Leicht und durchsichtig lösen sich die ersten Töne, darüber legt Sieglinde Seifarth in klarem Sopran: "Machet die Tore weit", singt sie und das Ensemble schenkt ihr ein sachtes Echo. Was mit Christian Ludwig Boxbergs Psalmvertonung adventlich anmutet, hat System: "Das Öffnen der Türen hat am Eingang jedes Konzerts einen guten Platz, denn es ist ja wirklich so, dass sie sich öffnet für Schönes und vielleicht auch für Neues", sagt Fagottist Klaus-Martin Heinz zur Begrüßung.

Das Ensemble "Instrumenti e canti" eröffnet die diesjährige klassische Konzertreihe in St. Jodokus in Immenstaad. Seit 2015 präsentieren die fünf Musiker außergewöhnliche Kammermusikprogramme aus Barock, Romantik und Moderne. Sie bestechen vor allem durch völlig uneitle Hingabe an die Musik. Einfühlsam, innig und aufmerksam einander zuhörend konzentrieren sie sich auf die Aussagen der Komponisten.

In verschiedenen Kombinationen bringen sie die Klangfarben zum Leuchten: silbern brillant unterstreicht Claudia Neckenigs Flöte die samtige Anmut von Gunhild Hells Geige, Regina Heinz lässt das Cembalo hell glitzern über den freundlich-melancholischen Fagotttönen von Klaus-Martin Heinz. Sieglinde Seifarthts Sopran, schlank geführt und mühelos beweglich, fügt sich nahtlos ein. Als Gast ist an diesem Abend in Immenstaad Gerhard Breinlinger dabei, Organist und Schulmusiker in Meersburg. Unter seinen Händen wird die Königin der Instrumente zum bescheidenen Ensembleinstrument, dem er sachte, zärtliche oder tänzerische Klänge entlockt.

Mit klarer Stimme und viel Ausdruck singt Sieglinde Seifarth Stücke aus Barock, Romantik und Moderne.
Mit klarer Stimme und viel Ausdruck singt Sieglinde Seifarth Stücke aus Barock, Romantik und Moderne. | Bild: Corinna Raupach

Auch das Programm in St. Jodokus in Immenstaad ist ausgefallen: Auf die luftig zwischen hell und dunkel getupfte "Sonata prima" von Arcangelo Corellis folgen Lieder von Max Reger. Orgel und Sopran begegnen sich freundlich im "Morgengesang", gelassen fließt "Am Abend". Dunkler leitet die Orgel ein zu "Den Wille, Herr, geschehe". Geradezu unmodern berührt Seifahrt hier in demütiger Zurückhaltung. Jean Langlais war einer der experimentierfreudigsten Komponisten im Frankreich des 20. Jahrhunderts. Seifarth und Breinlinger geben "Kyrie" und "Agnus Dei" aus seiner "Missa in simplicitate" von 1952: gewagte und doch eingängige Linien, in denen jahrhundertealter Jubel ebenso Ausdruck findet wie die inständige Bitte: "Dona nobis Pacem".

Beim "Intermezzo" von Reger spielt die Orgel sich durch Register, Dissonanzen und Stimmungen bis zum energischen Schluss. Camille Saint-Saëns ist vor allem durch groß besetzte Werke bekannt geworden. In "Une flûte invisible" umgarnen sich Sopran, Flöte und Orgel und spinnen mit leichtem Lächeln ein Lied über die Musik in Liebe und Natur. Selten auch die Kombination von Orgel und Fagott: Christoph Schaffrath war Schüler von Johann Sebastian Bach und bereits Vertreter des galanten Stils. Im Duett kann der Fagott seine Wärme, aber auch seine muntere Seite ausleben, während ihm die Orgel trotz Kontrapunkt eingängig zur Seite steht. Geige und Flöte sind wegen vergleichbarer Lage selten als Duo zu hören. In einem Duett von Carl Philipp Stamitz kosten sie leichtfüßig Verwandtschaften und Verschiedenheiten aus.

Das Ende des Konzerts bildet eine Suite aus Tänzen von Georg Philipp Telemann. Mit viel Sinn für Leichtigkeit und feinen Humor bekommt jedes Stück seinen eigenen Charakter, ob übermütig, gefühlvoll oder schreitend. Mit einem beseelten Abendlied entlassen die Musiker ihr Publikum in den Frühlingsabend.

 

Konzertreihe

Seit 21 Jahren bietet die Konzertreihe in St. Jodokus hochkarätige Kammermusik bei freiem Eintritt. Die Konzerttermine 2018:

Sonntag, 13. Mai, 20 Uhr, Stuttgart Brass Quartett, Musik aus Russland für Blechbläser. Das Konzert ist Bestandteil des Bodenseefestivals.

Sonntag, 17. Juni, 19 Uhr, Jugendchor St. Columban unter der Leitung von Marita Hasenmüller

Sonntag, 22. Juli, 20 Uhr, "Klarinettenzauber" mit Sayka und Yumi Schmuck und Oliver Klenk

Sonntag, 16. September, 20 Uhr, Musik für Bratsche und Orgel mit Benjamin Hartung und Georg Brendle

Freitag, 2. November, 10 Uhr, "Our father in heaven" – Symphonische Rhapsodie von Ralf Grössler mit einem Projektchor unter Sönke Wittnebel