Etwas geschwätzig ist sie ja schon, "Susanna – dem Unterlehrer Wetzel sei Hausfrau". Am Samstag führte Susanne Wetzel unter diesem Motto erstmals durch Immenstaad, das in diesem Jahr sein 925-jähriges Bestehen feiert. Aus dem Blickwinkel des Jahres 1910 erfährt man auf kurzweilige Art und Weise viel über die Geschichte der Gemeinde und das Leben der Immenstaader vor mehr als 100 Jahren.

Im Sonntagshäs unterwegs

Im Sonntagshäs nahm Susanne Wetzel die Spaziergänger bei der historischen Ortsführung vor dem Rathaus in Empfang, unter ihnen auch Bürgermeister Johannes Henne mit Familie. "So pünktlich seid ihr, die Taschenuhr ist doch grad erst erfunden worden!"

Was hat die Stund' geschlagen? Die Immenstaader Präzisionsuhr vor dem Rathaus zeigt die Uhrzeit bis heute ganz genau an.
Was hat die Stund' geschlagen? Die Immenstaader Präzisionsuhr vor dem Rathaus zeigt die Uhrzeit bis heute ganz genau an. | Bild: Claudia Wörner

Immenstaad hatte bereits die Präzisionsuhr vor dem Rathaus

Aber immerhin hatte Immenstaad ja bereits die Präzisionsuhr vor dem Rathaus. Zuerst ging es hoch zur Schule – die es dort im Jahr 1910 natürlich noch gar nicht gab. Aber hier hängt das Wappen von Stephan Brodmann, der im Jahr 1716 das erste Schulhaus der Gemeinde gestiftet hat. Weiter ging es zum Schwörerhaus, vor dem der Vinzenzbrunnen steht. "Hier war wahrscheinlich das erste Rathaus", weiß Unterlehrer Wetzels Frau zu berichten.

Vinzenz rückte ein schiefes Fachwerkhaus wieder gerade

Noch interessanter ist aber, dass Vinzenz verhinderte, dass das Fachwerkhaus 1908 oder 1909 abgerissen wurde. Damals sei es sehr schief dagestanden und Vinzenz habe es mit seiner ganzen Manneskraft mit einem Seil wieder gerade gerückt. Zum Dank bekam er einen Kübel Wein.

Im Sonntagshäs von 1910 berichtete Susanne Wetzel beim ersten Spaziergang dieser Art auch Bürgermeister Johannes Henne (links) und seiner Frau Emma von manch neuer Anekdote aus der Gemeinde.
Im Sonntagshäs von 1910 berichtete Susanne Wetzel beim ersten Spaziergang dieser Art auch Bürgermeister Johannes Henne (links) und seiner Frau Emma von manch neuer Anekdote aus der Gemeinde. | Bild: Claudia Wörner

"Also i hon nix g'sagt", hängte Susanne Wetzel beim humoristisch-historischen Ortsspaziergang gern an die kleinen Anekdoten, die sie immer wieder einstreute. Sei es beim Blick auf die Weiberleut', die eigentlich nur zum Arbeiten da waren, oder auf die Fasnet, bei der die Menschen wenigstens einmal im Jahr der Obrigkeit ihre Meinung sagen durften.

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Zum Beichten, Heiraten oder zur Beerdigung nach Bermatingen

Erst im Jahr 1410 bekamen die Immenstaader eine eigene Pfarrei. Vorher mussten sie nicht nur zum Kirchgang, sondern auch zum Beichten, Heiraten oder zur Beerdigung bis nach Bermatingen. "Zweieinhalb Stunden zu Fuß hin und auch wieder zurück", rechnete Susanne Wetzel vor.

Das "Schiff" war die "Räuberhöhle"

Die Spaziergänger erfuhren, dass die Untere Seestraße in früheren Zeiten das Ried war und hier nur die Ärmsten der Armen lebten. Der Gasthof "Schiff" hatte damals den Spitznamen "Räuberhöhle", war hier doch das Stammlokal der Sozialisten. Insgesamt sei es den Immenstaadern im Jahr 1910 aber gut gegangen. Neben Obst- und Weinbau gab es auch Hopfenanbau, zwölf Kiesgruben und eine Ziegelei.

Schon 1905 kamen die ersten Kurgäste aus Stuttgart

"Die Immenstaader Butter wurde sogar bis nach Bregenz geliefert", weiß die Führerin zu berichten. Und bereits im Jahr 1905 logierten im Gasthof "Adler" die ersten Kurgäste aus Stuttgart.