Mehrere Diskussionsrunden und Vor-Ort-Termine waren nötig, um ein Projekt auf den Weg zu bringen, das nicht nur der Energiewende dienen soll, sondern auch bislang einmalig im ganzen Bodenseekreis ist. Auf einer rund neun Hektar großen Fläche des Hofguts Rickertsreute im gleichnamigen Teilort von Heiligenberg sollen Solarmodule aufgestellt werden. Angestrebt ist eine Spitzenleistung von zehn Megawatt. „Das ist mehr Energie, als die Windräder in Sichtweite produzieren“, freute sich Bürgermeister Frank Amann.

Gemeint waren die Anlagen auf Gemarkung Hilpensberg der Stadt Pfullendorf. Durch eine Gesetzesänderung wird die Obergrenze für die Stromproduktion in Zukunft bei 20 Megawatt liegen. Der Gemeinderat gab in seiner jüngsten Sitzung bei zwei Enthaltungen durch Hubert Nadler und Wilfried Jerg, beide CDU, seine Zustimmung zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans.

Armdickes Kabel von Rickertsreute nach Unterrehna

Armdick wird das Kabel sein, das von Rickertsreute nach Unterrehna verlegt werden muss. Dort soll der mit Sonnenkraft produzierte Strom ins Netz der Energie Baden-Württemberg (EnBW) eingespeist werden. Dazu muss der Netzbetreiber eine bereits vorhandene Umspannungsanlage noch ausbauen. Wann der erste Strom fließen wird, das steht noch nicht fest. Investor Hubert Bechinger rechnet damit, dass es dieses Jahr nichts mehr wird, wie er auf Anfrage des SÜDKURIER deutlich machte.

Diese Umspannstation bei Unterrehna muss von der Energie Baden-Württemberg noch ausgebaut werden. Dann soll von hier der Solarstrom aus Rickertsreute ins Netz eingespeist werden.
Diese Umspannstation bei Unterrehna muss von der Energie Baden-Württemberg noch ausgebaut werden. Dann soll von hier der Solarstrom aus Rickertsreute ins Netz eingespeist werden. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Diplombiologe Rudolf Zahner, Mitglied der Geschäftsleitung des Planungsbüros Sieber Consult aus Lindau, erläuterte die Einzelheiten des Bebauungsplans. Die benötigte Fläche werde sehr wenig einsehbar sein, aus Grünland bestehen und zum bestehenden Wald einen Abstand von 30 Metern einhalten. Die Solarmodule werden auf Ständer gesetzt und sollen eine Höhe von 2,50 Metern haben. Wenn gewünscht, könnten problemlos Schafe unter den Modulen weiden. Ein Novum dürften die geplanten Seecontainer sein, in denen Akkumulatoren zur Stromspeicherung untergebracht werden. Sie dürfen maximal 70 Quadratmeter Fläche verbrauchen. Für Nebengebäude ist eine maximale Höhe von 3,50 Metern zulässig. Die Fläche für Nebengebäude ist auf 50 Quadratmeter begrenzt. Es dürfen dort ausschließlich Möglichkeiten zur Unterbringung von Geräten geschaffen werden, die für die Wartung der Anlage nötig sind. Die Umzäunung darf eine Höhe von 2,50 Metern nicht überschreiten. Das ganze Gelände wird mit Kameras überwacht.

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„Weitere bauliche Nutzungen sind nicht zulässig“, betonte Rudolf Zahner. Sein Büro hat bereits mehrere Großflächen-Fotovoltaikanlagen geplant. Nach Fertigstellung der Baumaßnahmen soll blütenreiches Saatgut ausgebracht werden. Das Gelände soll extensiv genutzt und nur zweimal im Jahr gemäht werden. Auf der Süd- und Westseite wird der Metallzaun mit selbst klimmenden, rankenden oder schlingenden Pflanzen begrünt, die am Standort heimisch sind.

Zeitlich begrenzte Geltungsdauer des Bebauungsplans

Eine Besonderheit dürfte die zeitlich begrenzte Geltungsdauer des Bebauungsplans sein. Diese ist auf 40 Jahre festgeschrieben. Danach soll die Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Auch zum Thema Ökopunkte macht der Planentwurf eine Aussage: Es kann mit einem Überschuss von 59 091 Punkten gerechnet werden, die die Gemeinde für Bauprojekte verrechnen kann. Der Bebauungsplan wird demnächst öffentlich ausgelegt. Jeder Bürger kann dann dazu seine Anmerkungen machen oder Bedenken äußern. Das gilt auch für die Träger öffentlicher Belange. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung außerdem, beim Gemeindeverwaltungsverband Salem-Frickingen-Heiligenberg die Einleitung des Verfahrens zu beantragen. Wenn alles glattgeht, wird Heiligenberg seinen Spitzenplatz im Bodenseekreis bei der Eigenversorgung durch erneuerbare Energie weiter ausbauen können.