Bei seinem ersten Besuch in Immenstaad nach der Amtseinführung von Bürgermeister Johannes Henne stand für den Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Hahn ein Besuch im Kinderhaus Schulstraße und beim Raumfahrtunternehmen Spacetec in Kippenhausen auf dem Programm.

"Trend geht zum Drittkind"

Das Kinderhaus hatte Martin Hahn schon bei dessen Eröffnung 2011 kennen gelernt: "Jetzt ist für mich wichtig zu sehen: War es denn richtig, was wir politisch in der Kinderbetreuung geändert haben?" Von einem schönen Erfolg berichtete Kindergarten-Leiterin Gabriele Schulz-Beller: "Der Trend geht bei uns zum Drittkind. Ich denke, das liegt mit daran, dass in unserer Kommune Eltern wissen, dass es hier ein verlässliches Angebot gibt, mit dem sich Familie und Beruf vereinbaren lassen, wenn sie das möchten." Mit dem Bau des Kinderhauses Schulstraße sei dazu der erste Schritt getan worden. Der zweite Schritt werde folgen, wenn der neue Kindergarten Seegaddel in Betrieb gehe. Im Zuge dessen plant die Gemeinde eine Spezialisierung der Kindergärten. "Kindern bis drei Jahre wollen wir dann hier im Kinderhaus eine schöne Umgebung bieten. Und im Seegaddel wird das für Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt auch ganztags so sein", fasste das Schmelz-Beller zusammen.

Die Bodenseeregion sei weiterhin eine Zuzugsregion, betonte Henne. "Die Voraussagen, dass es weniger Kinder geben wird, haben sich nicht bewahrheitet – jedenfalls nicht hier." Immenstaad sei aktiv und vorausschauend auf die Herausforderungen bei der Kinderbetreuung zugegangen, bilanzierte Hahn im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Er wisse zwar nicht, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Kinderzahlen und Betreuungsplätzen gebe, "aber es ist eine Trendwende eingetreten, die wir dringend gebraucht haben". Gute Kinderbetreuung gehöre ja auch zu den soften Arbeitsmarktkriterien – gerade in einer Technologieregion.

Hightech kann unscheinbar aussehen: Das "Rohr", das Wolfgang Pitz (rechts) und Bernhard Doll (links) Johannes Henne und Martin Hahn zeigen, gehört zu einer 16 Meter langen Antenne, die klein zusammengefaltet werden kann und äußerst stabil ist.
Hightech kann unscheinbar aussehen: Das "Rohr", das Wolfgang Pitz (rechts) und Bernhard Doll (links) Johannes Henne und Martin Hahn zeigen, gehört zu einer 16 Meter langen Antenne, die klein zusammengefaltet werden kann und äußerst stabil ist. | Bild: Gisela Keller

Spacetec legt Wert auf Work-Life-Balance

Weltraum-Hochtechnologie entwickelt und produziert das zweite Ziel der Delegation, der Mittelständler Spacetec in Kippenhausen. "Wir haben auf der ganzen Welt sehr gute Ingenieure gefunden", erklärte der geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Pitz, "wir möchten sie gerne behalten." Deshalb mache Spacetec viele Angebote für eine gute Work-Life-Balance. "Unser Gebäude ist außerdem klimaneutral", fügte Pitz hinzu: "Wir haben Solarzellen auf den Dächern, Klimatisieren über eine Tiefenbohrung, haben eine Zisterne fürs Nutzwasser und nutzen Elektrofahrzeuge, die mit Überschuss-Strom aus den Solarzellen geladen werden."

Satelliten als Alternative zu Glasfaserkabel

Noch mehr als das beeindruckten Hahn und die Delegation die vorgestellten Beispiele von Technologie, mit der Spacetec zu internationalen Raumfahrtmissionen beiträgt: Höchstpräzise Laser-Messinstrumente etwa, die Wissenschaftlern Daten liefern, aus denen diese Änderungen des Grundwasserspiegels auf der Erde, den Anstieg des Meeresspiegels oder das Abschmelzen der Polkappen berechnen können. "Wir sind auch superstolz, beim Projekt 'One Web' dabei zu sein", berichtete Pitz. Mit einer Konstellation von 900 kleinen Satelliten und zahlreichen kleinen Bodenstationen soll 'One Web' das Internet auch in die entlegensten Winkel der Erde bringen. "Hoffentlich auch in manche Dörfer bei uns", scherzte Hahn. Der Aufbau eines Glasfasernetzes werde deshalb zumindest für die nächsten zehn Jahre nicht überflüssig, beantwortete Pitz eine diesbezügliche Frage Hahns. "Aber wenn es um die Breitbandversorgung geht, werden solche Lösungen meistens ausgeblendet. Sie müssen nicht zwingend teurer sein als ein Glasfasernetz."