erfassung dieser stummen Zeugen lokaler Geschichte zum Ziel, um ihre Erforschung und ihren Erhalt zu ermöglichen. Seit 2018 geschieht das auch im Bodenseekreis. „Da habe ich mich angesprochen gefühlt, obwohl ich kein Altertumsforscher oder Historiker bin. Denkmal bedeutet ja ‚denke mal nach‘“, sagt Eckle.

Karl Eckle könnte sich einen Kleindenkmalweg oder auch Projekte von Schulklassen zu Kleindenkmalen vorstellen.
Karl Eckle könnte sich einen Kleindenkmalweg oder auch Projekte von Schulklassen zu Kleindenkmalen vorstellen. | Bild: Corinna Raupach

Den Anfang hatte der Heimatverein bereits gemacht und Bildstöcke und Wegkreuze katalogisiert. „Aber es gibt so viel mehr, an dem selbst Alteingesessene manchmal einfach vorbeilaufen“, sagt Eckle.

So ist das 1461 gebaute Haus Michael nicht nur das älteste Wohnhaus im Ort, dessen rotbraune Schriftzüge die Vorbeigehenden zu Nachdenklichkeit und Gemeinsinn aufrufen. In einer Nische waltet auch der Hausheilige noch seines Amtes – der getötete Drache unter den Füßen des heiligen Michael ist noch zu erahnen, das Schwert hat er eingebüßt.

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Über dem Eingang der Michaelskapelle weiter westlich hat er seinen Platz dem Kollegen Nepomuk überlassen. „Der heilige Nepomuk ist der Schutzpatron von Reisenden und Brücken. An dieser Stelle befand sich eine Brücke über den Dorfbach. Der fließt hier immer noch, nur unterirdisch“, erzählt Eckle.

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Ein weiterer Nepomuk hütet die kleine Brücke am Kniebachweg. „Der musste umziehen, weil er beim Ausbau der Hauptstraße im Weg war“, sagt Eckle.

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Für Karl Eckle ist ein Kleindenkmal nicht nur kleiner als ein Denkmal. Es hat in den meisten Fällen einen lokalen Bezug, erinnert an Ereignisse in der Vergangenheit oder an regionales Kulturgut. „Jedes Kleindenkmal erzählt seine eigene Geschichte“, sagt Eckle.

Die Geschichte des starken Vincenz kennen die meisten: Der kräftige Schiffsknecht soll das historische Schwörerhaus geradegezogen haben, als ihm der Abriss drohte. Er trank Bier aus Eimern und lebte mit seiner Frau im Anbau des Schwörerhauses.

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Die Geschichte, die die Wappen an seinem Brunnen repräsentieren, ist schon komplizierter: seit der ersten Erwähnung der Gemeinde 1094 lebten die Bürger Immenstaads unter dem Regiment der Ritter von Helmsdorf, der Grafen von Heiligenberg, der Schenken von Ittendorf, der Klöster Salem, Einsiedeln, Ochsenhausen und Weingarten und noch einiger mehr.

Die Zeit, als Immenstaad dem Schweizer Kloster Münsterlingen tributpflichtig war, ist in der Narrenzunft Hennenschlitter gegenwärtig: „Im Winter zogen die Bauern mit Schlitten über den zugefrorenen See und brachten den Herren den Zehnten. Leider kam es vor, dass die Hennen auf dem Weg erfroren“, sagt Eckle. Die Bronzefiguren Hennenschlitter und Hennenmutter von Esther Seidel stellen diese diese Geschichte dar, auch der Hennenbrunnen von Werner Gürtner hat sie zur Grundlage.

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Esther Seidels Hennenmutter mit dem Hennenschlitter versinnbildlicht den Ursprung des Narrenvereins.
Esther Seidels Hennenmutter mit dem Hennenschlitter versinnbildlicht den Ursprung des Narrenvereins. | Bild: Corinna Raupach

Viele Kleindenkmale beziehen sich auf den See. Die Mooreiche am Landesteg war ein Geschenk Schweizer Narrenvereine, überreicht 25 Jahre nach der Seegfrörnen von 1963.

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Der Yachtclub stiftete die Schiffsschraube der „Schussen“, die bis 1983 zwischen Friedrichshafen und Romanshorn fuhr.

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Der 200 Jahre alte Stockanker stammt von einem Übersee-Windjammer, ist aber ebenso alt wie der Landesteg, der für die Gemeinde den Anschluss an den internationalen Bodensee-Handel bedeutete.

„Ein ganz besonderes Kleindenkmal wird leider zur Zeit von Bauplanen verdeckt“, hat Eckle festgestellt. Am vor dem Abriss stehenden Gasthof Schiff hält eine Tafel den Wasserstand des Sees vom 7. Juli 1817 fest. „Die Tafel wird auf gleicher Höhe an dem dort entstehenden Neubau angebracht“, sagt Eckle.

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Andere wie das Denkmal für den Immenstaader Mäzen Fritz Kopp auf dem Friedhof, die Grabtafeln ehemaliger Pfarrer oder die Kriegerdenkmale gedenken Menschen, die früher in der Gemeinde gelebt und gewirkt haben.

Fritz Kopp war Maschinenfabrikant in Neu-Ulm und spendete stiftete seiner Heimatgemeinde einen Kindergarten, das Gelände zur Friedhofserweiterung und Kirchenglocken für die evangelische Kirche. Sein Grabmal stammt aus dem Jahr 1960.
Fritz Kopp war Maschinenfabrikant in Neu-Ulm und spendete stiftete seiner Heimatgemeinde einen Kindergarten, das Gelände zur Friedhofserweiterung und Kirchenglocken für die evangelische Kirche. Sein Grabmal stammt aus dem Jahr 1960. | Bild: Corinna Raupach
An der Kirche liegen unter der Kreuzigungsgruppe die Grabplatten von drei Immenstaader Pfarrern.
An der Kirche liegen unter der Kreuzigungsgruppe die Grabplatten von drei Immenstaader Pfarrern. | Bild: Corinna Raupach

Manche Geschichten warten noch darauf, erzählt zu werden. „Hinter jedem Wirtshausschild steckt eine eigene Historie“, sagt Eckle. Das Schild am Seehof etwa weist auf den Namen Rebstein hin, das am Adler auf den Greifvogel.

Jedes alte Wirtshausschild erzählt eine Geschichte – das am Seehof erinnert an den Ursprung des Namens „Rebstein“.
Jedes alte Wirtshausschild erzählt eine Geschichte – das am Seehof erinnert an den Ursprung des Namens „Rebstein“. | Bild: Corinna Raupach

Aber warum etwa der Bacchus an der Hauptstraße doppelgesichtig ist, was das prächtige Schild an der „Alten Vogtei“ bedeutet oder auf wen sich das Epitaph an der katholischen Kirche bezieht, weiß er auch nicht. Epple könnte sich vorstellen, dass der Heimatverein oder auch eine Schulklasse einige dieser Geheimnisse lüftet.

Wer hier mit 18 Kinder starb, weiß heute niemand mehr.
Wer hier mit 18 Kinder starb, weiß heute niemand mehr. | Bild: Corinna Raupach

Für die Zukunft könnte er sich einen Kleindenkmalweg vorstellen, in Zusammenarbeit mit Heimatverein und Gemeinde. „Das wäre sicher nicht nur für Touristen interessant“, sagt er. Ein Spazierweg zum Nachdenken über Geschichte, Brauchtum und Menschen, die den Ort geprägt haben, müsse nicht viel kosten.