Ich war in dieser Woche echt ein bisschen aufgeregt. Fast stellten sich weihnachtlich-kindliche Gefühle ein, so mit Spannung und Vorfreude ob des Wunschzettels. Am Mittwochmorgen fiel mir beim Frühstück nämlich ein, dass in dieser Woche mein sechswöchiges Probeabo einer großen Wochenzeitung aus Hamburg beginnt. Darauf freue ich mich wirklich. Ich konnte es kaum erwarten, endlich mal wieder die dicke Zeitungsschwarte aus dem Briefkasten zu nehmen, um mich bald darin zu vertiefen.

Die Spannung entstand in erster Linie bei mir aber nicht wegen der zu erwartenden Themen, sondern wegen der Zustellung. Wer „se(e)ziert“ regelmäßig liest, weiß ja, dass das in Immenstaad nicht so richtig gut klappt – bei uns wird die Post eher sporadisch, man könnte auch meinen willkürlich zugestellt. Samstags klappt es inzwischen nachweislich ganz gut – meist liegt tatsächlich die Wochenendausgabe meiner Berliner Zeitung im Kasten. Montags wird nur dann Post zugestellt, wenn am Samstag – warum auch immer – keine kam. Dienstag, Mittwoch und Freitag gibt es eher selten Anlass, unseren Postkasten anzusteuern.

Deshalb hatte ich jüngst auch mal wieder viel mehr von meinem Geburtstag. Ich musste mich an diesem Mittwoch nicht etwa mit einem ganzen Stapel Glückwünsche beschäftigen, sondern bekam sie wieder portioniert zugestellt. Da gefühlt (und nach telefonischer Ankündigung der Absender) noch immer nicht alle Karten da sind, kann ich mich wahrscheinlich noch ein paar weitere Tage oder Wochen über schriftliche Gratulationen freuen. Es wird nicht eine Karte darunter sein, die die Überschrift „Uppps, ich hab deinen Geburtstag vergessen“ oder so ähnlich trägt.

Diese Art von Karten muss man meiner Meinung nach eh dank SMS, WhatsApp und der Deutschen Post nicht mehr produzieren. Die Vergesslichen und die, die auf Nummer sicher gehen wollen, dass ihre schriftlichen Glückwünsche garantiert pünktlich kommen, verlassen sich auf die papierlosen Kommunikationsmittel. Die Deutsche Post sorgt dafür, dass Karten, die nicht mindestens zehn Tage, bevor sie den Empfänger erreichen sollen, auch abgeschickt wurden, bestimmt nicht pünktlich in Immenstaad ankommen. So kann der, der Karten erst am Geburtstag schreibt und abschickt, es immer auf die Post schieben und muss sich nicht mit einer Sonderkartenform entschuldigen.

Freunde, die unweit von uns entfernt wohnen, erzählten mir am Mittwochabend, dass sie ihre Wochenzeitung morgens im Briefkasten finden, wenn sie den SÜDKURIER rausholen, weil beides zusammen zugestellt wird. Bei uns nicht. Die Spannung stieg, und ich war, ehrlich, richtig glücklich, dass unser Briefträger uns am Donnerstag beehrt hatte. Denn neben der „Zeit“ war auch eine weitere Geburtstagskarte im Kasten. Jetzt fehlen nur noch zwei.