Siri reagiert unbeholfen auf den Befehl. "Das kann ich leider nicht", bedauert der Sprachassistent im Mobiltelefon und verweist auf die Einstellungen. Vollkommen anders fiel die Reaktion aus, als Astronaut Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS sagte: "Wach auf, Cimon!"

Alexander Gerst weckt Assistenzroboter zu seinem ersten Einsatz

Am Donnerstag um 11.40 Uhr mitteleuropäischer Zeit weckte er mit diesen Worten den von Airbus im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelten und gebauten Astronauten-Assistenten zu dessen erstem Einsatz. Das Missionsteam, dem auch Airbus-Mitarbeiter vom Bodensee angehören, hielt im Bodenkontrollzentrum in Luzern nach zweieinhalb Jahren der Vorbereitungen auf diesen Moment den Atem an.

Cimon reagierte einer gemeinsamen Mitteilung von Airbus und der DLR zufolge prompt: „Was kann ich für dich tun?“ Der Astronaut ließ den Assistenten frei schweben – zunächst ferngesteuert vom Boden. Es folgte die autonome Navigation mit Drehungen und Bewegungen in alle Richtungen. "Und Cimon war in der Lage, das Gesicht von Alexander Gerst zu suchen und Augenkontakt aufzunehmen", heißt in dem Pressetext weiter. Wie er Gerst und der ISS-Besatzung künftig noch assistieren kann, zeigte Cimon, indem er die Anleitung für ein Schüler-Experiment zur Kristallisation und ein Video mit dem Rubik-Zauberwürfel zeigte und Musik abspielte. Auch Tests der Ultraschallsensoren sowie die Video- und Foto-Aufnahmen gehörten zum Einsatz.

"Ein Stück Raumfahrtgeschichte"

"Mit Cimon haben wir eine Airbus-Vision in die Realität umgesetzt", sagt Till Eisenberg, Cimon-Projektleiter bei Airbus in Immenstaad. "Es ist ein sehr großer Schritt für die bemannte Raumfahrt, den wir hier gemeinsam gehen konnten. Durch Cimon haben wir den Grundstein für soziale Assistenzsysteme gelegt, die unter extremen Bedingungen zum Einsatz kommen sollen.“ Es sei ein unglaubliches Gefühl und eine wahnsinnige Freude, zu erleben, dass Cimon wirklich sieht, hört, versteht und spricht, beschrieb Christian Karrasch, Projektleiter in der deutschen Raumfahrtagentur der DLR. "Dieser erste echte Einsatz im All bedeutet für uns ein Stück Raumfahrtgeschichte und stellt den Beginn für einen hoffentlich langen Einsatz auf der ISS."

Zur Datenübertragung nutzt Cimon das WLAN auf der ISS und stellt über Satellitenverbindung per Bodenstationen eine Internetverbindung her. Fragen an den Assistenten werden als Audiosignale zunächst in Text umgewandelt und interpretiert. Das Resultat ist eine passgenaue Antwort, die wiederum in Sprache umgewandelt und wieder an die ISS zurückgeschickt wird, wie IBM-Projektleiter Matthias Biniok erklärt. Cimon könnte Astronauten bei ihrem hohen Pensum an Experimenten, Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten unterstützen und dadurch deren Stressexposition reduzieren", sagt Judith-Irina Buchheim, Beraterin von der Klinik für Anästhesiologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

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Lächeln für ein gemeinsames Erinnerungsfoto

Nach eineinhalb Stunden war Cimons erster Einsatz beendet. Bevor Gerst ihn wieder an seinen Platz im Columbus-Modul brachte, war aber noch Zeit für etwas, das mit Mobiltelefon-Sprachassistenten nicht annähernd so gut funktioniert. Sie sei sich nicht sicher, ob sie das richtig verstanden habe, reagiert zumindest Siri auf die Aufforderung: "Bitte lächeln!". Von Alexander Gerst und Cimon gibt es dagegen nun ein Foto, auf dem beide einen ziemlich zufriedenen Eindruck machen.

Projektleiter Till Eisenberg (links) und Software-Spezialist Christoph Koessl (beide Airbus) mit einem Cimon-Modell bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin. Sie haben den echten Assistenten jetzt auch von Luzern aus betreut.
Projektleiter Till Eisenberg (links) und Software-Spezialist Christoph Koessl (beide Airbus) mit einem Cimon-Modell bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin. Sie haben den echten Assistenten jetzt auch von Luzern aus betreut. | Bild: airbus