Wenn man Ursula Gerling fragt, wie viele Mützen sie pro Jahr häkelt, dann kommt die Antwort ganz schnell. „365“, sagt die 57-Jährige schmunzelnd. Das bedeutet, dass jeden Tag so ein kleines Kunstwerk entsteht, das nicht nur schick aussieht, sondern auch noch wärmt.

Sechs bis sieben Stunden braucht Geiling, um aus hochwertigen und meist naturbelassenen Materialien die Kopfbedeckungen zu fertigen, von denen jede ein Unikat ist. „Übrigens wollen auch immer mehr Männer Häkelmützen“, erklärt die Kunsthandwerkerin, die bis 30. April bei AllerArt in Heiligenberg ihre Kreationen ausstellt.

Ursula Geiling schaut ihre Mützen von außen an. So, wie es jetzt auch die Besucher von AllerArt tun müssen.
Ursula Geiling schaut ihre Mützen von außen an. So, wie es jetzt auch die Besucher von AllerArt tun müssen. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

So ganz einfach ist das aber in Corona-Zeiten nicht. Geiling lebt vom Verkauf ihrer Mützen – und da ist klar, dass Interessenten so ein Stück auch mal in die Hand nehmen wollen, das Material prüfen und natürlich auch ausprobieren möchten, wie die Kopfbedeckung wirkt.

„Das kann ich jetzt nur selten anbieten, aber damit muss ich halt leben“, sagt die Frau aus Ludwigsburg, die eigentlich gerne bei der Künstlergemeinschaft AllerArt mitmachen würde. Aber dann müsste sie auch Dienst als Ausstellungsaufsicht machen und das ist schwierig, wenn man in Ludwigsburg lebt.

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Einfach nach Heiligenberg umsiedeln? „Man muss darüber nachdenken“, sagt Ursula Geiling und stülpt wieder eine Mütze auf eine der Stangen, die in Halterungen stecken und gut zu sehen sind, wenn man sich bei AllerArt vor das große Fenster stellt. Hier hat man einen umfassenden Blick ins Innere und kann sich an vielen Dingen erfreuen.

Öffentliches WLAN ist hilfreich

Doch wie kommt man nun an eine Mütze? „Die meisten Leute haben ein Smartphone“, weiß Geiling. Und mit dem könne man von seiner Lieblingsmütze ein Foto machen und dieses dann an eine im Schaufenster angegebene Adresse senden. „Und weil es hier ja auch ein öffentliches WLAN gibt, ist das eigentlich ganz einfach“, sagt die Kunsthandwerkerin, die dann die ausgesuchten Mützen verschickt.

Agnes Langlois hängt ihre Bilder auf. Sie sind aber auch in den sozialen Medien zu sehen und demnächst auf einem Bildschirm.
Agnes Langlois hängt ihre Bilder auf. Sie sind aber auch in den sozialen Medien zu sehen und demnächst auf einem Bildschirm. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Mit dem Verschicken wird es bei Agnes Langlois schwieriger. Denn die Bilder, die sie zusammen mit einer Freundin an einer großen Wand aufhängt, passen nicht in ein Päckchen. Und so richtig aus der Nähe betrachten kann man sie auch nicht.

Die Acryl-Gemälde und Collagen will sie aber trotzdem dem Publikum präsentieren, auch wenn die Ausstellungsräume gegenüber dem Sennhof derzeit noch geschlossen sein müssen.

Kunst unter die Menschen bringen

„Man muss aber auch in Corona-Zeiten Kunst unter die Menschen bringen“, macht Langlois deutlich. Und deshalb ist sie mit ihren Werken, deren Entstehung sie oft dem Zufall überlässt, viel in den sozialen Medien präsent. So wie sie auch mit Farben und Collagen experimentiert, macht sie das gerne mit Medien.

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In Heiligenberg will sie hinter einem Fenster einen Bildschirm aufstellen, auf dem dann eine Slide-Show mit ihren Werken laufen soll. „Mit der Technik habe ich mich bereits beschäftigt und auch die entsprechende Software besorgt. Ich bin sicher, dass ich das hinbekomme“, sagt die 70-Jährige aus Überlingen, die auch durch ihr Uganda-Projekt bekannt ist.

Ausstellung dauert bis 30. April

Beide Ausstellerinnen haben natürlich die Hoffnung, dass AllerArt bald wieder öffnen darf. Auch Li Siebicke-Gloker, bei AllerArt für die Pressearbeit zuständig, wünscht sich eine Aufhebung der derzeitigen Beschränkungen. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir bald wieder öffnen dürfen“, sagt sie. Und da die neue Ausstellung mit Agnes Langlois und Ursula Geiling bis 30. April aufgebaut bleibt, werde es bestimmt noch Gelegenheit geben, dass man die Werke hautnah erleben könne.

Die nächste Schau ist vom 1. Mai bis 25. Juni mit Bildern und Objekten von Robert Stewart. Weitere Informationen zur Künstlergemeinschaft AllerArt gibt es im Internet unter www.allerart-heiligenberg.de