Für die Nachwelt war es nicht schlecht, dass Johann Strauss (Vater) seine Familie sitzen ließ, als sein ältester Sohn Johann 19 Jahre alt war. Er hatte verboten, dass seine Söhne Instrumente anfassten und sie auf eine Beamtenkarriere vorbereitet. Als er weg war, finanzierte die Mutter den besten und teuersten Musikunterricht. Alle drei – Johann, Josef und Eduard – wurden höchst erfolgreiche Musiker und Komponisten. Johann wurde in Wien als Walzerkönig zum Aushängeschild der Doppelmonarchie, auch die Werke seiner Brüder werden bis heute gespielt.

Im Gespräch von Timo Handschuh und Maryna Zubko geht es um die Musik von Johann Strauss, die Fledermaus und das dreigestrichene f.
Im Gespräch von Timo Handschuh und Maryna Zubko geht es um die Musik von Johann Strauss, die Fledermaus und das dreigestrichene f. | Bild: Corinna Raupach

„Die Musik tut den Menschen gut, sie ist frisch und unverbraucht. Wer aus so einem Konzert kommt, hat gute Laune und ein Lächeln im Gesicht“, sagt Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm und Künstlerischer Leiter des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim. Am Klavier zeichnet er die Entstehung des Walzers nach, vom Menuett über den deutschen Tanz bis zur Wiener Spezialität: „Beim Wiener Walzer rückt der zweite Schlag ein bisschen nach vorn, der dritte ein bisschen nach hinten“, sagt er. Er stellt die Geschichte der Strauss-Dynastie beim Gesprächskonzert im Rathaus vor. Die Brüder bauten ein Imperium für Tanzmusik auf, mit drei Kapellen, Instrumentierungsbüros und Auftritten in Europa und Übersee.

Die aus der Ukraine stammende Koloratursopronistin Maryna Zubko ist für die erkrankte Maria Rosendorfsky eingesrpungen.
Die aus der Ukraine stammende Koloratursopronistin Maryna Zubko ist für die erkrankte Maria Rosendorfsky eingesrpungen. | Bild: Corinna Raupach

1870 brachte Jacques Offenbach Johann auf die Idee, Operetten zu schreiben. „Erst hat er abgelehnt, weil er nicht von Stimmen verstehe. Da hatte er vergessen, dass seine erste Ehefrau Sängerin war“, sagt Handschuh. Der Walzerkönig überlegte es sich schnell anders und schrieb Dauerbrenner wie „Die Fledermaus“ oder „Der Zigeunerbaron“.

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Für die erkrankte Maria Rosendorfsky ist die preisgekrönte Sopranistin Maryna Zubko eingesprungen. Mühelos fließen ihre Koloraturen, ihre Stimme bebt vor Kraft und Eleganz und trägt auch in der Höhe einen tiefen Grund in sich. Selbst ihr hohes „f“ im „Frühlingsstimmenwalzer“ strahlt üppig leuchtend in den Raum. Sie hat sich beim Proben in die Rolle der „Rosalinde“ aus der „Fledermaus“ verliebt. Deren „Klänge der Heimat“ singt sie voll Charme und flirtet in Adeles Arie „Mein Herr Marquis“ mit dem Publikum.