Fischerin Edith Dickreiter kann sich noch gut daran erinnern, wie die alte Fischerhütte von ihrem Vater und Großvater genutzt wurde. „Da unten am See wurden die Netze gelagert und alles, was man für die Uferfischerei brauchte: Hechtnetze, Aalreusen, Ruder, Bojen“, sagt sie.

Zu ihrer Zeit mussten schon keine Baumwollnetze mehr zum Trocknen aufgehängt werden, die Vorrichtungen dafür sind aber noch an der Hütte zu erkennen. „Die Baumwollnetze gab es da schon nicht mehr, die Netze waren aus Nylon und anderen Kunststoffen.“ Sie weiß auch noch, dass die Hütte im Frühjahr oft unter Wasser stand. Sie selbst braucht sie nicht. „Ich habe meine Sachen lieber hier bei mir“, sagt sie.

Die alten Baumwollnetze mussten nach dem Fang getrocknet und repariert werden.
Die alten Baumwollnetze mussten nach dem Fang getrocknet und repariert werden. | Bild: Privatbesitz Edith Dickreiter

Heimatverein wird auf die Hütte aufmerksam

Die Hütte an der Seestraße Ost in der Nähe des Kniebachs blieb stehen, ab und zu flickte Edith Dickreiter das Dach oder ersetzte ein Brett. Vor einigen Monaten wurde der Heimatverein auf die Hütte aufmerksam. „Ich bin oft beim Spazierengehen dran vorbeigekommen, irgendwann habe ich mich gefragt, was das eigentlich für eine Hütte ist“, erzählt Thomas Schmidt, der Vorsitzende des Heimatvereins. Er habe dann erfahren, dass es sich um eine alte Fischerhütte handle. Im Verein sei die Idee entstanden, daraus ein lebendiges Museum zu machen. „Bisher gibt es in Immenstaad nirgends einen Ort, der an die Geschichte der Fischerei hier erinnert.“

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Für die Ausgestaltung hat der Heimatverein einiges angedacht. „Wir könnten Fenster in die Wände machen und zeigen, wie es in so einer Hütte aussah. Ein paar Netze hängen dort noch“, sagt Schmidt. Er könnte sich eine Fischerfigur vorstellen, Fischerei-Utensilien, LED-Beleuchtung und eine Infotafel. Weitere Informationen, Bilder und vielleicht ein Video über die Fischerei in Immenstaad würde er gern per QR-Code zugänglich machen. „Das wäre sicher auch für Familien interessant, die hier spazieren gehen.“ Die Hütte sei groß genug für Aktionen, etwa mit Kindergruppen.

Paul und Wilhelm Dickreiter trocknen ihre Netze vor der Fischerhütte.
Paul und Wilhelm Dickreiter trocknen ihre Netze vor der Fischerhütte. | Bild: Privatbesitz Edith Dickreiter

Doch ehe die Hütte zu einem Museum werden kann, ist viel zu tun. Sie steht in einer Senke, um den Boden und die Stützpfosten vor Nässe zu schützen, muss eine Drainage gelegt werden. Das Dach ist undicht und braucht neue Ziegel und Latten. „Da haben wir schon historisches Baumaterial sichergestellt, als ein alter Schopf abgebaut wurde“, sagt Schmidt. Der teilweise marode Boden muss ertüchtigt und teilweise erneuert werden. Auch eine Stromleitung gibt es noch nicht. Nach Einholung von Kostenvoranschlägen kommt Schmidt auf Kosten von rund 10.000 Euro.

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Rat sagt Unterstützung der Gemeinde zu

„Wir stellen uns das so vor wie bei der Turmuhr vor dem Rathaus. Den Grund stellt die Gemeinde zur Verfügung, sie zahlt auch den Strom. Der Heimatverein betreibt das Museum und kümmert sich um die Wartung“, sagt Schmidt. Dem stimmte der Gemeinderat am Montag zu, ebenso wie der Übernahme der Hälfte der Kosten.

Thomas Schmidt vom Heimatverein stellt die Pläne im Gemeinderat vor.
Thomas Schmidt vom Heimatverein stellt die Pläne im Gemeinderat vor. | Bild: Corinna Raupach

„Wir befürworten das aus historischen und touristischen Gründen, das ist ein Mehrwert für unsere Gemeinde“, begründete Bürgermeister Johannes Henne. Sonja Heß von den Grünen sagte: „Das ist eine sehr charmante Idee. Vielleicht könnten wir auch ein Fest rund um den Fisch feiern, Apfelwochen gibt es ja schon.“ „Wir können dem nur zustimmen, ein Fest ist immer gut“, kommentierte Daniel Heberle von der FDP. Sandra Winkler (CDU) sprach dem Verein ihren Respekt aus für die umfangreichen Vorarbeiten: „Wir können da voll mitgehen, auch mit der Finanzierung.“

In der alten Fischerhütte plant der Heimatverein ein lebendiges Museum.
In der alten Fischerhütte plant der Heimatverein ein lebendiges Museum. | Bild: Corinna Raupach

Edith Dickreiter findet die Idee ebenfalls gut. „Früher gab es 20 Berufsfischer in Immenstaad. Die Hütte ist eine der letzten, die dort steht“, sagt sie. Vor Jahren habe die Gemeinde sie einmal gefragt, ob sie die Hütte abreißen könne. „Da habe ich mich aber gewehrt“, sagt sie. Ein Erinnerungsort an dieser Stelle würde ihr gefallen.