Getragen von freundlichen Klavierwellen singt das Cello ein Lied ohne Worte. In weichen, eindringlichen Tönen beschwört es die Sehnsucht nach Vergangenem oder Unerreichbaren, leuchtet mal schmerzlich, mal liebevoll. Immer inniger umspielen die Instrumente einander, bis sie sich aufschwingen und versöhnlich sachte enden. Andrea Ringendahl und Frank Westphal eröffnen mit Robert Schumanns Fantasiestücken das Benefizkonzert "Sommernachtsträume" im Immenstaader Bürgersaal. Vom ersten Ton an strömt Melancholie und Poesie in gleichen Teilen in den Raum – schade, dass der Flügel vorher eines Klavierstimmers bedurft hätte. Luftig zwischen Mutwillen und Behutsamkeit pendelnd, spielen sie sich im nächsten Satz die Themen zu, im dritten steigern sie sich in leidenschaftliches Aufbegehren, nachdem Ringendahls Klavier vorsichtig die Klage des Cellos untermalt und schließlich aufgelöst hat. Schumann schrieb sein Opus 73 im Revolutionsjahr 1849 – es setzt den Unruhen in Dresden, vor denen er wenig später nach Kreischa floh, eine verinnerlichte Utopie entgegen.

Mit dem Benefizkonzert setzen sich die Musiker für den "Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg" ein. "Wir wollten etwas für Kinder in Not und für deren Eltern tun, und wir haben alle einen Bezug zu Freiburg", erklärt Organisatorin Andrea Diersch. Die Spenden kommen dem Elternhaus zugute, das der Verein neben der neu entstehenden Kinderklinik plant. "Dort können Eltern während der Behandlung ihres Kinds übernachten", sagt Beirätin Rosemarie Steurenthaler. 2021 soll das Haus stehen.

Für die "Aria" des französischen Komponisten Eugène Bozza aus dem Jahr 1936 schenkt Florian Loebermann dem Saxofon einen langen Atem. Mit viel Gefühl gibt er jeder Note ihren Raum, als habe er alle Zeit der Welt. Schwebend entwickelt sich eine sanft traurige Melodie, als entwickle sie sich hier und jetzt als Meditation. Aus dem Augenblick geboren wirken auch Franz Schuberts "Impromtpus". Im Jahr vor seinem Tod entstanden diese Miniaturen in zwei Serien. Wie aus dem Nichts lässt Ringendahl die Achtel-Triolen des Es-Dur-Stückchens vom Flügel perlen. Fast unmerklich bekommen die glitzernden Tropfen einen dunkler schimmernden Ton. Erst energisch, dann nachdenklich folgt das zweite Thema mit schattenhaften Untertönen. Nur langsam kehrt die Leichtigkeit des Anfangs in die neu aufgenommenen Triolen zurück.

Mehr elegant als ungestüm folgen Bela Bartoks "Rumänische Volkstänze" für Streichquintett und Klarinette. Erst im fünften Satz legen die Musiker richtig los, erst reißen Andrea Diersch und Florian Loebermann die anderen mit, dann drängen zweite Geige und Bratsche, während Cello und Bass von unten treiben.

Schon die ersten an- und abschwellenden Akkorde von Schuberts Streichquintett erzählen von einer fast bodenlosen Trostlosigkeit. Er schrieb es zwei Monate vor seinem Tod, als kranker und desillusionierter Mann, der nur die Erinnerung an erhofftes und erahntes Glück bewahrt hat. Noch halten die Musiker die Schwermut in Schach, dann aber singen die Celli (Stefan Gräsle und Frank Westphal) ergreifend von Schönheit und Verlust. Durchscheinend zart antworten die Geigen (Burkhard Fladt und Andrea Diersch), aufmerksam wechselt die Bratsche (Thomas Thiers) immer wieder die Seiten, bis nach aufbrandendem Akkord der Satz sachte verebbt. Verzweifelt seufzt die erste Geige im zweiten Satz über endlosen Akkorden, ehe sich im Mittelteil dramatisch der Schmerz Bahn bricht. Die Musiker verleihen diesem Schwanengesang eine beklemmende Intensität. Sie lassen Melodien großer Schönheit aufstrahlen, schrill und dissonant erklingen Momente tiefer Zerrissenheit, auf geflüsterte Mutlosigkeit folgt lautstarker Trotz bis zum dunklen Schluss.