Personalmangel, zu wenig Flexibilität bei den Arbeitszeiten und zu viel Bürokratie an vielen Stellen: hier drückt Gastronomen der Schuh besonders schmerzhaft. Den Besuch von Thomas Bareiß in Immenstaad nutzten örtliche Gastronomen und Touristiker, um mit dem CDU-Politiker, der seit drei Monaten Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Tourismusbeauftragter der Bundesregierung ist, über diese Probleme zu sprechen.

Auch Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen (links) begleitete Thomas Bareiß nach Immenstaad und kam mit Gemeinderäten, Gastronomen und Touristikern ins Gespräch.
Auch Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen (links) begleitete Thomas Bareiß nach Immenstaad und kam mit Gemeinderäten, Gastronomen und Touristikern ins Gespräch.

Bürgermeister Johannes Henne ist schon längere Zeit mit dem CDU-Parteikollegen aus dem Wahlkreis Zollernalb/Sigmaringen bekannt und hatte ihn zu einem Besuch in Immenstaad eingeladen. Beim gemeinsamen Mittagessen mit Gemeinderäten, Gastgebern und Dehoga-Vertretern im Seehof betonte Bareiß die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Tourismus-Branche: "Mehr als 3,2 Millionen Menschen arbeiten im Tourismus, damit ist es die Branche, in der die meisten Menschen überhaupt beschäftigt sind." Zum Vergleich nannte er etwa 700 000 Beschäftigte in der Automobilindustrie.

Mitarbeiter im Ausland anwerben

Um dem Personalmangel in der Gastronomie entgegenzuwirken, versuche das Wirtschaftsministerium auch im Ausland Mitarbeiter anzuwerben. Es gebe ja bereits eine Mangelberufe-Verordnung, erklärte Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen, der Bareiß nach Immenstaad begleitet hat, diese gelte es jetzt zu optimieren. "Wir kämpfen auch darum, eine flexiblere Wochenarbeitszeit oder eine längere Arbeitszeit zu Stoßzeiten zu ermöglichen", sagte Bareiß. Zum Thema Bürokratie fügte er hinzu: "Wir müssen sehen, dass wir da wieder eine Waage hinbekommen, denn es gibt Bereiche, die keinerlei Vorschriften einhalten müssen, wie AirBnB oder Eatwith, die aber direkt mit Hotellerie und Gastronomie konkurrieren."

Serviceleistungen können nicht mehr angeboten werden

Wegen des jetzigen Arbeitszeitgesetzes könne er eine Reihe von Serviceleistungen nicht mehr wie bisher anbieten, erklärte Frank Hallerbach, der gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen Hallerbach den Seehof führt. Das betreffe zum Beispiel Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern, die sich oft in die Länge ziehen können. Dabei hätten die Mitarbeiter eigentlich gar kein Problem damit, in Ausnahmefällen länger zu arbeiten, sagte Uwe Felix, Hotelier in Fischbach und stellvertretender Vorsitzender der Dehoga im Bodenseekreis. "Wir wollen und können unsere Mitarbeiter ja nicht ausbeuten – sonst hätten wir ja auch keine mehr."

Mehr Wertschätzung für Gastronomie

Weil er seine Mitarbeiter auch gut bezahlen möchte, wünscht sich Hallerbach eine bessere Wertschätzung für die Gastronomie. "Die Margen in der Gastronomie sind sehr knapp", erklärt er. "Die Preise sind nicht auf dem Niveau, auf dem sie eigentlich sein müssten." Viele wüssten gar nicht, was alles dahintersteckt. Als eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, könne er sich vorstellen, dass es künftig auch in der Gastronomie unterschiedliche Preise zu unterschiedlichen Zeiten geben könne. "An Feiertagen und am Wochenende muss ich hohe Zuschläge zahlen – da würden die Gäste vielleicht das Doppelte zahlen müssen als vielleicht an einem Dienstag."

Gehörtes im Hinterkopf behalten

"Es war uns wichtig, anzusprechen, welche Auswirkungen Gesetze für die Gastronomie haben, wenn schon mal ein Politiker hier ist", zog Uwe Felix nach dem gemeinsamen Essen Bilanz. "Ich hoffe, dass bei dir das heute Gehörte im Hinterkopf bleibt, wenn es politische Diskussionen um diese Themen gibt", sagte Henne zu Bareiß, bevor beide zu einem Besuch bei Airbus aufbrachen.