Im Oktober stellten die neuen Nachbarn im "Winkel" in Kippenhausen einen Bauantrag – der sorgte schon nach der Ortschaftsratssitzung im Dezember für heftige Diskussionen. Bürgermeister Johannes Henne nahm den Punkt am 12. Dezember von der Tagesordnung des Technischen Ausschusses. Begründung: Es seien neue Informationen aufgetaucht und noch Fragen zu klären. Gut 30 Kippenhausener hatten auch hier ihrem Ärger Luft gemacht.

Industriewäscherei "durch die Hintertür"?

Beim Ortstermin in der Straße namens "Winkel" sind es fast ein Dutzend Anwohner, die ihre Sicht der Dinge erklären. Namentlich möchte keiner genannt werden. Aber mit ihren Bedenken halten sie nicht hinterm Berg. Eine Mangelstube gehöre nicht in ein reines Wohngebiet, hier sei kein Gewerbe zulässig, argumentieren sie. Mehr noch: Hier solle offensichtlich eine Industriewäscherei "durch die Hintertür" entstehen. Wozu sonst sei diese große Garage geplant, wo das Haus bereits über eine Doppelgarage und weitere Stellplätze verfüge? Noch dazu, dass diese neue Garage außerhalb des Baufensters liege.

Misstrauen erregt aber auch eine gut 1,50 Meter breite Rampe, die im Bauplan eingezeichnet ist, und dass laut Bauantrag der Betrieb von 6 bis 22 Uhr geöffnet sein soll. Laute Maschinen, Abluft aus Trocknern, der ganze Anliefer- und Abholungsverkehr: Die Kippenhausener im "Winkel" sehen ihr Dorfidylle in Gefahr, was auch schlecht fürs Geschäft ist. Fast jeder hier hat ein oder zwei Ferienwohnungen, in denen bevorzugt ältere Gäste Erholung suchen und beschauliche Ruhe erwarten. Im Gewerbegebiet gebe es genug Platz für eine Mangelstube, sagen sie.

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Betreiberin: "Das ist nicht fair von den Anwohnern“

Renate M. versteht das Ganze nicht. "Das ist nicht fair von den Anwohnern“, erklärt die Allgäuerin, die an den Bodensee ziehen und hier ihre Mangelstube weiter betreiben will. Seit zehn Jahren arbeite sie so, weil sie Rheuma habe, erklärt sie bereitwillig am Telefon. Von Industriewäscherei könne keine Rede sein. Sie besitze eine Acht-Kilo-Waschmaschine mit Gewerbezulassung, einen Trockner und eine etwa zwei Meter breite Heißmangel. Lärm entstehe nicht mehr als bei jedem anderen, der eine Waschmaschine zuhause betreibe.

Derzeit habe sie an vier Wochentagen ab 8.30 Uhr bis mittags geöffnet, an drei Wochentagen zusätzlich am Nachmittag bis 16.30 Uhr. Wegen ihrer Krankheit wolle sie künftig maximal an drei Tagen arbeiten. Die falsche Angabe der Öffnungszeiten im Bauantrag habe der Architekt zu verantworten. Und die „Rampe“ sei nicht mehr als ein neuer Außenzugang zum Untergeschoss ohne Treppen.

Martin Frank, Geschäftsführer des Winzervereins Meersburg. Bild: Sylvia Floetemeyer
Martin Frank, Geschäftsführer des Winzervereins Meersburg. Bild: Sylvia Floetemeyer | Bild: Sylvia Floetemeyer

Ortsvorsteher: „Ich kenn’ meine Kippenhausener nicht mehr“

„Da ist das Kind von Anfang an ordentlich in den Brunnen gefallen“, ist Ortsvorsteher Martin Frank fast ein bisschen entsetzt über diese Nachbarschafts-Fehde mit großen Emotionen. „Ich kenn’ meine Kippenhausener nicht mehr“, ärgert ihn vor allem der Ton, der die Auseinandersetzungen begleitet. Frank räumt ein, dass der Bauantrag irreführende Angaben enthält und Interpretationen zulasse, die die Bedenken der Anwohner nachvollziehbar machten. Aber diese „unheimliche Kluft“, die abstruse Formen annehme, verursache bei ihm Stirnrunzeln.

„Wir leben hier miteinander, da muss man auch miteinander schwätzen“, sagt er. Abgesehen davon gebe es in dem Wohngebiet schon einige, die ein kleines Gewerbe betreiben, ohne dass jemand Anstoß genommen hätte – von der Ferienwohnung bis zum Yoga-Studio; mancher auch ohne Anmeldung.

Betroffene haben noch nicht miteinander geredet

Tatsächlich haben die Betroffenen noch nicht miteinander geredet, räumen alle ein. Die Anwohner haben nach eigener Aussage erwartet, dass die neuen Nachbarn auf sie zukommen und ihre Pläne erläutern. Stattdessen hätten sie eine 40 Jahre alte, zwei Meter hohe Ligusterhecke und den Nussbaum auf dem Grundstück gerodet, beklagen sie. Für den BUND mehr als Frevel an der Natur, denn die Hecke sei im Bebauungsplan als „Muss“ festgesetzt. Renate M. hingegen versteht nicht, warum sie niemand direkt gefragt habe, wenn das Interesse an ihren Plänen so groß sei. Dass sie ihren Garten nach eigenem Geschmack umgestalten möchte, dafür sei sie doch niemandem rechenschaftspflichtig.

Ortsvorsteher Frank hofft, dass die Missverständnisse und Animositäten ausgeräumt werden können. Er habe alle Beteiligten aus dem "Winkel" am 4. Januar zu einem Gespräch eingeladen. „Ich will nur, dass sie miteinander reden“, sagt er.