Sachte legt die Orgel einen dunklen Grund, über den sich innig die Sopranstimme hebt: „Sei stille dem Herrn und warte auf ihn“, singt Ina Weissbach. Mit großer Ruhe lässt sie das Vertrauen dieser Arie in die Kirche strömen.

Die seltene Kombination aus Sopran, Oboe und Orgel gab es am Sonntag in Immenstaad.
Die seltene Kombination aus Sopran, Oboe und Orgel gab es am Sonntag in Immenstaad. | Bild: Corinna Raupach

Sie steht am Wendepunkt des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy: Ein Engel schenkt dem nach Regenwunder und Kampf mit Baalspriestern erschöpften und lebensmüden Propheten neuen Mut. Gar nicht zeitgemäß ist der Gedanke dieser Arie. Doch ihre Gelassenheit tut gut, wenn der Herbstregen fällt und die Hektik nach der Sommerpause droht. Kurz braust die Stimme auf: „Steh ab vom Zorn“, um sich friedlich ins piano zurückzuziehen – schließlich legt die Orgel einen kleinen Jubel an den Schluss.

Kompositionen von Barock bis Romantik

Das letzte Konzert der Immenstaader Konzertreihe für dieses Jahr steht im Zeichen dieser nachdenklichen Freude. Die festliche Orgeltoccata des Bach-Schülers Johann Ludwig Krebst drückt sie ebenso aus wie das anmutige Oboenkonzert von Alessandro Marcello. In der ungewöhnlichen Kombination von Sopran, Oboe und Orgel widmen sich Ina Weissbach, Ruth Ochsner und Georg Brendle Kompositionen von Barock bis Romantik.

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Ruth Ochsners Oboe tanzt, jauchzt oder seufzt mühelos und beweist einen erstaunlich langen Atem. Sie passt gut zum schlanken Sopran von Ina Weissbach. Beide eint die Biegsamkeit und eine Klangfarbe, die auch in der Höhe nie scharf wird und einen tiefen Ton behält. Unter Georg Brendles Händen besinnt sich die Orgel darauf, dass ihr Herz aus Flöten besteht. Im freundlichen Dreiergespräch zeigt sie sich meist von der kammermusikalischen Seite.

Kantate macht den Anfang

Den Anfang macht die Kantate „Singet dem Herrn“ von Dietrich Buxthude. Auf einem Atem beginnen Oboe und Orgel, über getragene Orgellinien tupft die Oboe eine duftige Melodie, die der Sopran aufnimmt und weiterführt. Wie Wasser perlen und umfließen die Stimmen einander in Georg Friedrich Händels „Das zitternde Glänzen der spielenden Wellen“. Aus dem Nichts entsteht „Komm, mein Herz steht dir offen“ von Johann Sebastian Bach, als klares Bekenntnis erscheint Antonin Dvoraks „Ein neues Lied will ich dir singen“.

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Um die Tiefen, denen der Lobpreis entgegensteht, wissen die Werke von Sergej Rachmaninow: Voll Wehmut sucht die Oboe in der „Vokalise“ Trost und findet immer neue Ausdrücke der Klage. Von drohendem Unheil hinter scheinbarer Fröhlichkeit, zaghafter Hoffnung und vorsichtiger Versöhnung erzählt die Prélude g-moll, in der die Orgel alle Register zieht.