Es herrscht Hochsaison in den Strandbädern, gerade jetzt zum Beginn der Sommerferien. Die Badegäste genießen das heiße Sommerwetter, für die Rettungskräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Bademeister kommen jetzt die Wochen, in denen sie besonders gefragt sind. Schwimmmeister Ralf Kaiser vom Aquastaad Immenstaad und Matthias Schadow vom Immenstaader DLRG-Ortsverein erklären, worauf beim Schwimmen zu achten ist und wie man erste Hilfe im Wasser leistet.

Welche Schwimmhilfen können gefährlich werden? Der Verkauf von lustigen Schwimmreifen in Form von Einhörner, Flamingos oder Badeinseln boomt. Kinder und Jugendliche nutzen sie, aber auch immer mehr Erwachsene. Schwimmmeister Ralf Kaiser warnt davor, diese Schwimmhilfen zu benutzen, wenn man nicht gut schwimmen kann, denn viele unterschätzen ihre Kräfte. Zudem können sie bei viel Wind abtreiben. "Wir hatten gerade den Fall, das eine Jugendliche mit einem solchen Aufblastier zum Floß schwamm. Dann aber wurde es durch den Wind weggehweht und ihre Freundin wollte es zurückholen. Doch dabei merkte sie, dass ihre Kräfte nicht reichten", erzählt Kaiser. "Wir konnten dann glücklicherweise das Mädchen aus dem Wasser holen", erzählt er. Matthias Schadow vom DLRG weist darauf hin, dass diese aufblasbaren Tiere keine echten Schwimmhilfen sind.

Selina Daum aus dem Odenwald macht mit ihrer Familie Urlaub am See und hat viel Spaß mit ihrem schwimmenden Einhorn. Solche Schwimmtiere können auch gefährlich werden.
Selina Daum aus dem Odenwald macht mit ihrer Familie Urlaub am See und hat viel Spaß mit ihrem schwimmenden Einhorn. Solche Schwimmtiere können auch gefährlich werden. | Bild: Gisela Keller

Wo ist das Baden besonders gefährlich? Gefährlich sind vor allem alle Bereiche rund um die Anleger, in Häfen oder überall dort, wo das Baden generell verboten ist. "Solche Verbote haben immer einen guten Grund", weiß Matthias Schadow.

Ist davon abzuraten, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen? Diese alte Baderegel kennt wohl jeder und sie hat ihre Berechtigung. "Man sollte weder mit leerem noch mit ganz vollem Magen ins Wasser gehen", erklärt Matthias Schadow. Wenn einem beim Baden übel wird oder man erbrechen muss, kann es schnell lebensgefährlich werden. Ralf Kaiser rät generell dazu, nicht ins Wasser zu gehen, wenn man sich nicht wohlfühlt. "Das gilt nicht nur für den vollen Magen, auch für Kopfschmerzen oder Erkältungen", so der erfahrene Bademeister. "Wenn Sie hundert Meter vom Strand entfernt ein gesundheitliches Problem bekommen, kann das schnell zu Schwierigkeiten führen." Deswegen rät Kaiser, auf seinen Körper zu hören.

Bei schönem Wetter genießen Einheimische und Feriengäste den Aufenthalt im Aquastaad.
Bei schönem Wetter genießen Einheimische und Feriengäste den Aufenthalt im Aquastaad. | Bild: Gisela Keller

Kann das Herz beim Sprung ins kalte Wasser stehen bleiben? Gerade wenn es so heiß ist, wie in diesen Tagen, kann der Sprung ins kalte Wasser tatsächlich eine Belastung für den Kreislauf werden. "Wir Menschen haben eine Körpertemperatur von 36,4 Grad, das Wasser ist derzeit etwa 24 Grad warm. Trotzdem sind das 13 Grad Unterschied", erklärt Kaiser. Wer zudem in der Sonne liegt, heizt den Körper noch mehr auf. "In manchen Fällen kann das ein Auslöser für Herzstillstand sein", erklärt der Bademeister aus dem Aquastaad. Wie er rät auch DLRG-Mann Matthias Schadow dazu, sich vor dem Baden abzukühlen. "Am besten nutzt man eine der Außenduschen", so Schadow.

Wieso ist es so schwierig, einen Ertrinkenden zu retten? Wenn Menschen im Wasser in Not geraten, werden sie oft panisch. Wenn ihnen dann jemand helfen möchte, halten sie sich mit Gewalt an demjenigen fest, der ihnen helfen will. "Das ist ein Überlebenskampf, das muss man sich bewusst machen", erklärt Ralf Kaiser. Erst vor kurzem erlebte er, wie ein 14-jähriger Junge im Hallenbad in den tiefen Bereich kam und nicht mehr stehen konnte. Zwei Freunde wollten ihm helfen, doch es gelang ihnen nicht, weil sich die Kinder förmlich ineinander verhakt hatten. "Ich konnte dann die Kinder herausziehen", so Kaiser.

Vom erhöhten Standpunkt hat Ralf Kaiser die Badenden im See im Blick.
Vom erhöhten Standpunkt hat Ralf Kaiser die Badenden im See im Blick. | Bild: Gisela Keller

Was muss ich tun, wenn neben mir im Wasser jemand zu ertrinken droht? Ralf Kaiser rät dazu, sofort um Hilfe zu rufen. "Das ist sehr wichtig, denn es ist für Laien nicht einfach, einen Ertrinkenden zu retten", erklärt Kaiser. Menschen werden im Wasser sehr schwer, was für die Retter schnell zum Verhängnis werden kann, wie Matthias Schadow warnt. Wer eine Schwimmhilfe dabei hat, sollte diese schnellstens dem Ertrinkenden geben, damit er sich daran festhalten kann. "Das Wichtigste ist, den Ertrinkenden über Wasser zu halten, bis Hilfe kommt", so Schadow. Es hilft auch, Blickkontakt aufzubauen. Dabei sollte man aber in jedem Falle an sich selbst denken. Schon oft ertranken Menschen, die versuchten, zu helfen. "Wenn jemand im Wasser in Panik kommt, kann es schnell gefährlich werden", erklärt Ralf Kaiser. Grundsätzlich rät er dazu, lieber einmal zu viel um Hilfe zu rufen, als einmal zu wenig. Wichtig sei es, aufmerksam zu sein, weil Ertrinken meist lautlos vor sich geht. "Das Ertrinken ist fast immer ein ruhiger und wortloser Vorgang. In der Realität wird selten gewunken, geschrien oder wie wild gestrampelt", so der DLRG.
 

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361 Personen mussten 2017 gerettet werden

Wie wichtig die Aufklärung über Gefahren beim Schwimmen und Baden ist, zeigt die jährliche Unfallstatistik der Wasserschutzpolizeien rund um den Bodensee. Im Jahr 2017 mussten demnach insgesamt 361 Personen aus Seenot im Bereich des Bodensees und des Hochrheinabschnitts bis Schaffhausen gerettet werden. Durch die überdurchschnittlich hohen und langanhaltenden Temperaturen (Es war der drittwärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen) konnte bis in den Herbst hinein Wassersport betrieben werden. Darüber hinaus war das Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr relativ windstark inklusive starker Regenfälle in Gewitternähe. 

Auf der folgenden Grafik finden Sie eine detaillierte Auflistung der Unfälle auf dem Bodensee. Der Anstieg der Unfallzahlen im vergangenen Jahr insgesamt ist darauf zurückzuführen, dass bei einem Sturmereignis am 21. Juli im Hafen Ludwigshafen insgesamt 72 Motor- und Segelboote beschädigt worden sind, wie dem Polizeibericht zu entnehmen ist. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.