Frühe Blüte bei guter Witterung, kein Spätfrost, reichlicher Fruchtansatz – das Apfeljahr hätte kaum besser beginnen können. Nach einer aktuellen Meldung des Statistischen Landesamts prognostizieren dessen Obstberichterstatter für die wichtigsten Apfelsorten Erträge deutlich über dem Mittel der vergangenen fünf Jahre. Auch in den Obstanlagen von Hubert Langenstein in Immenstaad hängen die Bäume voll. Aber längst nicht alles, was hier an den Bäumen hängt, lässt sich auch als Tafelobst vermarkten. Die Trockenheit und Hitze der vergangenen Wochen haben die Bäume gestresst und Spuren hinterlassen.

Manche Zwetschgenbäume haben sehr unter Hitze und Trockenheit gelitten. Sie sind fast entlaubt.
Manche Zwetschgenbäume haben sehr unter Hitze und Trockenheit gelitten. Sie sind fast entlaubt. | Bild: Gisela Keller

Äpfel haben Wachstum vor etwa zwei Wochen eingestellt

In einer Anlage, in der die beliebte Sorte Gala wächst, liegen viele Äpfel auf dem Boden. Üblicherweise werden die Bäume im Frühjahr ausgedünnt, damit die Äpfel die gewünschte Größe erreichen. „Die Äpfel vergrößern ihren Durchmesser normalerweise um drei bis vier Millimeter pro Woche“, erklärt der Landwirt, „aber seit ungefähr zwei Wochen haben die Äpfel das Wachstum nahezu eingestellt“.

Bestimmte Größe für Vermarktung als Tafelobst nötig

Deshalb dünnte er seine Bäume jetzt nochmals zusätzlich aus, damit sie ihre Früchte besser versorgen können. Langenstein hofft, dass sich die zusätzliche Arbeit lohnt und die verbliebenen Äpfel noch die Größe erreichen werden, die für die Vermarktung als Tafelobst nötig ist.

Erntehelfer können immer nur einen Teil der Früchte pflücken

Die Erntehelfer Adin (links) und Vasile sind in einer Anlage mit Frühäpfeln im Einsatz.
Die Erntehelfer Adin (links) und Vasile sind in einer Anlage mit Frühäpfeln im Einsatz. | Bild: Gisela Keller

Ein anderes Problem zeigt sich bei den Frühäpfeln. Die Anlage mit der Sorte Delbarestivale schützt ein Hagelnetz auch vor zu viel Sonne. Die Bäume sind jung und liefern noch keinen allzu hohen Ertrag. So konnten sie ihre wenigen Früchte auch gut versorgen: Die Äpfel sind groß und reif.

Wenn Sonnenbrand so in Erscheinung tritt, erkennt dies auch ein Laie sofort.
Wenn Sonnenbrand so in Erscheinung tritt, erkennt dies auch ein Laie sofort. | Bild: Gisela Keller

Trotzdem dürfen Langensteins Erntehelfer aus Rumänien nicht einfach alle diese Äpfel pflücken: Der Handel verlangt, dass sie rote Bäckchen haben – und die fehlen vielen Früchten noch. „Dafür braucht es deutliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht“, erklärt Langenstein. „Aber die hatten wir kaum." Deshalb seien die Erntehelfer schon zum dritten Mal in der Anlage beschäftigt. Sie pflücken nur die rotbackigen Äpfel und lassen den Rest hängen – in der Hoffnung, dass die Farbe sich noch einstellen wird.

Elstars verkochen am Baum und werden musig

Grün mit roten Backen – so sollte ein Elstar aussehen. Dieser hier hat Sonnenbrand und taugt nicht zum Verzehr.
Grün mit roten Backen – so sollte ein Elstar aussehen. Dieser hier hat Sonnenbrand und taugt nicht zum Verzehr. | Bild: Gisela Keller

Und wie sieht es mit der stark nachgefragten Apfelsorte Elstar aus? „Elstar gehört zu den Sorten, die Hitze nicht so gut vertragen“, erklärt Langenstein. Er pflückt einen von vielen Äpfeln vom Baum, die seltsam orange Verfärbungen aufweisen. „Sonnenbrand“, stellt er fest. "Der Apfel ist am Baum verkocht, musig und nicht mehr zum Verzehr geeignet." Alles, was sich nicht unter einem Schatten spendenden Hagelnetz befinde, sei hochgradig durch Sonnenbrand gefährdet.

Williams-Christ-Birnen haben Sonnenbrand und sind zu klein

Viele Birnen sind zu klein geraten oder "verkocht". So wie die Birnen links im Bild sollten eigentlich alle aussehen.
Viele Birnen sind zu klein geraten oder "verkocht". So wie die Birnen links im Bild sollten eigentlich alle aussehen. | Bild: Gisela Keller

Zu klein und vom Sonnenbrand betroffen sind auch viele Williams-Christ-Birnen. „Auch wenn die kleinen Birnen gut schmecken, werde ich sie nicht als Tafelobst verkaufen können“, bedauert Langenstein. Helfen könnte da nur noch reichlich Regen.

Zukunftsstrategien im Obstbau

„Wir brauchen in den nächsten Wochen ergiebigen Regen – mindestens 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter“, erklärt Erich Röhrenbach, Landwirt in Kippenhausen und einer der beiden Vorsitzenden des Vereins Obstregion Bodensee. Dann könne es eine gute Ernte geben. „Bei Temperaturen über 30 Grad in Verbindung mit Trockenheit schalten die Obstbäume auf Notprogramm. Bevor sie sterben, holen sie sich notfalls auch Wasser aus ihren Früchten zurück."

Der Klimawandel werde mittelfristig dazu führen, dass derzeit noch großflächig angebaute beliebte Sorten wie Elstar oder Jonagold am Bodensee nicht mehr gedeihen, weil sie als nördliche Sorten schlecht mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. „Wir werden auf Sorten umstellen müssen, die aus wärmeren Ländern stammen“, prognostiziert Röhrenbach.

Auch ohne Bewässerungssysteme werde es bald nicht mehr gehen. Technisch führend bei äußerst Wasser sparenden computergesteuerten Systemen zur Tröpfchenbewässerung sei Israel. Der Bodensee könne problemlos das nur wenige Wochen, aber dann dringend benötigte Wasser liefern, ergänzend könnten Pufferspeicher angelegt werden. Um Bewässerungssysteme einzurichten, seien ähnlich hohe Investitionen wie für Hagelnetze nötig: rund 20 000 Euro pro Hektar Obstanlage. "Hurra schreit da noch keiner", weiß Erich Röhrenbach, "aber wenn es so weitergeht, werden wir dazu gezwungen sein."