Der Heiligenberger Ortsteil Hattenweiler hat knapp 750 Einwohner. Die Infrastruktur ist bescheiden, es gibt einige produzierende Betriebe, Landwirte und ein Dorfgemeinschaftshaus. Zwei Organisationen prägen das Dorfleben besonders: der Narrenverein und die Freiwillige Feuerwehr. Letztere feierte am Wochenende mit einem Herbstfest ihr 150-jähriges Bestehen.

Familie Morgen nutzte beim Herbstfest am Wochenende die Gelegenheit, mit dem Feuerwehrauto zu fahren.
Familie Morgen nutzte beim Herbstfest am Wochenende die Gelegenheit, mit dem Feuerwehrauto zu fahren. | Bild: Karlheinz Falhbusch

Die Floriansjünger waren voll im Einsatz, um den Gästen ein schönes Fest zu bieten. Auch Familienangehörige und Freunde haben geholfen. Denn allein könnte die kleine Feuerwehr-Truppe, bestehend aus 14 Männern und einer Frau, so ein Fest nicht stemmen, hieß es gegenüber dem SÜDKURIER.

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Ortsreferent erinnert sich an Anfänge der Wehr

Beim Jubiläumsfest war auch Ortsreferent Hubert Nadler dabei. Er erinnerte etwa an die Anschaffung einer großen Tragespritze vor vielen, vielen Jahren. Vier Männer mussten die Spritze damals tragen. „Es war vermutlich ein großer Bottich, auf dem eine Handpumpe montiert war“, beschrieb Nadler den Gästen. Der Bottich wurde mit Eimern immer wieder nachgefüllt. Hydranten gab es noch keine.

Die erste Feuerlöschordnung wurde im Jahr 1874 aufgesetzt. Darin wurde jeder Bürger verpflichtet, Feuerlärm zu machen, wenn ein Feuer ausbricht. Außerdem musste die Polizei informiert werden. Mangels Handys sei das eine zeitraubende Angelegenheit gewesen, sagte Nadler. Und wie wurden die Löschmannschaften informiert? Sogenannte Brandreiter ritten von Hof zu Hof und gaben Bescheid.

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Bürger sammelten 1840 Geld für ein Spritzenhaus

Schon vor der Anschaffung der Spritze hatte man sich in Hattenweiler Gedanken über die Feuerbekämpfung gemacht. „Eine Feuerwehrspritze wurde bereits 1840 als positiv erachtet“, erzählte Nadler. Nur zwei Bürger seien gegen die Anschaffung gewesen – vermutlich wegen des finanziellen Aspektes. Denn die Bürger seien aufgefordert worden, Geld für ein Spritzenhaus zu sammeln.

Wie Nadler berichtete, sollten von den 800 Gulden Baukosten etwa 600 bis 700 Gulden von der Bevölkerung aufgebracht werden. Das Spritzenhaus sollte in Heiligenholz gebaut werden, das zu Hattenweiler gehörte. 1868 wurden dann die ersten leichten Leitern angeschafft. Kurz darauf kam das Jahr 1872, das als Gründungsjahr der Feuerwehr gilt.

Gründung eigentlich erst im Jahr 1953

Richtig gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr aber erst nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1953. Kommandant war Theodor Riegger, der die Truppe, bestehend aus 20 Mann, bis 1969 leitete. Rudolf Feinäugle war der letzte Kommandant der Wehr. Denn die Gemeindereform machte auch hier nicht halt: Ab 1975 gab es in Hattenweiler nur noch eine Abteilung der Feuerwehr Heiligenberg, die in den darauffolgenden Jahren von fünf verschiedenen Kommandanten geleitet wurde.

Seit 2020 ist Fabian Ecker Abteilungskommandant. Er konnte wegen einer dringenden Familienangelegenheit bei den Feierlichkeiten am Sonntag nicht dabei sein. Sein Stellvertreter Manuel Nadler machte indes deutlich, dass man mit aktuell 14 Männern und einer Frau in der Wehr „gut dasteht“.

Manuel Nadler, stellvertretender Abteilungskommandant: „Die Alten ziehen die Jungen mit. Das fördert auch den Zusammenhalt in der ...
Manuel Nadler, stellvertretender Abteilungskommandant: „Die Alten ziehen die Jungen mit. Das fördert auch den Zusammenhalt in der Mannschaft.“ | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Der Altersdurchschnitt liege bei etwa 50 Jahren, aber es würden auch immer wieder Jüngere dazustoßen. Nadler selbst ist 25 Jahre alt und hegt keine Gedanken, die Feuerwehr zu verlassen. Er wünscht sich stattdessen, dass der geplante Umbau des Feuerwehrhauses gelingt. Denn bisher habe die Wehr keine Umkleideräume und auch keine getrennte Toilette für die Frauen. „Ich kann damit leben“, kommentierte Nadine Allweier als einzige Feuerwehrfrau.

Das jetzige Feuerwehrhaus soll umgebaut werden. Ein Umkleideraum, Duschen und eine Damentoilette stehen auf der Wunschliste.
Das jetzige Feuerwehrhaus soll umgebaut werden. Ein Umkleideraum, Duschen und eine Damentoilette stehen auf der Wunschliste. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Was es mit dem „Kitteltag“ auf sich hat

Erinnert wurde beim Herbstfest auch an die Geschichte über das neue Feuerwehrauto im Jahr 1972. Damals sollte die Tragkraftspritze, die von Traktoren gezogen wurde, durch ein richtiges Fahrzeug ersetzt werden. Alle Kameraden waren sich einig über die Anschaffung, nicht aber über den Hersteller.

Stein des Anstoßes war 1972 das Vorgängermodell des heutigen Löschgruppenfahrzeugs 10/6. 14 Männer traten aus der Feuerwehr beim ...
Stein des Anstoßes war 1972 das Vorgängermodell des heutigen Löschgruppenfahrzeugs 10/6. 14 Männer traten aus der Feuerwehr beim „Kitteltag“ aus. | Bild: Karlheinz Falhbusch

So kam es zum „Kitteltag“: 14 Feuerwehrmänner waren der Meinung, dass Daimler der falsche Hersteller sei, und wollten ein Fahrzeug von Hanomag. Prompt hängten sie ihre Kittel an die Haken und traten aus der Feuerwehr aus. Dreizehn Männer blieben. Innerhalb von drei Jahren wuchs die Mannschaft wieder auf 26 Männer an. Das umstrittene Fahrzeug wurde vor etwa 15 Jahren ersetzt. Fahrgestell und Motor sind immer noch von Daimler, das Unternehmen Hanomag gibt es mittlerweile nicht mehr.

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