Die Jazz-Mattinée der Künstlergemeinschaft Allerart jeweils am letzten Sonntag in den Monaten Mai bis September ist im Veranstaltungskalender ein fester Bestandteil. Und sie ist bei den Musikfans sehr beliebt. Es wird stets ein wirklich gutes Musikprogramm geboten und das auch noch bei freiem Eintritt. Gemütlich zwischen Sennhof und Galerie in der Sonne sitzen und Spaß an der Musik haben, das ist in Corona-Zeiten aber nur eingeschränkt möglich. Diese Erfahrung musste die Besucher am Sonntag machen. Dennoch: Das Trio „Secondline“ aus Vorarlberg brannte der Veranstaltung schon nach den ersten Takten seinen musikalischen Stempel auf.

Die neue Ausstellung bei Allerart mit Werken von Gabriele Stepp und Heidi Degenhardt wurde ohne die übliche Vernissage eröffnet. Die Besucherzahl wurde eingeschränkt.
Die neue Ausstellung bei Allerart mit Werken von Gabriele Stepp und Heidi Degenhardt wurde ohne die übliche Vernissage eröffnet. Die Besucherzahl wurde eingeschränkt. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Regeln wurden ohne Murren eingehalten

Man war sehr bemüht, alle vorgeschrieben Regeln einzuhalten. Und das klappte auch bestens. Die Namenslisten wurden ohne Murren von den Musikfans ausgefüllt und beim Gang über das Gelände setzte man natürlich auch die Schutzmaske auf. Die durfte man abnehmen, sobald man auf einem der Stühle Platz genommen hatte. Man hielt sich einfach an die Regeln. „Man wird sich daran gewöhnen müssen“, war oft zu hören. „Musste man sich online melden?“, fragte eine Besucherin am Einlass und atmete dann hörbar unter ihrer modischen Schutzmaske auf, als das verneint wurde. Allerdings gab es keine Stehplätze und die Anzahl der Stühle war sehr begrenzt.

Li Siebicke-Gloker hofft auf Spenden von Klappstühlen.
Li Siebicke-Gloker hofft auf Spenden von Klappstühlen. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Wir hätten 99 Stühle aufstellen können“, erklärte Li Siebicke-Glocker von der Künstlergemeinschaft. Aber leider habe man nicht diese Anzahl an Sitzgelegenheiten auftreiben können. Da man auch für zukünftige Veranstaltungen mit Einschränkungen wegen Corona rechne, würde man sich freuen, wenn Besitzer von nicht mehr benötigten Klappstühlen diese zur Verfügung stellen würden. „Die kann man einfach in der Galerie abgeben. Wir holen sie aber auch ab, wenn man sich unter Tel. 0 75 54/98 67 13 bei uns meldet“, gab die Malerin und Kunsttherapeutin ihrer Hoffnung Ausdruck, dass man Unterstützung bekomme.

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Experiment hat sich gelohnt

Die erste Jazz-Mattinée in diesem Jahr war zweifellos ein Experiment, aber eines, das sich gelohnt hat. Tanzen und Singen war untersagt, aber gegen das Mitwippen von Füßen und Beinen war nichts einzuwenden. Und das wurde dann auch schnell in Anspruch genommen. Mit „Secondline“ hatte man einen guten Griff getan. Ohne viel Equipment, dafür aber mit einer geballten Portion Musikalität bot das Trio ein Konzert, das nahezu keine Wünsche offen ließ. Mit bekannten und eher unbekannten von Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald (sehr schöne Interpretation von „Them their eyes“), Gospel-Queen Aretha Franklin („You make me feel“) oder Delta-Blues-Urgestein Robert Johnson („They´re red hot“) machten die enorme Bandbreite der Vorarlberger deutlich. Gitarrist Mark Holzmaier hat offensichtlich den Südstaatenblus im Blut und bot statt beinharten Gitarrenriffs ein einfühlsames Spiel, das sowohl als Begleitung als auch in den vielen Soloparts begeisterte. Klaus Raidt am E-Piano ist ebenso wie Kollege Mark Profi und das merkte man auch deutlich. Und er verstand es bestens, den Bass so zu ersetzen, dass man den zwar „wie echt“ hören konnte, aber niemand einen Kontrabass oder einen E-Bass zupfte. Dazu die ausgezeichnete Stimme von Sabine Raidt, die der Performance das I-Tüpfelchens aufsetze. Kurzum: Das war ein Musikgenuss, der Corona eindrucksvoll trotzte.

Sabine Raidt, Klaus Raidt (vorne) und Mark Holzmaier von „Secondline“ waren sichtlich begeistert, endlich einmal wieder auftreten zu können. Sie spielen gerne in Süddeutschland und haben hier auch viele Fans.
Sabine Raidt, Klaus Raidt (vorne) und Mark Holzmaier von „Secondline“ waren sichtlich begeistert, endlich einmal wieder auftreten zu können. Sie spielen gerne in Süddeutschland und haben hier auch viele Fans. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Das tut richtig gut heute“

Seit Januar hatten sie keinen Auftritt mehr, denn auch in Österreich hatte der Corona-Virus das Kulturleben lahmgelegt. Umso motivierter waren „Secondline“ bei ihrem Auftritt in Heiligenberg. „Das tut richtig gut“ stellten Sabine Raidt (Voc), Mark Holzmaier (Git) und Klaus Raidt (Piano) fest. Da die beiden Musiker hauptberuflich als Musiklehrer tätig sind, war es finanziell eher verkraftbar, dass die Einnahmen aus den Konzerten fehlten. Und die 51-jährige Sozialpädagogin Sabine hat noch eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht und besucht gerade die Meisterschule für Maßschneider in Metzingen. „Da hatte ich schon bammel, dass mir zuviel Unterricht ausfällt“, schmunzelt sie. Sie hat zwar einen deutschen Pass, aber sie wohnt in Österreich. Nicht einfach in Corona-Zeiten.

Sind sie schon einmal in Ischgl aufgetreten? „Gottseidank nicht und das ist auch eine ganz andere Klientel“, schmunzelt Gitarrist Gitarrist Mark. Wie Sabine und Klaus hofft er darauf, dass sich die Lage normalisiert. Viele Auftritte sind verschoben worden, aber ob diese wirklich nachgeholt werden können, das ist noch nicht sicher. Mit Mundschutz aufzutreten wäre zumindest für Sängerin Sabine keine Alternative. Die Instrumentalisten haben da noch nicht so richtig darüber nachgedacht, sind aber überzeugt, dass man die Abstandsregeln bestimmt immer einhalten könnte. (kf)

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