Seit Kurzem wird in Immenstaad das Essen für die Kleinsten pauschalisiert abgerechnet. Eltern müssen sich für sechs Monate im Voraus entscheiden, wie oft ihr Kind pro Woche in der Betreuungseinrichtung essen wird. Auf dieser Grundlage wird der Pauschalpreis fürs Essen berechnet. Das soll vor allem Zeit sparen.

Alte Regelung kostete Mitarbeiter im Kinderhaus bis zu 45 Minuten täglich

Bis zu 45 Minuten kostete die alte Regelung die Mitarbeiter des Kinderhauses in Immenstaad täglich, erklärt Leiterin Gabriele Schmelz-Beller. Dort ein Kind weniger, dort ein Kind doch da, Listen vergleichen und Zahlen weitergeben: All das sei ein großer Verwaltungsaufwand. „Gerade in Zeiten, in denen wir personell knapp sind, ist es wichtig, dass wir möglichst wenig Zeit am Schreibtisch verbringen und möglichst viel Zeit mit den Kindern.“ Daher sei sie eine große Befürworterin der Pauschale. Zurzeit besuchen 80 Kinder das Kinderhaus.

Insgesamt essen 154 Kinder in den fünf Einrichtungen der Gemeinde

Insgesamt gehen 229 Kinder, darunter 28 Krippekinder, in die fünf Kindertagesstätten der Gemeinde, zuletzt aßen 154 von ihnen in den Einrichtungen.

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Abmeldung für Urlaub war bislang nicht vorgesehen

Eine Abmeldung für einen längeren Zeitraum, wie etwa während eines Urlaubs, war eigentlich in dem neuen System nicht vorgesehen. Michael Müller, stellvertretender Hauptamtsleiter und zuständig für Kinder, Jugend und Soziales, erklärt: „Wenn wir für alles eine Ausnahme machen, dann ist das keine Pauschale mehr und der Verwaltungsaufwand würde wieder in Dimensionen steigen, die wir bislang hatten und von denen alle Beteiligten unbedingt wegkommen wollten.“

Längeres Fernbleiben wegen Krankheit wird berücksichtigt

Selbstverständlich werde ein längeres Fehlbleiben wegen Krankheit berücksichtigt, führt er aus. Nur freiwilliges Fernbleiben, wie im Urlaubsfall, wollte er ausschließen. Die neue Abrechnungsform sei zuvor mit den Elternvertretern und Kindergartenleitungen ausführlich besprochen worden.

Gemeinderat stimmte der Neuregelung mit großer Mehrheit zu

Auch im Gemeinderat stieß die Pauschale auf positive Resonanz: Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung wurde die Essenspauschale angenommen. Die Gegenstimme kam von Marco Theiling (SPD). Er begründet: „Ich finde eine Pauschalierung sinnvoll, nur die aktuelle Satzung ist nicht zu Ende gedacht.“

SPD bringt Antrag auf Nachbesserung in Gemeinderat ein

So fehle ihm etwa eine Berücksichtigung von nicht krankheitsbedingten Abwesenheiten ab einer Woche. Die Kritik habe er bereits im Vorfeld der Entscheidung geäußert, ohne Erfolg. So habe er gegen die Pauschale stimmen müssen. Am Montag werde die SPD zwei Änderungseinträge in den Gemeinderat einbringen.

Kritik auch von Elternseite: Längeres Fernbleiben durch Verwandtenbesuche im Ausland

Auch von anderer Seite erreichte Michael Müller die Bitte, die Satzung zu überdenken. Nina Schobloch, Mutter von zwei Mädchen, eines davon im Kindergarten, hatte einen Brief an Gemeinde und Gemeinderat geschrieben, in dem sie genau vorrechnete, welche Nachteile die Pauschale habe. Auch sie wünschte sich eine Berücksichtigung längeren Fernbleibens. „Ich bin selbst nicht betroffen, aber ich weiß, wie viele Kinder mit Migrationshintergrund die Kita hier besuchen“, sagt sie. Ein Verwandtschaftsbesuch, beispielsweise nach Mexiko oder China, sei eben keine kurze Sache.

Michael Müller legt Vorschlag für Satzungsänderung vor

Ihr Brief und die persönliche Ansprache eines weiteren Gemeinderats brachten Müller zum Nachdenken. „Ich versprach, dass wir uns intern nochmals beraten, und das haben wir dann auch getan.“ Der Vorschlag zu einer Satzungsänderung sei nun verschriftlicht.

Abmeldung für ganze Monate soll möglich werden

In ihr solle neben der neuen Regelung zur Berücksichtigung von Abmeldungen für ganze Monate, beispielsweise wegen eines längeren Auslandsaufenthalts, auch explizit festgehalten werden, dass analog zur Betreuungsgebühr bei einem Eintritt am 16. Januar auch nur ein halber Monat Essensgebühr zu bezahlen sei: „Das wollten wir sowieso so handhaben, aber auf Wunsch der SPD wird es nun auch explizit festgeschrieben.“ Am 10. Februar soll im Gemeinderat darüber abgestimmt werden.

Fazit nach einem Jahr Test in der Praxis

Nach wie vor geplant sei eine Evaluation der Pauschale nach dem ersten Praxisjahr. „Wenn sich dann herausstellt, dass die Pauschale zu hoch ist, wie es manche befürchten, dann wird sie angepasst“, erklärt Müller.

So kommt das Essen zu den Kindern

Geliefert wird das Essen für die Kinder in den Betreuungseinrichtungen in Immenstaad von der Systemgastronomie Service GmbH Liebenau. Daher sind die Abläufe wie folgt festgelegt:

  1. .Spätestens fünf Werktage vor Auslieferung müssen alle Informationen vorliegen. Die Anzahl der Gerichte wird ins System eingegeben.
  2. Automatisch wird basierend auf der Anzahl der Kinder und der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung berechnet, wie viel Gramm Essen pro Kind zubereitet werden.
  3. .Am Vortag der Auslieferung wird zubereitet, gekocht und verschöpft. Verschöpfen bedeutet im Fachjargon, dass die Speisen portioniert werden.
  4. .Bei der Zubereitung und beim Verschöpfen wird berücksichtigt, dass die angemessene Menge an Nährstoffen pro Portion vorhanden ist.
  5. .Das Essen wird in Edelstahlbehälter abgefüllt: Bei trockenen Speisen werden die Behälter mit Flachdeckeln verschlossen, bei Suppen und Soßen mit einem Druckdeckel.
  6. .Die Speisen werden der Einrichtung kalt geliefert. Die Kühlkette wird bis zur Auslieferung gewährleistet. Vor der Übergabe wird ein letztes Mal die Temperatur der Speisen kontrolliert.
  7. In der Kindertagesstätte wird das Gericht dann fachgerecht aufgewärmt. Je nach Art der Speise wird gedämpft, erhitzt oder gebacken.

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