Eine große Feier im Bürgersaal, wie vor zehn Jahren, gab es zum 20-jährigen Bestehen der Lebensräume für Jung und Alt nicht. Die Bewohner feierten in privatem Rahmen bei einem Vormittagshock im Gemeinschaftsraum. Was kein Indiz dafür ist, dass es wenig zu feiern gäbe. Im Gegenteil: Die Idee vom generationsübergreifenden Wohnen hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt und die Nachfrage nach Wohnungen in solchen Anlagen ist – auch in Immenstaad – ungebrochen hoch.

Einst sehr ungewöhnlich

27 Lebensräume für Jung und Alt betreibt die Stiftung Liebenau inzwischen an ebenso vielen Orten. Die Immenstaader Anlage war die dritte ihrer Art und bei ihrer Eröffnung vor 20 Jahren noch etwas sehr Ungewöhnliches. Jürgen Beisswenger, Bürgermeister von 1993 bis 2017, erinnert sich gern an sein erstes Großprojekt in der Seegemeinde. "Mein Vorgänger Heinz Finkbeiner hatte bereits den Grundstock gelegt, indem er das Grundstück, das bereits aus privater Hand an einen Bauträger verkauft worden war, in den Besitz der Gemeinde holte", erzählte er. Aus der ursprünglichen Idee, ein Pflegeheim zu bauen, sei im Kontakt mit der Stiftung Liebenau die Idee für eine Wohnanlage für Jung und Alt entstanden. "Zusammen mit einigen Gemeinderäten habe ich die beiden bereits vorhandenen Anlagen besichtigt. Das Konzept überzeugte uns", erzählte Beisswenger weiter. Beim Architektenwettbewerb sei das Immenstaader Büro Veeser eindeutig als Sieger hervorgegangen. Im September 1996 erfolgte der Spatenstich, im Dezember 1997 seien bereits die ersten Bewohner eingezogen.

Füreinander da sein

"In der Anlage hat sich ein sehr aktives Gemeinschaftsleben entwickelt, durch das Engagement der Bewohner, aber auch durch andere Immenstaader Bürger", zeigte sich Beisswenger erfreut. Das bestätigte auch Sabine Jung-Bass, die als Sozial- und Gemeinwesenarbeiterin in der Wohnanlage tätig ist. Nur wer Interesse an einer aktiven Nachbarschaft habe, sei in den Lebensräumen richtig: "Man muss schon bereit sein, füreinander da zu sein", sagte sie. Das betreffe alle möglichen Bereiche des täglichen Lebens. Als Beispiele nannte sie: etwas vom Einkaufen mitbringen, miteinander reden, gemeinsam einen Kaffee trinken oder auch einen Nachbarn zum Arzttermin begleiten. "Viele Bewohner sagen, es sei wie in einer großen Familie."

Wohnungen sind begehrt

Damit die Gemeinschaft gut funktioniert, entscheidet ein Beirat der Bewohner mit, wer einziehen darf, wenn eine Wohnung frei wird. "Wir sind eigentlich immer voll belegt und es gibt eine lange Liste von Interessenten", erzählte Jung-Bass. Der Altersdurchschnitt der 60 Bewohner in den 43 Wohnungen liege derzeit bei 61 Jahren, der jüngste Bewohner sei vier Jahre alt, der älteste 96.

Gemeinsame Aktivitäten

Von montags bis freitags finden regelmäßig gemeinsame Aktivitäten statt. Dafür gibt es zum einen den gemütlichen Gemeinschaftsraum, den die Gemeinde mitfinanziert hat. Zum anderen wurden auch für den Bürgertreff von Anfang an Räume eingeplant. Ein besonders beliebtes Angebot des Bürgertreffs ist das Reparaturcafé, in dem Ehrenamtliche nach dem Motto "reparieren statt wegwerfen" defekte Geräte wieder instand setzen. Neuerdings gibt es dort auch Unterstützung bei kleineren Näharbeiten. Gemeinsam singen, Gitarre spielen, Skat klopfen, Sport machen, Bildervorträge, Kurse und noch einiges mehr gehört zu den Angeboten im Gemeinschaftsraum. "Der Raum steht auch für Angebote der Gemeinde, für kleinere Familienfeiern oder private Feste zur Verfügung", informierte Sabine Jung-Bass.