Klaus Lindemann, Vorsitzender der Immenstaader Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), steht mit seinem Fahrrad auf einer Wiese unterhalb des Wohngebiets Hardt-Horn. Eine weiße Bank lädt zum Blick auf den Bodensee, der in Richtung Süden durch Bäume und Büsche glitzert. „Der ganze Uferbereich hier ist eine Vorrangfläche für Natur- und Umweltschutz. Das ist Teil eines wichtigen Biotopverbundes“, sagt Lindemann.

Der Entwurf für den Regionalplan Bodensee-Oberschwaben sieht an dieser Stelle einen Grünzug vor, der sich vom Aquastaad bis zum Yachthafen Hagnau zieht. In seiner Stellungnahme vom Februar hatte der Gemeinderat darum gebeten, die nördliche Grenze dieses Grünzugs zu begradigen oder zurückzunehmen, um eine behutsame Ausschöpfung von Nachverdichtungspotenzialen zu ermöglichen.

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„Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – behutsame Nachverdichtung. Eine Bebauung südlich des Gebiets Hardt-Horn ist keine Verdichtung, sondern eine Bebauung im Außenbereich zu Lasten von Natur und Umwelt“, sagt Lindemann. Der BUND sehe zudem ausreichend Bauflächen im Westen der Gemeinde, die nachzuverdichten seien. „Das öffentliche Interesse besteht vielmehr in einem möglichst offenen Uferbereich“, sagt Lindemann.

Den Grünzug zwischen dem Wohngebiet Hard-Horn und dem Bodenseeufer würde die Gemeinde für Nachverdichtung nutzen wollen, der BUND Immenstaad sähe darin eine Störung des Biotopverbunds am See.
Den Grünzug zwischen dem Wohngebiet Hard-Horn und dem Bodenseeufer würde die Gemeinde für Nachverdichtung nutzen wollen, der BUND Immenstaad sähe darin eine Störung des Biotopverbunds am See. | Bild: Corinna Raupach

Auch zum Grünzug an der K 7745, der Verbindungsstraße nach Kippenhausen, nimmt der BUND Stellung. Auch hier steht er an der Seite des Regionalverbands. Dessen Entwurf sieht südwestlich der Straße einen kommunalen Grünzug vor. Die Gemeinde hat sich für dessen Aufhebung vor allem zwischen B 31 und Friedhof ausgesprochen, um Flexibilität für kommunale Planungen zu behalten. „Immenstaad ist eine Seegemeinde und als solche gehalten, die Gewerbeflächen auf Eigenentwicklung zu begrenzen“, sagt Lindemann.

Den Grünstreifen an der K 7745 möchte der BUND Immenstaad erhalten.
Den Grünstreifen an der K 7745 möchte der BUND Immenstaad erhalten. | Bild: Corinna Raupach

Nach Einschätzung des BUND sind in Immenstaad bereits überproportional viele Gewerbeflächen ausgewiesen. Alles Weitere ginge zu Lasten von Landwirtschaft, Klimaschutz und Biodiversität. Dass der Regionalverband sich kommunalen Planungen nicht verschließe, zeige der neue Bauhof, heißt es in der Stellungnahme. An dessen Standort sah der Regionalplan von 1996 einen Grünzug vor, dessen Entfernung habe der Verband ohne öffentliche Beteiligung zugestimmt.

Der BUND Immenstaad vermisst im Regionalplan das Thema Hagelschutznetze. „Wir sehen darin keine Biotopvernetzung, sondern eine ökonomische Maßnahme, die die Ertragsminderung vermeiden will und dabei negative Folgen etwa für Greifvögel hat“, sagt Lindemann.

Noch ist der Regionalplan nicht als Satzung beschlossen

Die Eingaben von Gemeinde und BUND sind beim Regionalverband eingegangen und werden in den kommenden Monaten bearbeitet. „Wie wir uns hier entscheiden, kann ich noch nicht absehen“, sagt Verbandsdirektor Wilfried Franke. Beide Gebiete waren bereits in der ersten Offenlegung 2019 Thema, der Verband hatte gegen die Wünsche der Gemeinde Immenstaad entschieden. Franke kündigt an, neue Argumente zu prüfen. „Wir haben einen Sitzungstermin im Juni, da werden wir mit unseren Abwägungen in die entsprechenden Gremien gehen“, sagt er.

Die Verbandsversammlung wird nach den Beratungen den Regionalplan als Satzung beschließen, das Wirtschaftsministerium erklärt ihn durch die Genehmigung für verbindlich. Er gilt als rechtsverbindliche Grundlage für alle Maßnahmen durch öffentliche Stellen, die für die Raumplanung Bedeutung haben. Kommunen müssen ihre Flächennutzungs- und Bebauungspläne an seine Ziele anpassen.