"Beim Warten auf meinen Sohn an der Wasserrutsche traute ich meinen Augen nicht", berichtet ein Urlauber aus Hessen, "da steht ein Mann mit Hakenkreuz-Tattoo im Becken." Der Familienvater habe daraufhin seinen dreijährigen Sohn von der Rutsche geholt und sich an den Bademeister gewandt. "Der war zwar nett und kam mit, wollte aber nix unternehmen", berichtet der 36-Jährige. Die Polizei habe der Bademeister nicht einschalten wollen. Nachdem der tätowierte Mann mit seiner Partnerin und Kind das Bad verlassen hatte, sprach der entsetzte Urlauber einen weiteren Bademeister an, aber auch dieser habe "keine Bereitschaft gezeigt, die Polizei zu rufen oder irgendwas zu unternehmen".

Die Immenstaader Gemeindeverwaltung bedauert den Vorfall. "Laut unserer Badeordnung hat der Badegast alles zu unterlassen, was den guten Sitten, der Sicherheit, Ruhe und Ordnung im Bad zuwiderläuft", teilt Bürgermeister Jürgen Beisswenger auf Anfrage mit. Das gelte besonders für strafrechtlich sanktioniertes Verhalten. Klar ist: Das Strafgesetzbuch verbietet das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wozu ein Nazi-Hakenkreuz zweifelsfrei zählt.

Was das Gesetz sagt

Das offene Tragen eines Hakenkreuz-Tattoos ist nach Paragraf 86a Abs. 1 Strafgesetzbuch strafbar (Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe). Das Hakenkreuz sei ein Propagandamittel, "das seinem Inhalt nach dazu bestimmt ist, Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortzusetzen", so Franz Bernhard, Richter am Ravensburger Landgericht. "Der Badegast hätte das Tattoo abdecken müssen." 

"Ein Hakenkreuz ist keine Privatangelegenheit", sagt Franz Bernhard, Richter am Landgericht Ravensburg. Vorkommnisse dieser Art seien im Aquastaad bislang nicht aufgetreten, so Beisswenger. "Wir haben aber diese Situation zum Anlass genommen, um unser Personal zu sensibilisieren und angewiesen, bei Vorkommnissen mit strafrechtlicher Relevanz die Polizei hinzuzuziehen und den Badegast zum Verlassen der Einrichtung aufzufordern."