Jede Woche dienstags treffen sich seit etlichen Jahren Mütter mit ihren Babys für eineinhalb Stunden in einem ehemaligen Klassenzimmer im Grundschulgebäude zum Babytreff. "Es ist, gerade in der Zeit, in der man mit dem Baby zuhause ist, eine sehr gute Anlaufstelle", erklärt Friederike Beyer, die regelmäßig mit Söhnchen Tilman teilnimmt. Jetzt sind die Mütter und Gruppenleiterin – Hebamme Sarah Grunow – ratlos, denn sie wissen nicht, ob es den Babytreff weiterhin geben wird. Der bisher genutzte Raum wird jedenfalls bald anderweitig gebraucht.

Wie die Leiterin des Babytreffs, Hebamme Sarah Grunow, im Gespräch mit dem SÜDKURIER berichtet, habe es schon längere Zeit Anzeichen dafür gegeben, dass etwas nicht stimme: "Seit Wochen wurde der Raum immer leerer: Das Sofa war plötzlich weg, außerdem Schränke, Regale und Spielsachen." Um zu erfahren, was die Ursache dafür sei, habe sie seit Wochen immer wieder im Hauptamt angerufen, sagt Grunow. Es sei ihr nicht gelungen, Amtsleiter Michael Haase zu erreichen, dessen Vertreterin habe jedoch versprochen, sich zu kümmern. Inzwischen habe sie einen Anruf von Haase bekommen, berichtet Grunow. Er habe ihr mitgeteilt, dass der Raum für den Babytreff nur noch bis Ende Dezember zur Verfügung stehe. Grund dafür ist, dass der Raum – wie das gesamte Grundschulgebäude – als Ausweichquartier für den Kindergarten "Seegaddel" gebraucht wird (siehe Informationskasten).

Über die geplante Umnutzung der Schulgebäude hat der SÜDKURIER in den vergangenen Wochen mehrfach berichtet. "Es ist klar, dass wir von allen Beteiligten Kompromisse verlangen müssen", erklärt Hauptamtsleiter Michael Haase. Das Gebäude wird nicht nur von der Schule genutzt, sondern auch von KBZO, Volkshochschule und TuS. Mit diesen Nutzern hat Haase bereits intensive Gespräche geführt und man hat sich geeinigt: Die Schule rückt im Hauptschulgebäude zusammen und auch für die Außenklasse der KBZO konnte dort ein Raum genutzt werden. Das Kursangebot der Volkshochschule muss schrumpfen, auch weil die Schulküche nicht mehr zur Verfügung steht. Auch der TuS wird mit weniger Räumen und Nutzungszeiten zurechtkommen müssen. "Wir fragen uns, warum man den Babytreff nicht in diese Gespräche einbezogen hat", sagt Grunow. Auf Nachfrage des SÜDKURIER erklärt Michael Haase: "Wir hatten den Babytreff nicht auf dem Schirm und wussten bis vor Kurzem schlicht nicht, dass dieser Raum dafür genutzt wird." Vor Jahren sei der Raum für Krabbelgruppen des Vereins Familientreff "Große kleine Leut' " zur Verfügung gestellt worden, aber dann sei er vom Verein nicht mehr benötigt worden. Während der Sanierung des Kindergartens Ruhbühl nach den Verwüstungen im Juni (der SÜDKURIER berichtete) diente der Raum als Ausweichquartier für Ruhbühl-Kinder. Der Babytreff nutzte während dieser Zeit bei schönem Wetter eine Wiese, bei schlechtem Wetter den Gymnastikraum der Schule, ist von Grunow zu erfahren.

Der Babytreff wird auf der Homepage des Vereins Familientreff "Große kleine Leut' " und in Abständen (zuletzt Ende Oktober) im Amtsblatt der Gemeinde beworben. Als Ort ist angegeben: "Grundschule Immenstaad Schulstraße, Raum des Familientreffs." Eigentlich sei der Babytreff aber kein Angebot des Vereins, sondern des Jugendamtes des Bodenseekreises, erklärt Yvonne Herrmann, die Geschäftsführerin des Vereins. Wie bei solchen Angeboten kreisweit üblich, bezahle der Bodenseekreis die Gruppenleiterin und die Gemeinde stelle den Raum. "Jetzt finde ich es wichtig, dass alle Beteiligten sachlich miteinander sprechen", sagt Yvonne Herrmann, "es ist schließlich im Interesse aller, dass eine Lösung gefunden wird". Michael Haase sieht das ähnlich: "Wir sind intensiv daran, bis zum Jahresende eine Möglichkeit zu finden, damit es mit dem Babytreff weitergehen kann." Er sei zuversichtlich, dass dies für die benötigten eineinhalb Stunden pro Woche irgendwie zu schaffen sei. Versprechen könne er das jedoch nicht: Das Raumangebot in Immenstaad sei nun einmal sehr begrenzt. Hinzu kommt, dass auch andere Nutzer der Schulgebäude auf der Suche nach Räumen sind.

Bauprojekte 

Der Gemeinderat hat Anfang Oktober entschieden, mit einem durchgeplanten Nutzungswechsel der Gebäude auf dem Schulareal eine günstige Übergangslösung für den Kindergarten "Seegaddel" zu schaffen. Damit der vorhandene Kindergarten abgerissen und der neue gebaut werden kann, muss der Kindergarten ein Ausweich-Quartier bekommen. Im Vergleich zu einer Containerlösung auf dem "roten Platz" auf dem Schulgelände komme es rund 500 000 Euro günstiger, im Grundschulgebäude diese Zwischenlösung zu schaffen, hat die Gemeinde ausgerechnet. Dafür sollen ab Jahresbeginn 2018 im Grundschulgebäude einige Umbauten erledigt werden, um den Vorschriften für die Nutzung als Kindergarten zu entsprechen. Die Schule soll komplett ins ehemalige Hauptschulgebäude umziehen. Dadurch sollen mittelfristig anstehende Folgeprojekte erleichtert werden: Sobald die Seegaddel-Kinder ihren neuen Kindergarten beziehen können, kann nahtlos mit der geplanten Sanierung/Erweiterung der Grundschule begonnen werden. Sobald die Schüler wieder im Grundschulgebäude sind, könnte das nächste Projekt in Angriff genommen werden: der Rückbau des Hauptschulgebäudes und der von vielen lang ersehnte Bau einer neuen Sporthalle. (gik)