Zehn Kilometer waren es schließlich, die Kai Eichler von seinem Weltrekord trennten. Zehn Kilometer von 100, die für den Immenstaader am Ende doch zu einem unüberwindbaren Hindernis wurden. Nach 22 Stunden und 18 Minuten brach er den Versuch ab, die gesamte Strecke innerhalb von 24 Stunden in voller Feuerwehr-Montur zurückzulegen.

Bereits Ende Juli hatte der erfahrene Ultra-Marathonläufer und MTU-Werksfeuerwehrmann Eichler einen ersten Versuch gestartet. Damals war nach knapp 61 Kilometern Schluss. Was der 43-Jährige sich sowohl damals, als auch am vergangenen Samstag zugemutet hat, wirkt für "Normalsterbliche" fast unvorstellbar. 100 Kilometer – diese Strecke legen andere wohl in einem Monat nicht zu Fuß zurück – wollte er innerhalb eines Tages schaffen. In voller Ausrüstung, inklusive Sauerstoffflasche auf dem Rücken. Wer überhaupt nur daran denkt, sich so etwas vorzunehmen, braucht ein starkes Team. Und das hat Eichler auf jeden Fall. "Ich bin sehr stolz auf ihn", erzählte Tochter Vanessa bereits am Samstagnachmittag, während der Rekordaspirant noch guten Mutes war, sein Ziel zu erreichen.

Die 22-Jährige war eine von vielen Helfern, die Kai Eichler bei seinem Vorhaben unterstützten. Seit Mitternacht waren immer mindestens vier von ihnen am Trimm-Dich-Pfad unweit des Kletter-Parks. Sie kontrollierten die Rundenzeiten, bereiteten Nahrung und Getränke vor und feuerten natürlich kräftig an.

"Wir haben hier verschiedene Powergele, dazu Kaffee, Tee, Cola und natürlich Wasser", erzählte Vanessa Eichler und ihre Mutter Doreen ergänzte, dass ihr Mann irgendwann keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen könne, weil dies im Hals zu sehr kratze. Doch nicht nur Müdigkeit und der Energiehaushalt machten Eichler zu schaffen. Am Ende waren es seine Füße, die ihm den Dienst versagten. "Sie fühlten sich an wie Blei", schilderte er am Sonntag. Dazu kamen Blasen und Aufschürfungen, die regelmäßig versorgt wurden. Es ist eben doch ein enormer Unterschied, ob man – wie Eichler – teils hunderte Kilometer in darauf ausgelegten Sportschuhen läuft, oder 100 Kilometer in klobigen Stiefeln, die die Füße vor allem vor Hitze und schweren Gegenständen schützen sollen.

Wolfgang Schönfeld, Kamerad Eichlers und von Beginn an bei dem Rekordversuch anwesend, wusste auch von der Wärme zu berichten, die Samstag noch einen schönen Spätsommer bescherte, dem Extremsportler aber nicht unbedingt half. "Ich bin ein Stück mitgelaufen", erzählte Schönfeld. "Und auf den Wegstücken, die nicht von Bäumen bedeckt waren, wurde es schon ganz schön warm. Damit hat Kai natürlich auch zu kämpfen."

Tochter Vanessa erzählt, dass ihr Vater zwei große Leidenschaften habe: Die Feuerwehr und eben das Laufen. "Hier kann er beide in einer neuen Herausforderung verbinden", meint sie. "Ich konnte meine persönliche Bestleistung hochschrauben", sagte Kai Eichler nach dem Versuch am Samstag. Und auch wenn er sagt, dass er erst einmal über eine Neuauflage nachdenken muss – so wirklich daran zweifeln kann man fast nicht.

 

Zur Person

Bereits seit etwa zehn Jahren läuft Kai Eichler regelmäßig und sehr ausdauernd, zunächst "normale" Marathons, später so genannte Ultra-Marathos. Bei diesen Veranstaltungen laufen die Teilnehmer mindestens mehr als die Marathonstrecke von 42,195 Kilometern, häufig eher 150 Kilometer und mehr. Von diesen Entfernungen ist Kai Eichler es auch gewohnt, Tage und Nächte durchzulaufen. Um die 100 Kilometer zu erreichen, hätte er in Immenstaad 41 Runden auf dem Pfad zurücklegen müssen, dazu eine 800 Meter lange Schleife, die er am Anfang erledigte. (jom)

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