Sie alle sind aus Papier. "Papier hat mich schon im Studium in Wien fasziniert. Es ist ein Werkstoff, der dünn und flauschig sein kann, fragil und kräftig, zart und fest wie Karton", sagt Silvia Heger. Ihre Beziehung zu ihrem Werkstoff beschreibt sie als Geschichte der unendlichen Möglichkeiten. "Anfangs habe ich viel mit Draht gearbeitet, das waren sehr konzeptionelle Werke", sagt sie und zeigt auf eine Installation im Atelier. Von einer Plexiglasscheibe aus ergießen sich hunderte Papierstreifen auf parallelen Drähten in den Raum. "Ich wollte dann mehr zur spontanen Arbeit, da habe ich aus Draht plastische Zeichnungen gemacht und die in den Papierstoff getaucht." Entstanden sind Werke wie Organismen, die sich in stiller Freiheit in den Raum dehnen. Zurzeit entstehen luftig-eigenwillige Gebilde aus Draht und Papierstreifen.

Das Gebilde aus Draht und Papier scheint schwerelos im Raum zu schweben, Silvia Heger hat es "ausgleichend" genannt.
Das Gebilde aus Draht und Papier scheint schwerelos im Raum zu schweben, Silvia Heger hat es "ausgleichend" genannt. | Bild: Kuhnle&Knoedler

Neben den raumgreifenden Plastiken schöpft sie Papierblätter. Über Pferdehaare, Fäden oder farbiges Papier legt sie weitere, teils hauchzarte, teils flaumige Papierschichten, sodass die fertigen Blätter auf den ersten Blick wirken wie traumverlorene Grafiken oder Aquarelle. Bei anderen darf das Papier seine eigenen Geschichten erzählen: Es bildet Reliefs oder zerfällt in Streifen, die sich nur hin und wieder begegnen. Manchmal wirft es sich zu fremdartigen Landschaften auf oder neue Strukturen entwickeln sich aus Rissen oder Falten. "Ich bin oft selbst überrascht, was da entsteht, aber ich lasse dem Werkstoff auch seine Eigendynamik", sagt sie.

„Durchlässig“ heißt dieses Raumobjekt von Silvia Heger.
„Durchlässig“ heißt dieses Raumobjekt von Silvia Heger. | Bild: Kuhnle&Knoedler

Fast alle Werke sind weiß. "Das nehme ich mir gar nicht unbedingt vor. Aber im Weiß sind alle anderen Farben enthalten und weiß bleibt auch nie einfach weiß." Es ändert sich mit Licht und Schatten, mit Blickwinkeln und Tageszeiten. "Weiß steht auch für Leichtigkeit, Fragilität, Verletzlichkeit, für Schönheit und Vergänglichkeit." Manchmal sei sie auch einfach nur froh, nach den Bilderüberflutungen der Gegenwart wieder auf ein weißes Blatt schauen zu können.

Für ihre Arbeit braucht sie viel Ruhe und Konzentration, sie beschreibt das Papierschöpfen als geradezu meditativen Prozess. "Meine Arbeiten sind abstrakt, sie bilden eher Emotionen ab und wirken mit dem Raum zusammen. Aber ich möchte auch wissen, ob meine Sprache verstanden wird", sagt sie. Ihre Kunstwerke sollen in Beziehung treten dürfen und ihren Weg in die Empfindungen anderer finden.

Werkschau am Samstag, 16. Juni von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag, 17. Juni von 11 bis 11 Uhr im Atelier Silvia Heger, Ziegelei 1 in Immenstaad.