Eigentlich sollte über den Bauantrag einer Familie, die im Keller ihres Hauses Nr. 9 im „Winkel“ einen kleinen Gewerbebetrieb einrichten und dafür auch eine Doppelgarage in den Garten bauen wollte, am Montag der Ortschaftsrat entscheiden. Ortsvorsteher Martin Frank nahm das Thema aber vor Beginn der Sitzung von der Tagesordnung. Begründung: Die Familie nehme Abstand von den Plänen und habe den Bauantrag zurückgezogen. Für Martin Frank ist das Ende dieser „Dorfposse“ bedauerlich: „Da haben wir uns alle nicht mit Ruhm bekleckert“, erklärte er gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Gewerbe im "Winkel" nicht erwünscht

Anwohner im „Winkel“ liefen Sturm gegen den im Oktober gestellten Bauantrag der neuen Nachbarn, die das Haus im vergangenen Jahr gekauft hatten. Zuerst witterten sie einen „Industriebetrieb durch die Hintertür“, wie sie bei einem Ortstermin erklärten. Nach einem langen Gespräch am Runden Tisch am 4. Januar, das Martin Frank vermittelt hatte, war diese Befürchtung wohl ausgeräumt. Man hieß die Neubürger nun willkommen. Im Ergebnisprotokoll stand allerdings klipp und klar, man brauche keine Mangelstube und wolle gar kein Gewerbe im „Winkel“. Nach Interpretation der Bewohner sei das baurechtlich im reinen Wohngebiet nicht erlaubt.

Ausnahmegenehmigung wäre möglich gewesen

„Ich bin felsenfest der Meinung, dass es bei einem guten Willen der Beteiligten funktioniert hätte“, ist der Kippenhausener Ortsvorsteher überzeugt. Auch dass man eine kleine Mangelstube verträglich für alle Nachbarn in einem Wohngebiet betreiben könne. Denn laut Baunutzungsverordnung wäre eine Ausnahmegenehmigung möglich gewesen, so zumindest die Auskunft der Gewerbeaufsicht. Allerdings ist sich Martin Frank sicher, dass der Bauantrag weder im Ortschaftsrat noch im Immenstaader Gemeinderat Zustimmung gefunden hätte. Frank räumt aber auch ein, dass der erste Bauantrag nicht korrekt war, weil darin keine Rede von einer Mangelstube mit kleiner Wäscherei war.

Miteinander im Dorf ramponiert

Was bleibt, ist ein ramponiertes Miteinander im Dorf, wie bei der Ortschaftsratssitzung aus Sicht des ehrenamtlichen Schultes zu spüren war. Was im vollen Ratsaal bei der Bürgerfragestunde abging, sei in Privatscharmützel auch gegen ihn persönlich ausgeartet. „Das war wirklich nicht lustig“, kommentiert Martin Frank. Während etwa die Hälfte der Anwohner mit der Rücknahme des Bauantrags die ganze Angelegenheit nun gut sein lassen wolle, „will sich die andere Hälfte auch damit nicht begnügen“, versteht der Ortsvorsteher die Welt nicht mehr.