Eine halbe Stunde vor dem Start treffen sich die ehrenamtlichen Helfer vor der Linzgauhalle. Der Immenstaader Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes übernimmt die Testungen, die Freiwillige Feuerwehr kontrolliert am Eingang und unterstützt, eine Mitarbeiterin aus dem Rathaus übernimmt die Registrierung. In der Linzgauhalle sind durch Stellwände einzelne Kabinen abgetrennt.

DRK-Einsatzgruppenleiterin Christiane Hirt geht von Station zu Station und prüft, ob alle gut ausgestattet sind: Genug Tests, Desinfektionsmittel und -tücher, Handschuhe, ein Mülleimer und zwei Behälter für potenziell infektiöse Abfälle müssen überall vorhanden sein. „Wir nehmen es mit der Hygiene hier sehr genau. Viele von uns arbeiten im Krankenhaus, wir wissen, womit wir es zu tun haben“, sagt sie.

Ehe es losgeht, prüft Christiane Hirt (Mitte), ob alle Testplätze gut ausgestattet sind.
Ehe es losgeht, prüft Christiane Hirt (Mitte), ob alle Testplätze gut ausgestattet sind. | Bild: Corinna Raupach

Christiane Hirt arbeitet auf der Intensivstation, sie hat selbst Covid-Fälle betreut, die beatmet werden mussten. Für sie ist klar, dass das Rote Kreuz im Testzentrum aktiv wird. „Wir können so die Gemeinde unterstützen und es ist eine Möglichkeit, einen Überblick über die Pandemie zu bekommen“, sagt sie.

Christiane Hirt engagiert sich ehrenamtlich im Testzentrum der Gemeinde Immenstaad.
Christiane Hirt engagiert sich ehrenamtlich im Testzentrum der Gemeinde Immenstaad. | Bild: Corinna Raupach

Sorgen um ihre Sicherheit macht sie sich nicht, nicht nur weil der weit überwiegende Anteil der Tests negativ ausfällt. „Wir sind gut geschützt, die Abläufe sind gut organisiert und wir halten alle Abstands- und Hygieneregeln ein“, sagt Hirt. Allerdings beunruhigt sie, dass die Getesteten sich in falscher Sicherheit wiegen könnten. „Wir müssen immer wieder deutlich machen, dass der Test eine Momentaufnahme ist, dass negativ Getestete genauso vorsichtig sein müssen wie alle anderen auch.“

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Kurz bespricht sie sich mit Ortsgruppenleiter Sven Volk. Ab heute liegen die Zettel mit Verhaltensregeln für positiv Getestete in dem Raum aus, in dem die Ergebnisse mitgeteilt werden. „Dann müssen die Leute nicht mehr zurück in die Halle“, sagt Volk. „Und es kann niemand fragen, warum jemand zwei Zettel bekommt“, ergänzt Hirt.

Vor Testbeginn tauschen sich DRK-Ortsgruppenvorsitzender Sven Volk und Bereitschaftsdienstleiterin Christiane Hirt kurz aus.
Vor Testbeginn tauschen sich DRK-Ortsgruppenvorsitzender Sven Volk und Bereitschaftsdienstleiterin Christiane Hirt kurz aus. | Bild: Corinna Raupach

Alle Termine an diesem Abend sind ausgebucht, obwohl das Rote Kreuz schon bei den Teststationen aufgestockt hat. Die Nachfrage ist groß. „Vielleicht müssen wir in Zukunft doch die Schichten verlängern“, überlegt Volk. „Das sollten wir mit der Gemeinde besprechen“, sagt Hirt.

Ehe es losgeht, können sich alle Helfer testen lassen. Hirt zieht ihre Schutzkleidung an: zur FFP2-Maske kommen blauer Kittel, Einweghandschuhe und Face-Shield.

Zur Schutzausrüstung gehören neben der FFP2-Maske Kittel, Handschuhe und Face-Shield.
Zur Schutzausrüstung gehören neben der FFP2-Maske Kittel, Handschuhe und Face-Shield. | Bild: Corinna Raupach

Marco Schmid-Brügel von der Freiwilligen Feuerwehr kommt in ihre Kabine. „Haben Sie das schon einmal gemacht?“, fragt sie ihn. „Jaja“, antwortet er und nimmt den Kopf gleich ein bisschen zurück. Vorsichtig führt Hirt das Wattestäbchen in seine Nase und dreht es zehn Sekunden lang.

