Hamburg, Nordkap, Russland, Baltikum und zurück: Ende Februar fuhr das Team „Schwabenstahl Volvo-Power“ bei der Rallye Baltic Sea Circle mit. Eine Frau und fünf Männer aus der Region stellten sich 16 Tage lang der eisigen Herausforderung. „Dabei sammelten wir grandiose Eindrücke. Es war einfach super“, lautet das Fazit von Teammitglied Christoph Wößner aus Immenstaad.

Gruppe legt täglich zwischen 500 und 600 Kilometer zurück

Zu seinen ganz persönlichen Höhepunkten gehörten die Polarlichter auf dem Weg in Richtung Norden und die skandinavische Landschaft, insbesondere die Inselgruppe der Lofoten: „Man kennt zwar die Fotos von den Polarlichtern, aber wenn man das Naturschauspiel tatsächlich erlebt, vergisst man die ganze Welt um sich herum“, erzählt Wößner begeistert. Täglich 500 bis 600 Kilometer mussten Tanja Zwerger, Stefan Theis, Christoph Wößner, Lars Rupp, Patrick Zwerger und Marcel Karcher mit ihren drei Volvos fahren.

Patrick Zwerger, Tanja Zwerger, Stefan Theis, Christoph Wößner, Lars Rupp und Marcel Karcher (von links) genossen viele Eindrücke.
Patrick Zwerger, Tanja Zwerger, Stefan Theis, Christoph Wößner, Lars Rupp und Marcel Karcher (von links) genossen viele Eindrücke. | Bild: Patrick Zwerger

Autos als rollende Schlafzimmer

Bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad dienten die umgebauten Autos, die alle schon 20 Jahre alt sind, mit extra eingebauten Schlafkojen zudem als rollende Schlafzimmer auf der Rallyestrecke. „Dank der Schlafsäcke für Extremtemperaturen haben wir nicht gefroren“, erzählt Wößner. Und morgens, beim Anziehen im Freien, hätten sie sich eben beeilt. Allerdings habe sich das Team etwa alle drei Tage eine feste Unterkunft gegönnt, am liebsten mit Sauna.

„Man kennt zwar die Fotos von den Polarlichtern, aber wenn man das Naturschauspiel tatsächlich erlebt, vergisst man die ganze Welt um sich herum.“ – Christoph Wößner
„Man kennt zwar die Fotos von den Polarlichtern, aber wenn man das Naturschauspiel tatsächlich erlebt, vergisst man die ganze Welt um sich herum.“ – Christoph Wößner | Bild: Claudia Wörner

Intensive Vorbereitung auf extreme Wetterverhältnisse

„Seit Ende Dezember haben wir geschraubt und gewerkelt“, berichtet Christoph Wößner. Neben einem Motor- und Bremsen-Check sei die Vorbereitung auf die Kälte wichtig gewesen. Auch in sehr gute, neue Winterreifen mit spezieller Gummimischung für Nordeuropa hätten sie investiert. Und es hat sich gelohnt: Team Schwabenstahl konnte sich während der 10 000 Kilometer langen Winterreise auf die drei Benziner verlassen. „Vor allem Fahrer mit Diesel-Fahrzeugen hatten nicht selten Probleme und blieben liegen“, erklärt der 35-Jährige, der als Prüfungsingenieur in Singen arbeitet. Bei eisigen Straßenverhältnissen sei auch das eine oder andere Rallye-Fahrzeug der insgesamt 80 Teams in eine Schneeverwehung geschlittert, stecken geblieben oder gar umgekippt. „In solchen Fällen haben sich alle Teams gegenseitig super unterstützt.“

Das Schrauben an den alten Autos hat sich gelohnt: Auf ihre Fahrzeuge konnte das Team sich während der Rallye immer verlassen.
Das Schrauben an den alten Autos hat sich gelohnt: Auf ihre Fahrzeuge konnte das Team sich während der Rallye immer verlassen. | Bild: Patrick Zwerger

Kaum Zeit für Besichtigungen

Bei einer Fahrtzeit zwischen fünf und sieben Stunden täglich – von Murmansk nach St. Petersburg waren es sogar elf – blieb nicht viel Zeit für Besichtigungen. „Das war etwas schade. Die gleiche Strecke in drei Wochen wäre sicher noch besser gewesen“, sagt Wößner. Auch, um die vielen Eindrücke besser zu verarbeiten. „Gedanklich war man ja immer schon einen Schritt weiter bei der nächsten Etappe.“ Auf den Rallye-Organisator sei jedoch Verlass gewesen. Er habe nicht nur die Etappenziele geplant, sondern unterwegs auch für zahlreiche „Challenges“, also Herausforderungen, gesorgt: „Wir fuhren über einen zugefrorenen See oder suchten den Tourbus von Abba auf einem Autofriedhof mitten im schwedischen Wald„, nennt er Beispiele.

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Christoph Wößner: „Vieles werde ich sicher nie vergessen“

Insgesamt sei die Rallye eine tolle Erfahrung gewesen – ob beim Anstellen fürs Teambild am Nordkap, bei der Geduldsprobe an der russischen Grenze, auf den Spuren der Großmutter im ehemaligen Königsberg, beim 24-Euro-Bier in Norwegen oder wenn ein freundlicher Rentner sie einfach so durch seine Heimatstadt Tallinn führte.

Wichtiges Etappenziel Nordkap: Ab jetzt zeigte der Kompass des Teams „Schwabenstahl Volvo-Power“ wieder in Richtung Süden. Über Finnland, Russland und das Baltikum ging es zurück nach Hamburg.
Wichtiges Etappenziel Nordkap: Ab jetzt zeigte der Kompass des Teams „Schwabenstahl Volvo-Power“ wieder in Richtung Süden. Über Finnland, Russland und das Baltikum ging es zurück nach Hamburg. | Bild: Patrick Zwerger

Zurück in Hamburg wurde das Team von Mitgliedern der Stiftung Valentina begrüßt, für die es 3100 Euro an Spenden gesammelt hatte. Die Stiftung mit Sitz in Wangen im Allgäu setzt sich für schwerkranke Kinder ein. Seit der Rückkehr an den Bodensee schaut sich Christoph Wößner immer wieder Fotos ihrer Tour an. „Vieles werde ich sicher nie vergessen“, sagt er.