Der Personalmangel im Pflegebereich ist längst eklatant. Doch woher sollen die Menschen kommen, die so dringend benötigt werden? Und gibt es nicht auch Möglichkeiten einer Entspannung der Situation, in dem man kürzere Ausbildungszeiten mit Nachqualifizierungen anbietet? Über diese Fragen hat man sich auch in der Herzogin-Luisen-Residenz Gedanken gemacht und Mitte 21018 einer Schule für Assistenten in Krankenpflege und Betreuung Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Die Schule selbst ist eine Einrichtung des ambulanten Pflegedienstes „Homecare“, der auch in der Seniorenresidenz tätig ist. Nach Probebetrieb und Unterbrechung haben nun die ersten regulären Absolventen ihre Ausbildung abgeschlossen. Der SÜDKURIER sprach mit einigen darüber, weshalb sie diesen Weg wählten und was es ihnen gebracht hat.

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Cäcilia Krönert erlebt den Umgang mit Menschen in der Pflege als sinnstiftend

Wer in der Pflege arbeitet, kommt tagtäglich mit den unterschiedlichsten Phasen des Lebens in Berührung. Die Begleitung von Menschen, auch in schweren Lebenssituationen, wird als besonders sinnstiftend erlebt. Das bestätigt auch Cäcilia Krönert. Die freie Journalistin und Reiseleiterin hat durch Zufall davon erfahren, dass sie in Heiligenberg eine Ausbildung in der Krankenpflege machen kann. Wegen Corona war ein großer Teil des Einkommens weggebrochen und zu Hause herumsitzen, das wollte die 59-Jährige auch nicht.

„Pflege ist ein absoluter Zukunftsberuf und auch für mich eine neue Chance“, ist Cäcilie Krönert überzeugt.
„Pflege ist ein absoluter Zukunftsberuf und auch für mich eine neue Chance“, ist Cäcilie Krönert überzeugt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Cäcilie Krönert weiß: „In der Pflege werden ganz dringend Menschen gebraucht, die sich diesen Beruf zur Berufung machen wollen.“ Die 136 Unterrichtsstunden in der Grundpflege und 116 Stunden in der Behandlungspflege sind für sie ein gutes Rüstzeug für die 1100 Zeitstunden in der praktischen Ausbildung. Nach einem Jahr kann man dann die Prüfung ablegen. „Was man braucht ist Empathie und Durchhaltewillen“, sagt die Pfullendorferin. Und schließlich kann man auch noch in Überlingen an der Krankenpflegeschule eine zusätzliche Prüfung ablegen und dadurch die staatliche Anerkennung erhalten.

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Silke Meßmer strebt staatlichen Abschluss an

Auch Silke Meßmer aus Heiligenberg hat diesen Weg anvisiert. Die 45-Jährige arbeitet bereits in der Herzogin-Luisen-Residenz im Service und hat dadurch viel Kontakt zu Senioren. Sie hat schon länger den Wunsch, Altenpflegerin zu werden. Nach der Assistenausbildung will sie nun auf jeden Fall weitermachen.

Silke Meßmer meint: „Ich kann gut mit alten Leuten und will mich weiterbilden.“
Silke Meßmer meint: „Ich kann gut mit alten Leuten und will mich weiterbilden.“ | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Silke Meßmers Tochter Ronja Hienerwadel hat in der Heiligenberger Residenz ein Praktikum gemacht und möchte nun richtig einsteigen. Die 19-Jährige sieht die zukünftige Tätigkeit aber nicht durch eine rosa Brille. „Ich weiß schon, dass es da auch Probleme im Umgang mit älteren Menschen geben kann.“

„Ich habe schon ein Praktikum in der Seniorenresidenz gemacht und mich nun für diese Ausbildung entschieden. Es macht einfach Sinn“, erklärt Ronja Hienerwadel.
„Ich habe schon ein Praktikum in der Seniorenresidenz gemacht und mich nun für diese Ausbildung entschieden. Es macht einfach Sinn“, erklärt Ronja Hienerwadel. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Ali Ashaik aus Herdwangen kam 2015 aus Syrien. Er möchte gerne Krankenpfleger werden und sieht die Assistenausbildung als Einstieg. Er hat in Friedrichshafen in der Klinik ein Praktikum gemacht und das hat ihm derart gut gefallen, dass er diesen Berufsweg weiter beschreiten möchte.

Koch Wolfgang Zanoryn engagiert bereits im DRK

Wolfgang Zanoryn aus Kippenhausen ist von Beruf Koch. Ehrenamtlich hat sich der 51-Jährige schon länger beim DRK in Markdorf engagiert und dadurch gemerkt, dass er eigentlich in einem sozialen Beruf tätig sein will. 2015 hat er bei den Maltesern eine Schwestern- und Pflegehelferausbildung gemacht.

Wolfgang Zamoryn hat eine Perspektive: „Ich hoffe, dass ich die Prüfung hier bestehe und würde auch gerne noch einen staatlichen Abschluss machen.“
Wolfgang Zamoryn hat eine Perspektive: „Ich hoffe, dass ich die Prüfung hier bestehe und würde auch gerne noch einen staatlichen Abschluss machen.“ | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Michael Breyer aus Herdwangen stammt eigentlich aus Südafrika und war einige Jahre als Hausmann im Einsatz. Jetzt will der 46-Jährige die Assistenausbildung machen und sieht darin eine gute Perspektive für sich.

Für Michael Breyer ist die Ausbildung „eine gute Alternative“ zum Hausmann.
Für Michael Breyer ist die Ausbildung „eine gute Alternative“ zum Hausmann. | Bild: Karlheinz Fahlbusch
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„Erwachsene wissen genau, was sie wollen“

Peter Serden ist in der Schule Dozent für alles, was mit Pflege zu tun hat. Er arbeitet gerne mit Erwachsenen. „Die wissen genau, was sie wollen und warum sie hier sind“, sagt er. Sein Kollege Roland Bauer, dessen Themen im Bereich Psychologie, Psychiatrie und Demenz liegen, kann da nur zustimmen. Wichtig: Die Ausbildung endet mit einem formalen Abschluss, der nicht in allen Einrichtungen anerkannt wird. „Aber die Möglichkeit, mit einer Schulfremdenprüfung den staatlichen Abschluss zu bekommen, ist natürlich ein großer Anreiz. Damit kann man dann nahezu überall eine Stelle bekommen“, macht Serden deutlich. Die nächstgelegene Schule, auf der das möglich ist, wäre die staatliche anerkannte Pflegeschule im Überlinger Helios-Spital.