Mit der Hennensuppe 2018 haben sich die Hennenschlitter ein Stück weit selbst übertroffen. Sehr gut kam an, dass auf der Bühne der Linzgauhalle diesmal besonders viel live gesungen und getanzt wurde. Alle Gruppen glänzten mit reichlich Lokalkolorit und Witz, aufwändigen Kulissen und Kostümen und waren mit sichtlich viel Spaß bei der Sache. Die Tanzgruppen ließen viele im Saal vor Begeisterung toben. Auch ein wenig zum Nachdenken war dabei.

Obwohl das Programm erst nach Mitternacht endete, wurde der Abend nicht zu lang – auch nicht für den neuen Bürgermeister Johannes Henne. Zusammen mit Partnerin Emma Heinz erlebte er zum ersten Mal die Hennensuppe und beide standen am Samstag auch kurz auf der Bühne. Dass ein Bürgermeister namens Henne den Hennenschlittern die eine oder andere Themenvorlage liefern würde, war erwartet worden – nicht aber, dass die Hennen gleich ein ganzes Stück daraus machen würden. Dazu später.

Wie kommt man nur raus aus dem Hexenknast? Die Althexe hat dazu einen heißen Tipp. Bild: Gisela Keller
Wie kommt man nur raus aus dem Hexenknast? Die Althexe hat dazu einen heißen Tipp. Bild: Gisela Keller

Die Moderatorinnen Kathrin Töbel und Iris Opalka hatten 14 Nummern anzukündigen. Als erste Großgruppe trafen sich die Knecht und Mägd im Frisiersalon, wo Chef Helmut Bosch nach dem Motto "Mir schaffed des" mit seinem Team nicht nur alle Kunden schaffte. Nebenbei wurde vieles diskutiert, was die Immenstaader beschäftigt: Dass im Dorf immer größer gebaut wird beispielsweise – oder dass nur noch der SÜDKURIER morgens per Zusteller ins Haus gebracht wird. Die Bohnebrätscher lieferten den Beweis, dass das untrennbar mit der Immenstaader Fasnet verbundene Mäschkerle-Lied auch ganz anders vertont wunderbar klingen kann: Im Swing der 1930er, im Rock'n'Roll der 1970er, in Rock-Version oder im Disco-Stil der 1980er.

Die Gruppe Wirtschaftswunder präsentierte sich erstmals bei der Hennensuppe und machte das Kneipensterben im Dorf zu Thema. "Die Ortspolitik müssen der neue Bürgermeister und der Gemeinderat jetzt im Rathaus mache – weil die Hirschekuche gibt's nimmer", hieß es da am Stammtisch in der mit Original-Fensterläden des abgerissenen Hirschen und Erinnerungsstücken aus weiteren nicht mehr vorhandenen Kneipen gestalteten Kulisse. "Jagger" Wolfgang Hiß beklagte den Verlust herzzerreißend in der Melodie von "My Way": "Da tut mir mei G'weih weh!". Die Hexen haben in der vergangenen Fasnet einige ANR-Regeln nicht beachtet und landeten dafür im Knast. "Aber Fasnet ohne Hexen – das geht nicht", kündigten die Moderatorinnen an. Gut, wenn man einen Prinzen Lucas hat, der Schlosser ist und mit einer Flex den Weg zum Winzerkär frei macht. "Hennen first" träumten die Hennen und stürzten sich in den Bürgermeister-Wahlkampf.

Die Hennen träumen, Bürgermeister zu werden. Aber sie überlassen den Job doch gerne ihrem neuen Bürgermeister. <em>Bild: Gisela Keller</em>
Die Hennen träumen, Bürgermeister zu werden. Aber sie überlassen den Job doch gerne ihrem neuen Bürgermeister. Bild: Gisela Keller | Bild: Gisela Keller

Von allen Seiten prasseln Wünsche auf sie ein: nicht nur von Senioren und Helikopter-Müttern, vom TuS und vom Musikverein. Wie schön, wenn das alles sich als Alptraum erweist und ein echter Bürgermeister Henne auf die Bühne kommt und sagt: "Konzentriert euch auf die Fasnet. Ich bin euer neuer Bürgermeister. Narri-Narro!"

 

"Die fünfte Jahreszeit, wie sie sein muss"

Nach dem Programm hat der SÜDKURIER bei Bürgermeister Johannes Henne nachgefragt, wie ihm die Hennensuppe geschmeckt hat.

Wie hat Ihnen der Abend gefallen?

Nach der tollen Amtseinführung habe ich schon viel erwartet, aber das hier toppt alles. Es war einwandfrei. Das ist die fünfte Jahreszeit, wie sie sein muss. Das Besondere war für mich auch, dass hier Jung und Alt gemeinsam dieses bunte Programm zum Gelingen bringen. Es zeigte für mich auch, dass die Immenstaader wirklich lustig sind und man sich hier richtig wohlfühlen kann.

Sie kamen heute in Kapitänsuniform – ihr Vorgänger Jürgen Beisswenger auch. War das abgesprochen?

Nein, das ist wirklich Zufall. Keiner von uns wusste, was der andere anziehen würde.

Haben die Hennen gut getroffen, wie es Ihnen im Wahlkampf ergangen ist und mit welchen Wünschen die Immenstaader zu Ihnen gekommen sind?

Die Hennen waren natürlich prädestiniert für dieses Thema. Sie haben gut dargestellt, welche Wünsche und Forderungen auf einen neuen Bürgermeister einprasseln. Bei dieser Fülle von Wünschen kann ich natürlich nicht alle umsetzen – jedenfalls nicht so schnell. Aber man darf auch nicht vergessen: Fasnet bleibt Fasnet.

Fragen: Gisela Keller