Immenstaad hat sich verändert, aber wer vor 50 Jahren hier war, erkennt den Ortskern noch immer wieder. Damit das auch in den kommenden 50 Jahren so bleibt, findet derzeit in der Seegemeinde das Projekt „Mitte gestalten“ statt. Es handelt sich dabei um einen Bürgerworkshop mit dem Ziel, einen städtebaulichen Rahmenplan zu erarbeiten. Mit diesem Rahmenplanprojekt wird in Immenstaad erstmals Bürgerbeteiligung erprobt.

Die Einwohner von Immenstaad, hier Karin Bank, nutzten die Gelegenheit, um beim Workshop im Bürgersaal Fragen zu stellen.
Die Einwohner von Immenstaad, hier Karin Bank, nutzten die Gelegenheit, um beim Workshop im Bürgersaal Fragen zu stellen. | Bild: Andrea Fritz

Aus dem ehemaligen Fischerdorf ist eine bei Touristen beliebte Gemeinde geworden. Doch findet man auch Bausünden, Verkehrsprobleme und immer mehr Zweit- und Ferienwohnungen. Deshalb haben Bürgermeister Johannes Henne, die Verwaltung und die Gemeinderäte das Projekt „Mitte gestalten“ initiiert.

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Denn der Ort soll, abgesehen von modernen Akzenten, seinen dörflichen Charakter behalten. Seit der Auftaktveranstaltung und einem Bürgerspaziergang sind bei der Gemeinde rund 280 Ideen eingegangen. Verkehrsplaner Claus Kiener und Stadtplaner Helmut Hornstein haben diese Ideen sortiert und zusammengefasst.

Viele Vorschläge zum Thema Verkehr

Rund 50 Einwohner haben am Dienstagabend die Gelegenheit genutzt, die Ideen mit den Planern zu diskutieren. „Wir sind eine Gemeindefamilie, die miteinander Probleme löst“, sagte Moderator Alexander Leitz, der aus Erfahrung weiß, dass in solch einem Prozess ein familiärer Ansatz hilfreich ist. Der größte Teil (98) der Vorschläge betrifft das Thema Verkehr und da insbesondere den Verkehr in der Bachstraße, Hauptstraße und im Wattgraben.

Von der Einbahnstraße bis zur Fußgängerzone

Die Ideen reichen von einer Einbahnstraßenregelung bis zur Fußgängerzone oder gar einer Tiefgarage unter dem alten Friedhof. „Es muss uns gelingen, alle Verkehrsarten durch die Mitte von Immenstaad zu bringen“, sagt Claus Kiener, der für die Datenerhebung eine Woche lang eine Verkehrszählung vornehmen will. Mit den Bürgerideen will er dann zum Jahresende zu einer Zielkonzeptempfehlung kommen.

Moderator Alexander Leitz hat während des Workshops weitere Ideen aufgenommen, die die Planer in ihre Vorschläge an den Gemeinderat einarbeiten werden.
Moderator Alexander Leitz hat während des Workshops weitere Ideen aufgenommen, die die Planer in ihre Vorschläge an den Gemeinderat einarbeiten werden. | Bild: Andrea Fritz

Dieses Zielkonzept soll den Verkehr für die nächsten Jahre und Jahrzehnte in Immenstaad regeln. 96 Beiträge betreffen das Ortsbild und die Aufenthaltsqualität, Architektur, Grün, Dorfplätze und den Bebauungsplan. Bäume und Bänke werden beispielsweise gewünscht, eine verengte und/oder gepflasterte Ortsdurchfahrt nach dem Beispiel von Mengen oder Meßkirch könnte gleich mehrere Probleme lösen. Allerdings lösen 46 Prozent der Vorschläge unmittelbar kommunale Investitionen aus und hier gilt der Vorrang des Gesetzes, denn es gibt eine Rangfolge von Einnahmen und Ausgaben in der Gemeinde.

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Die Sorge gilt aber auch dem Gewerbe. Stadtplaner Helmut Hornstein hätte im Ortskern am liebsten in jedem Gebäude öffentlichen Raum, zum Beispiel für Dienstleistungen und Gewerbe. „Es muss vermieden werden, dass sich Immenstaad in Richtung einer gesichtslosen Vorstadt entwickelt“, sagt er.

Bürgermeister: „Wir sind auf der richtigen Spur“

Ebenfalls ein Thema sind daher Vorkaufsrechte und Veränderungssperren. Diese sind ebenfalls nicht willkürlich möglich, aber wenn man keinen neuen, verbindlichen Bebauungsplan aufstellen will, ist zuweilen auch ein unverbindlicher Rahmenplan von Vorteil. „Wir sind auf der richtigen Spur“, freut sich Bürgermeister Henne.