Es war schon ein besonderer Auftrag, für den sich Schiffsbaumeister Heiner Kemmer vor 22 Jahren beworben hat: Der Lädinenverein plante, nach historischem Vorbild einen Lastensegler für touristische Nutzung bauen lassen. Im September 1997 kam die Zusage. Heiner Kemmer machte sich mit seiner Mannschaft in der damals von ihm geführten Michelsen-Werft in Seemoos ans Werk. Am 3. April 1999 lief das einzigartige Schiff, das inzwischen zu einem Wahrzeichen für Immenstaad und den Bodensee geworden ist, vom Stapel. Tausende Passagiere haben darauf seither bereits schöne Stunden erlebt.

Auf dem Slipwagen ist die Lädine bereit zum Stapellauf und viele, die am Schiff mitgearbeítet haben wollen dabei sein.
Auf dem Slipwagen ist die Lädine bereit zum Stapellauf und viele, die am Schiff mitgearbeítet haben wollen dabei sein. | Bild: Privat

Nachbauten von Wikingerschiffen ließen Idee aufkommen

500 Jahre lang waren hunderte Lastensegler aus Holz auf dem See unterwegs. Sie transportierten Waren aller Art sowie Passagiere. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt wurde der traditionelle Schiffstyp immer mehr verdrängt. In den 1950er Jahren verschwand das letzte Schiff dieser Art vom See. Dass es wieder einen Lastensegler auf dem Bodensee gibt, geht auf die Idee und Hartnäckigkeit des Immenstaaders Rolf Hiß zurück. 1986, bei einem Besuch in Dänemark, hatte er Nachbauten von Wikingerschiffen gesehen, die touristisch genutzt wurden. Daraufhin entwickelte er die Idee, am Bodensee einen historischen Lastensegler nachzubauen.

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Baupläne für solche Schiffe gab es nicht

Das größte Problem für Hiß und den von ihm gegründeten Verein war über viele Jahre die Finanzierung des Vorhabens, aber auch Baupläne für solche Schiffe existierten nicht. Schiffsbauingenieur Bernhard Utz von der Bodan-Werft in Kressbronn nutzte historische Bilder als Quelle, um den Bauplan für das neue Schiff zu entwickeln. Nach diesen Plänen baute Kemmer mit seinen Mitarbeitern die Lädine. "Es war klassische Bootsbauarbeit, auch wenn es das größte Schiff war, das wir bis dahin gebaut hatten", erzählt er.

Den Motor der Lädine hat die MTU gestiftet. Heiner Kemmer (rechts) war dabei, als MTU-Mitarbeiter das gute Stück in die Lädine einbauten.
Den Motor der Lädine hat die MTU gestiftet. Heiner Kemmer (rechts) war dabei, als MTU-Mitarbeiter das gute Stück in die Lädine einbauten. | Bild: Privat

Rumpf passte nicht durch das Tor der Werfthalle

Eine besondere Herausforderung war, dass der 5,50 Meter breite Rumpf der Lädine nicht durchs Tor der Werfthalle passte. Das sei auch manchem Besucher aufgefallen. "Wir sägen es in der Mitte durch", sagte Kemmer nach eigener Erzählung dann stets. Aber natürlich habe er vorgesorgt und von Anfang an "auf Trennung" gebaut: Der Schiffsrumpf wurde halbiert ins Freie gebracht und draußen mithilfe vieler Verbindungselemente wieder stabil zusammengefügt. Beim abschließenden Teil des Schiffsbaus haben Kemmer zufolge auch Vereinsmitglieder mitgearbeitet, um die Kosten zu senken – manche für mehrere hundert Stunden.

Damit der Rumpf durch das Tor der Werfthalle passte, wurde er in zwei Häften zerlegt.
Damit der Rumpf durch das Tor der Werfthalle passte, wurde er in zwei Häften zerlegt. | Bild: Privat

Verwendetes Holz macht sie zur Luxus-Lädine

Das Gerippe des Schiffes und die Spanten bestehen aus Eichenholz. Für die Beplankung habe er Lärchenholz verwendet, das er günstig bei der Auflösung einer Zimmerei bei Würzburg erwerben konnte, berichtet Kemmer. "Es waren ungefähr 20 Kubikmeter und die haben wir auch gebraucht." Schon wegen des hochwertigen Materials sei es eine richtige Luxus-Lädine geworden. "Die Lädinen, die früher den See befuhren, wurden von den Fahrensleuten im Winter gebaut. Die haben dann einfach das Holz genutzt, das im Wald hinter dem Haus gewachsen ist", ist vom Schiffsbaumeister zu erfahren. "Und das wurde einfach so verwendet, wie es gewachsen war."

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Lädine sorgte schon während des Baus für Begeisterung

Am 3. April 1999 um 11.40 Uhr glitt das Ergebnis der vielen Arbeit unter den Augen vieler Schaulustiger auf seinem Slipwagen über Schienen ins Wasser des Bodensees. "Ich war stolz, dass ich diese Arbeit machen ausführen durfte", sagt der Schiffsbaumeister im Rückblick. "Es hat den Horizont erweitert und auch meine Auszubildenden haben viel dabei gelernt. Alle waren mit Begeisterung dabei, dieses besondere Schiff zu bauen."

Neben erfahrenen Schiffsbauern arbeiteten in der Michelsen-Werft auch Auszubildende an der Lädine und lernten dabei eine Menge.
Neben erfahrenen Schiffsbauern arbeiteten in der Michelsen-Werft auch Auszubildende an der Lädine und lernten dabei eine Menge. | Bild: Privat