Dem Marquis de Sade begegnete Cornelia Haller zufällig. In Paris stieß sie auf alte Kohlezeichnungen und Bücher, im Sommerurlaub in Luberon besichtigte sie sein Schloss Lacoste.

Schriften voll Gewalt und Pornografie

Etwas faszinierte sie an dem Namensgeber des „Sadismus“, der durch Schriften voll Gewalt und Pornografie bekannt wurde, einen Großteil seines skandalträchtigen Lebens in Gefängnissen und Irrenanstalten zubrachte und sich als Adeliger der Revolution anschloss.

Sie begann zu recherchieren, las Schriften von und über ihn und stellte fest: hier war Stoff für einen Roman. „De Sade war zur falschen Zeit am falschen Ort. Er war rebellisch, hat die Menschen vor den Kopf gestoßen. Er hat es genossen, Menschen zu verschrecken und ihnen Dinge zu sagen, die sie nicht hören wollten“, sagt sie.

Bücher werden zu Bestsellern

In ihren Büchern nähert sich die Autorin aus Immenstaad historischen Themen. Aus Recherchen zur Hexenverfolgung in der Bodenseeregion wurden zwei Romane über die Verfolgung der Ravensburger Hebamme und Medica Luzia Gassner durch die Inquisition. Mit ihren plastischen Schilderungen der Lebensumstände im ausgehenden Mittelalter wurden sie zu Bestsellern.

In Paris herrschte ein unglaublicher Gestank

Haller hat zwei erwachsene Töchter und arbeitet in einer IT-Firma. „Ich habe immer schon gern geschrieben, das war in mir drin. Als Kind war ich oft nicht zufrieden mit dem Ende einer Geschichte und habe mir ein anderes ausgedacht“, sagt Haller.

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Doch erst als sie wegen einer Krankheit für eine Weile ausfiel, nahm sie sich die Freiheit zu einem Buch. Für ihren neuen Roman „Der Geschmack von Schmerz“ hat sie sich in die Zeit um die französische Revolution eingearbeitet. „Paris war beengt und es herrschte ein unglaublicher Gestank. Um die Stadt war Sumpf, das war ein Gebiet für dunkle Geschäfte“, sagt Haller.

Platznot in den Katakomben

Sie kennt die Brotpreise, die Zustände in den Bordellen der Madame Gourdan und die Platznot in den Katakomben. „Wir können uns das heute nicht mehr vorstellen“, sagt sie. Sie hat viel in Paris recherchiert, fand de Sades Taufeintrag in der Kirche St. Sulpice und erwanderte die alten Gassen um Notre Dame. „Wie riecht die Luft, wie glänzt die Sonne auf der Seine, wie fühlt es sich an, morgens um vier auf die Île de la Cité zu gehen. Das ist heute natürlich anders, aber ich muss mich einfühlen.“

Tochter eines Lindauer Schiffbauers

Ihre Heldin Isabeau kommt auch diesmal vom Bodensee. „Der Bodensee ist meine Heimat, ich liebe diese Gegend“, sagt Haller. Isabeau ist Tochter eines Lindauer Schiffbauers und wehrt sich gegen eine arrangierte Hochzeit. Ihre Familie schickt sie zu Verwandten nach Paris, damit sie zur Vernunft kommt.

„Für Isabeau gibt es ein gutes Ende“

„Ich würde sie als fortschrittlich beschreiben, sie würde sich sicher in der heutigen Zeit ganz gut zurechtfinden. Sie ist sehr energisch, hat sich nicht in ihre Rolle gefügt“, sagt Haller. In Paris lernt Isabeau den Marquis de Sade kennen. „Das Drama zwischen den beiden ist natürlich frei erfunden“, sagt Haller und verrät: „Für Isabeau gibt es ein gutes Ende.“

Frauen im Mittelpunkt

Während der Roman es auf mehrere Bestsellerlisten geschafft hat, arbeitet Haller bereits am nächsten. Auch hier steht eine Frau im Mittelpunkt, diesmal eine historische Figur. „Ich schreibe über Dorothea Erxleben, die erste promovierte Ärztin in Deutschland“, sagt sie. Die ersten Reisen in deren Wohnort Quedlinburg im Harz hat sie schon unternommen.