Zwei falsche Ärzte, und das ausgerechnet in der "Bodensee-Klinik" eines weithin bekannten Schönheitschirurgen – au weia, das kann ins Auge gehen. Mit "Hauptsach' schäää!" bringt der Männergesangverein Immenstaad ein Weihnachtstheater auf die Bühne des Bürgersaals, bei dem sich Parallelen zur Bodenseeklinik von "Nasenpapst" Werner Mang in Lindau geradezu aufdrängen: Gab es dort nicht auch einen Operateur, der ohne gültige Approbation ans Werk ging? Einige Jahre liegt das zurück.

Der damalige mediale Aufruhr mag bei Drehbuchautor Georg Ludy ("Wilsberg", "Ein Fall für zwei", "Alte Rechnungen") die Fantasie zu seiner spritzigen Bühnenkomödie in Gang gesetzt haben. Doch damit enden die Parallelen bereits. Nein, ins Auge geht da gar nichts: weder die Dialoge, die keine platten Schenkelklopfer, sondern voll hintergründigen Witzes sind, noch die Figuren, die mit jener Jetset-Gesellschaft absolut nichts zu tun haben, aus der Werner Mang seine Prominenz speist. Schon bei der Generalprobe am Tag vor Heiligabend füllte sich der Bürgersaal mit einem begeisterten Publikum, mit Gelächter und Szenenapplaus.

Aloe-Vera-Vertreterin Elvira Honigtau (Gabriele Veeser, im roten Kostüm) verspricht Tränensäcke-Patient Heinz Platzer (Reinhard König), seine Probleme auch ohne Skalpell lösen zu können. Da staunen sogar Lernschwester Bettina (Ilse Weber, links.) und Putzfrau Emmi (Gabi Uhlenbruch).
Aloe-Vera-Vertreterin Elvira Honigtau (Gabriele Veeser, im roten Kostüm) verspricht Tränensäcke-Patient Heinz Platzer (Reinhard König), seine Probleme auch ohne Skalpell lösen zu können. Da staunen sogar Lernschwester Bettina (Ilse Weber, links.) und Putzfrau Emmi (Gabi Uhlenbruch). | Bild: Barbara Fülle

Die Putzfrauen Emmi (Gabi Uhlenbruch) und Trudi (Ute Kessler), in inniger Liaison mit Staubwedel und Wischlappen verbunden, gäben eigentlich den Inbegriff von "sauberen Weibsbildern" ab, würden sie nicht pausenlos lästern und geifern. Wie man sich denn so "verschnipfle lasse kann" ereifert sich Trudi beim Anblick der Fotos an den Wänden, der "Silikon-Bomber" und der Promis mit "gelifteter Gesichtsarchitektur". Sie kommt zu dem Schluss: "Für unsern Herrn Doktor isch jede Runzel wie's Schlitzle vom Sparkässle."

Der "Herr Doktor" weilt derweil bei einem Ärztekongress, sodass seine Klinik endlich saniert werden kann. Mit Malermeister Klaus Kibele (Christian Rebstein) taucht allerdings Trudis alte Jugendliebe auf – und damit nehmen Turbulenzen ihren Lauf. Malergeselle Emil (Daniel Bensch) rät seinem Chef noch zur amourösen Offensive, doch der kneift und flüchtet sich in Hochstapelei: Er, der von Berufswegen "danach guckt, dass es nachher besser aussieht als vorher" gibt sich als Schönheitschirurg aus – weil er auch in Trudi eine Ärztin vermutet.

Dummerweise stellen sich trotz Abwesenheit des Chefs Patienten ein. Der alternde Sportwagenverkäufer Heinz Platzer (Reinhard König) will ein "Tuning" seiner "Karosserie" und Mittvierzigerin Babsi (Sabine Bosch) will das Casting "Bodensee sucht die Supernixe" gewinnen. Wie gut, dass in der Urlaubsvertretung Dr. Alois Fleischhauer (Harald Bensch) endlich ein leibhaftiger Arzt auftaucht.

Der Knochenmann lauert bei falschen Weißkitteln immer im Hinterhalt: Trudi (Ute Kessler) und Klaus (Christian Rebstein) wundern sich, wo "ihre" Patienten geblieben sind.
Der Knochenmann lauert bei falschen Weißkitteln immer im Hinterhalt: Trudi (Ute Kessler) und Klaus (Christian Rebstein) wundern sich, wo "ihre" Patienten geblieben sind. | Bild: Barbara Fülle

Seltsamerweise schaut der jedoch nur zu, wie sich Trudi und Klaus abmühen. Und auch Aloe-Vera-Vertreterin Elvira Honigtau (Gabriele Veeser) kann trotz ihres Versprechens, alle Schönheitsprobleme auch ohne Skalpell zu lösen, nur wenig ausrichten. Köstlich die Szene, in der Klaus mit dem Stethoskop fuchtelt und Platzer erklärt: "Sie dürftet eigentlich gar nicht mehr leben." Seinen angeblich miserablen Zustand will er mit einem Einlauf bekämpfen – da kommt selbst Lernschwester Bettina (Regisseurin Ilse Weber sprang für die erkrankte Beate Mecking ein) aus dem Staunen nicht mehr heraus: "Do hinne lernt ma wirklich älles."

Die Darsteller sind dem hohen Tempo der Dramaturgie bestens gewachsen, jede Pointe wird zum Lacherfolg. Darüber hinaus hat die Truppe ein realitätsnahes Bühnenbild erstellt, das jedoch nicht zu überladen ist, um der Fantasie des Publikums Raum zu lassen. In ihrer Verzweiflung retten sich Trudi und Klaus in Scheinoperationen an ihren Gefährten Emmi und Emil. Natürlich werden sie am Ende als falsche Weißkittel entlarvt – und liegen sich in den Armen. Des falschen Scheins damit nicht genug: Babsi entlarvt sich als Kommissarin, die wiederum Dr. Fleischhauer als falschen Arzt entlarvt. Man meint, Ende gut, jetzt fällt der Vorhang. Doch selbst das entlarvt sich als Trugvorstellung. Im Schlussbild stehen Emmi und Emil auf der Bühne und entlarven sich als Liebende. Doch Emmi hat ein Geheimnis zu gestehen. Es hat mit "Schnipfelei" am Körper zu tun. Mehr sei jedoch nicht verraten.

Weitere Aufführungen von "Hauptsach' schäää!" sind heute, 26. Dezember, sowie am 27., 28. und 29. Dezember im Bürgersaal des Rathauses Immenstaad. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Saalöffnung um 18.30 Uhr. Ein Kontingent an Restkarten zum Preis von jeweils 10 Euro gibt es noch an der Abendkasse sowie in der Bücherstube Bosch (Bachstraße).