Als erstes testet Christiane Hirt Feuerwehrmann Marco Schmid-Brügel.
Als erstes testet Christiane Hirt Feuerwehrmann Marco Schmid-Brügel. | Bild: Corinna Raupach

„Ging es?“, fragt sie, nachdem sie es herauszogen hat. „Kein Problem“, antwortet er und guckt zu, wie sie das Stäbchen in ein Röhrchen mit Pufferlösung steckt. „Das muss ich jetzt eine Minute drin lassen, damit möglichst viel Viren rein kommen“, erklärt sie.

Hirt tropft etwas von der Flüssigkeit auf das Testfeld, notiert die Zeit und legt den Test mit dem Anmeldebogen auf einen Tisch hinter der Kabine.

Nach 15 Minuten steht das Ergebnis fest.
Nach 15 Minuten steht das Ergebnis fest. | Bild: Corinna Raupach

In einer Viertelstunde liest ein weiteres DRK-Mitglied das Ergebnis ab und teilt es dem Betreffenden mit. Für die wartenden Testpersonen sind lange Reihe Stühle in der Halle aufgestellt. Feuerwehrmann Schmid-Brügel bezieht jedoch gleich seinen Posten am Halleneingang, er weist den Ankommenden den Weg zu den Teststationen. Hirt wischt den Stuhl ab, auf dem er saß, wechselt die Handschuhe und desinfiziert zwischendurch ihre Hände.

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Ab jetzt geht es ohne Pause weiter. Alle fünf Minuten betritt eine Testperson die Box und wandert ein Test auf den Tisch dahinter. Am Ende ihrer Schicht ist Christiane Hirt verschwitzt und durstig. „Es ist machbar. Es sind ja nur zwei Stunden, das geht gut ohne Pause“, sagt sie. Sie hilft regelmäßig im Testzentrum, auch wenn zu Hause ihr Mann und die vier und sieben Jahre alten Töchter gern mit ihr zu Abend essen würden. Ihr Mann richtet dann das Abendessen und bringt die Kinder ins Bett. „Die Familie trägt das Engagement mit, das ist hier bei allen so“, sagt sie.

Die Dienstpläne lassen sich problemlos füllen

Als Bereitschaftsleiterin ist Hirt für die Dienstpläne der Ehrenamtlichen in der Halle zuständig. Die Testung selbst darf nur qualifiziertes Personal vornehmen: Ärzte, Krankenpfleger, Apotheker oder Sanitäter, die eine zusätzliche Schulung absolviert haben. Springer können auch andere sein. „Aber ich muss immer berücksichtigen, dass vielleicht einer der Tester ausfällt und wir doch noch eine geschulte Person brauchen“, sagt Hirt.

Die Linzgauhalle wird an drei Tagen in der Woche zum Testzentrum.
Die Linzgauhalle wird an drei Tagen in der Woche zum Testzentrum. | Bild: Corinna Raupach

Immer wieder ändern sich die Rahmenbedingungen, Helfer haben Ideen für Verbesserungen, gerade steht eine weitere Aufstockung zur Debatte. „Mein neues Lieblingswort ist: dynamische Lage“, sagt sie dazu. Ausgesprochen positiv erlebt sie die Hilfsbereitschaft nicht nur der DRK-Mitglieder: „Ich habe gar keine Probleme, die Dienstpläne vollzubekommen. Es melden sich auch Krankenschwestern oder Ärzte, die gar keine Mitglieder sind und sagen, sie wollen helfen.“

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Zugute kommt ihr dabei, dass zurzeit alle anderen Vereinsaktivitäten ausfallen. Normalerweise treffen sich die DRK-Mitglieder in Immenstaad wöchentlich zu Ausbildungszwecken, übernehmen bei Weinfest oder Fasnet den Sanitätsdienst oder helfen bei Blutspendenaktionen. Christiane Hirt ist seit ihrem neunten Lebensjahr dabei. „Dieses soziale Engagement ist für mich ein schöner Beitrag für die Gesellschaft. Ich kann etwas Gutes, etwas Effektives tun“, sagt sie.