Im Keller des Feuerwehrhauses Immenstaad lagern neben fertig gepackten Atemschutzgeräten stapelweise leere Sandsäcke. „Wir sind gerade erst die Seestraße abgelaufen und haben die Anwohner informiert, wo sie im Hochwasserfall Sandsäcke holen können“, sagt Martin Stett, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Immenstaad. Im Außenlager des Bauhofs im Herrenweiherweg liegen eine Ladung Sand, Sandsäcke und eine Schaufel. Der Zutritt ist jederzeit möglich.

Im Keller lagern Koffer mit Atemschutzgeräte und leere Sandsäcke, zeigt Feuerwehrkommandant Martin Stett.
Im Keller lagern Koffer mit Atemschutzgeräte und leere Sandsäcke, zeigt Feuerwehrkommandant Martin Stett. | Bild: Corinna Raupach

Weitere 500 Sandsäcke hat die Feuerwehr für den eigenen Gebrauch bereits abfüllen lassen. Denn sie ist nicht nur bei Bränden im Einsatz, sondern auch bei anderen Gefahrenlagen, vom Unfall über Gasaustritt und umgestürzte Bäume bis zu Türöffnungen im Notfall. Sollten Bodensee oder Kogenbach über die Ufer treten oder Niederschläge im Hinterland über Immenstaad ihren Weg in den Bodensee nehmen, pumpt sie Garagen oder Keller leer.

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„Wenn es zu einer Hochwassersituation käme, würden wir zunächst dafür sorgen, dass die Hauptverkehrsstraßen befahrbar bleiben, damit die anderen Hilfsorganisationen zu ihren Einsatzorten kommen“, sagt Stett. Eine eigene Notstromversorgung im Keller garantiert Kommunikation und Haustechnik bei Stromausfall. Im Feuerwehrhaus gibt es auch Feldbetten, um Menschen kurzfristig etwa in der Linzgauhalle unterzubringen.

Das Feuerwehrhaus ist die Zentrale für unterschiedlichste Einsätze.
Das Feuerwehrhaus ist die Zentrale für unterschiedlichste Einsätze. | Bild: Corinna Raupach

2015 war in Immenstaad der Kogenbach über die Ufer getreten und hatte Obstanlagen und Teile der Meersburger Straße überschwemmt. Das Wasser floss aus dem Rückhaltebecken an der B 31 nur eingeschränkt ab, in der Folge stand die Bachstraße teilweise unter Wasser. „Wir haben seitdem drei Maßnahmen zum Hochwasserschutz auf den Weg gebracht“, sagt Ortsbaumeister Ulrich Kohler. Ein zweiter Notauslauf am Landesteg ist bereits gebaut. Ab Herbst soll eine Verwaltung am Seelbach mehr Wasser in den Obstanlagen zurückhalten können und im Winter wird die Ertüchtigung des Retentionsbeckens an der B 31 fertig gestellt.

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Die Frage, wie rechtzeitig vor einer Katastrophenlage gewarnt werden kann, ist nach Kohlers Einschätzung auch in Immenstaad nicht gelöst: „Wir beobachten den Pegel des Bodensees ständig und stimmen uns sehr eng mit der Feuerwehr ab.“ Übersteigt der See die kritische Marke von 4,80 Metern, weise das Landratsamt per Fax auf die Gefahr hin. „Aber wie diese Warnung dann zu den Bürgern kommt, ist schwierig“, sagt Kohler. Eine Sirene, die in Notfall die Anwohner alarmiert, gibt es nicht mehr. Warnapps wie Nina funktionieren nur, solange der Mobilfunk stabil ist.

„Wir müssen bei den Vorhersagen auch die kleineren Bäche in den Blick nehmen.“
Johannes Henne, Bürgermeister Immenstaad

Bürgermeister Johannes Henne hält für die Zukunft weitere Schritte für nötig. „Wir müssen bei den Vorhersagen auch die kleineren Bäche in den Blick nehmen“, sagt er. Auch die Stadtplanung müsse das Thema berücksichtigen und bei der Ausweisung von Neubaugebieten und der weiteren Bodenversiegelung mitdenken: „Das ist hier am See ein großes Thema für den Städtebau.“

Beim Katastrophenschutz arbeiten Feuerwehr und Gemeinde eng zusammen (von links): Kämmerer Matthias Herrmann, Feuerwehrkommandant Martin Stett, Bürgermeister Johannes Henne.
Beim Katastrophenschutz arbeiten Feuerwehr und Gemeinde eng zusammen (von links): Kämmerer Matthias Herrmann, Feuerwehrkommandant Martin Stett, Bürgermeister Johannes Henne. | Bild: Corinna Raupach

Schäden vorzubeugen, statt sie zu regulieren, steht auch auf der Agenda des Verbands badischer Versicherungen (BGV). „Es ist Bestandteil unserer Satzung, Maßnahmen zur Schadensvermeidung zum Wohl der Allgemeinheit zu unterstützen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Edgar Bohn. Jährlich investiert der Verband 500.000 Euro, die Feuerwehren und anderen Blaulichtorganisationen zugute kommen. „Wir überlegen, dieses Budget noch aufzustocken“, sagt Bohn.

Am Dienstag nahm die Feuerwehr Immenstaad eine Spende vom Verband Badischer Versicherungen entgegen.
Am Dienstag nahm die Feuerwehr Immenstaad eine Spende vom Verband Badischer Versicherungen entgegen. | Bild: Corinna Raupach

Die Immenstaader Feuerwehr bekommt in diesem Jahr vom BGV eine Spende von 10.000 Euro. Sie soll beim Aufbau einer Digitalfunkstrecke zur Leitstelle helfen. „Digitalfunk ist verschlüsselt und kann nicht abgehört werden“, sagt Feuerwehrkommandant Stett. Auch werde die Kommunikation wesentlich erleichtert, wenn mehrere Einsatzorte parallel koordiniert werden müssen.

Das analoge Funkgerät soll um einen Digitalfunkt zur Leitstelle ergänzt werden.
Das analoge Funkgerät soll um einen Digitalfunkt zur Leitstelle ergänzt werden. | Bild: Corinna Raupach

Um im Ernstfall gut ausgerüstet zu sein, muss die Feuerwehr ihr Material nicht nur ständig warten – für die Instandhaltung der Atemschutzgeräte etwa gibt es eine eigene Werkstatt im Feuerwehrhaus. Sie muss auch technisch auf dem neuesten Stand sein.

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Im vergangenen Jahr hat die Immenstaader Feuerwehr eine neue Tragkraftspritze angeschafft, 2019 wurde ein neuer Gerätewagen in Dienst gestellt. Das sei nicht nur für die Einsätze wichtig, sagt Stett: „So können wir auch unsere Jugendlichen besser motivieren und neue Mitglieder gewinnen.“

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