Vor 25 Jahren hat Andrea Diersch das erste der von da an jährlich in Immenstaad stattfindenden Kammermusik-Konzerte organisiert. Beim letzten dieser Reihe – zumindest dem letzten, das sie organisiert hat – sagte sie am Sonntagabend im voll besetzten Bürgersaal: "Unser Alter bewegt sich jetzt zwischen um die 20 und 80 plus. Mit dem heutigen Konzert sind wir am Höhepunkt angekommen: Romantik pur."

Die schon in vielen Konzerten bewährten Musiker hätten sich zur Vorbereitung auf dieses Konzert vor drei Monaten zusammengefunden, berichtete Diersch vor dem Konzert. Eine intensive Probewoche im Trentino habe für die letzte Feinabstimmung gesorgt.

Mendelssohn Bartholdys "Lieder ohne Worte"

"Lieder ohne Worte" nannte Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) 48 romantische Klavierstücke in Liedform. Der österreichische Dirigent, Komponist und Bratschist Paul Angerer hat vier davon für eine Besetzung mit Streichquartett und Altposaune umgeschrieben. Mit diesem Stück und Jörg Scheide, Leiter der Musikschule in Meckenbeuren, an der Posaune eröffneten die Immenstaader Kammermusiker das Konzert.

Im Alter von 16 Jahren komponierte Mendelssohn das, so Diersch, "wahnsinnige Oktett" op. 20 für vier Violinen, zwei Viola und zwei Violoncelli. Es gilt als eines der eindrucksvollsten Kammermusikwerke überhaupt und es war das erste, das für diese ungewöhnliche Besetzung geschrieben wurde. "Es ist auch richtig Körperarbeit – ich habe Muskelkater", erklärte Diersch nach dem Konzert. Burkhard Fladt, der bei diesem anspruchsvollen Geniestreich Mendelssohns an der ersten Violine rundum überzeugte, gehört von Anfang an zu den Immenstaader Kammermusiken. Er ist Physiker und außerdem studierter Violinist. Andrea Diersch, Ulrike Langehein und Gunhild Hell brillierten an den weiteren Violinen. Annegret Kuhlmann und Thomas Thiers an den Viola sowie Dieter Brossmann und Stefan Gräsle an den Celli hatten den anschließenden begeisterten Applaus ebenso redlich verdient.

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Wieder mit Burkhard Fladt an der ersten Violine folgte nach der Pause ein weiterer Höhepunkt zum Abschluss: das selten gespielte Nonett von Franz Lachner. Harald Pyzik, hier an der Viola, ist in der Region nicht nur als Arzt, sondern auch als Jazz-Trompeter bekannt. Wilhelm Schmidt begleitete als Arzt Generationen von Immenstaadern und gehört mit seinem Kontrabass ebenfalls zu den Immenstaader Kammermusikern der ersten Stunde. Die Klarinette spielte Profimusiker Florian Loebermann, der 2001 an den Bodensee kam und unter anderem als Musikschullehrer tätig ist.

Fortsetzung noch unklar

Die weiteste Anreise hatte Dieter Brossmann, der aus Lübeck kam, um Cello zu spielen. Waltraud Bischof, die ebenfalls schon lange Zeit den Kammermusikern auftritt, war fast 23 Jahre Lehrerin für Fagott an der Friedrichshafener Musikschule – bis sie 2003 in den Ruhestand ging. Sie bewies, dass sie ihr Instrument auch 15 Jahre später immer noch meisterhaft spielt. Komplettiert wurde das Nonett durch Sebastion Zander (Querflöte), Luitgard Zander (Oboe) und Tina Herrmann (Horn), denen der begeisterte Beifall zum Schluss ebenso galt.

Ob und wann es in Immenstaad das nächste Kammerkonzert geben wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall empfiehlt Andrea Diersch die Konzerte der Kammerphilharmonie Bodensee. In diesem Orchester sind viele der in Immenstaad aufgetretenen Musiker ebenfalls aktiv.