Wenn eine Zwergfledermaus geboren wird, wiegt sie weniger als ein Gummibärchen. Sie ist dann noch so winzig, dass sie auf einen einzelnen Finger passt. Sylvia Koß kennt diesen Anblick, denn sie hat sich seit einigen Jahren der Pflege von verletzten Fledermäusen oder verlassenem Fledermausnachwuchs verschrieben. Bei einem Spaziergang in Immenstaad auf Einladung des örtlichen Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), namentlich von Anita Konath, klärte Koß jüngst Interessierte über den Umgang mit den kleinen Lebewesen auf.

Regentonnen können zur tödlichen Falle werden

„Wildtiere wie Eulen oder Katzen sind ihr kleinstes Problem“, erklärt sie. „Die Eingriffe des Menschen bedrohen sie deutlich stärker.“ So seien häufige Verletzungs- oder Todesgründe etwa Zusammenstöße mit Fahrzeugen oder aber auch das Steckenbleiben in unterschiedlichen Gefäßen und Behältern. “Wer eine Regentonne im Garten stehen hat, sollte schauen, dass der Deckel auch wirklich geschlossen ist“, so Sylvia Koß. Sei ein Spalt offen, könne es sein, dass eine Fledermäuse hineinfliege und den Weg hinaus nicht mehr finde. Auch Schächte aller Art stellten eine Gefahr dar. “Und sobald andere Fledermäuse die Hilferufe hören, fliegen sie hinterher.“

Sylvia Koß kümmert sich um Fledermäuse und klärt über den Umgang mit ihnen auf.
Sylvia Koß kümmert sich um Fledermäuse und klärt über den Umgang mit ihnen auf. | Bild: Lena Reiner

Hilferufe? Tatsächlich erfolgt nicht sämtliche Kommunikation zwischen Fledermäusen so unhörbar für Menschen wie die Ultraschallklicklaute, die die Tiere zur Orientierung nutzen. Sogenannte Soziallaute können auch von Menschen wahrgenommen werden: Fauchen etwa oder ein mausähnliches Fiepen. “Dabei sind Fledermäuse keine Mäuse, sondern gehören zu den Fledertieren“, betont Koß. Fledermäuse fliegen sozusagen mit ihren Händen, die Daumenkralle dient zum Einhaken für die fledermaustypische hängende Schlafposition.

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Fenster bei längerer Abwesenheit schließen

Doch zurück zur Mensch-Fledermaus-Beziehung: Wer die kleinen Tiere schützen oder ihnen zumindest nicht schaden möchte, kann im Alltag auf kleine, einfache Dinge achten. Zunächst wären da gekippte Fenster. Koß erklärt, dass hier, ähnlich wie beim Spalt im Deckel einer Regentonne, die Tiere zwar häufig hineinfinden, dann aber nicht mehr hinaus. Das sei auch dadurch zu erklären, dass die Orientierung der Tiere Schwierigkeiten mit Glasflächen habe.

Wer also in den Urlaub fährt oder länger außer Haus ist, sollte die Fenster nicht auf Kipp lassen, damit Wohnung oder Haus nicht zur Fledermausfalle werde. Auch Kellerräume und Garagen sollte man hier im Blick haben. Wer eine Sanierung am Haus vornehme, sollte vorher genau schauen, ob sich irgendwo Fledermäuse aufhalten, damit diese nicht verletzt würden.

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Falls eine Fledermaus oder mehrere sich entschieden, irgendwo auf dem eigenen Grundstück ihren Winterschlaf anzutreten, sei es außerdem wichtig, sie auf gar keinen Fall zu stören und aufzuwecken. “Wenn eine Fledermaus einmal wach wird, sollte sie zu mir oder einer anderen Pflegestelle kommen, da sie dann schon zu viel Energie verbrannt hat“, erklärt die Expertin. Würde sie einfach weiterschlafen, könne es also sein, dass ihre Reserven nicht für die Ruhezeit ausreichten und sie verhungere.

Wie sehen Fledermäuse aus? Sylvia Koß zeigte das anhand von Präparaten. Links ist die in Europa am häufigsten anzutreffende Fledermausart zu sehen: die Zwergfledermaus.
Wie sehen Fledermäuse aus? Sylvia Koß zeigte das anhand von Präparaten. Links ist die in Europa am häufigsten anzutreffende Fledermausart zu sehen: die Zwergfledermaus. | Bild: Lena Reiner

Eine Art Kuscheltuch und ein wenig Wasser

Wer eine verletzte oder hilflose Fledermaus findet, kann sich an eine der Pflegestellen oder den Fledermausnotruf wenden. Zur Vorbereitung auf die Übergabe oder Überbrückung kann man aber auch selbst schon etwas tun: Die Expertin rät dazu, eine kleine Schachtel herzurichten mit einem “Kuscheltuch“ und einer kleinen Schale Wasser. „Dafür reicht der Deckel eines Schraubglases. Wenn das Gefäß zu tief ist, könnte es wiederum gefährlich für eine geschwächte Fledermaus sein“, erklärt sie. Auch sei es wichtig, dass die Schachtel keine Grifflöcher oder dergleichen habe, damit das kleine Tier nicht unterwegs ausbüxen könne. Füttern könne man eine Fledermaus notfalls mit ein klein wenig Zuckerwasser, besser eigneten sich allerdings Insekten – Fledermäuse lieben etwa Stechmücken – oder ausgedrückte Mehlwürmer.

Und auch, wer nicht direkt Fledermäuse im Haus hat, kann für sie aktiv werden. „Sie können Werbung für die Tiere machen, dass sie eben nicht gruselig sind, sondern sogar nützlich“, sagt Koß. „Wer sie im Haus hat, wird keine Probleme mehr mit Stechmücken haben.“ Bis zu 2000 davon verputzt eine kleine Fledermaus innerhalb einer Nacht nämlich.