Wenn nichts dazwischenkommt, dann wird im März das Hallenbad im Luftkurort Heiligenberg wieder öffnen. Seit Oktober 2019 ist das Hallenbad der Herzogin-Luisen-Residenz geschlossen. Das Bad war auch öffentlich zugänglich: Es wurde für den Schwimmunterricht der Grundschule genutzt, diente für Kursangebote und war auch bei vielen Gruppen außerordentlich beliebt.

Die Decke war nicht mehr stabil genug

Nach 50 Jahren erwies sich die Decke jedoch als nicht mehr stabil genug. „Aus Sicherheitsgründen habe ich mich schweren Herzens entschlossen, das Hallenbad zu schließen“, sagt Heinz Vogel Graf von Roit, der im Jahr 1998 die Herzogin-Luisen-Residenz eröffnet hatte. Das ehemalige Bezirkskrankenhaus war bis dahin als Reha-Klinik der Landesversicherungsanstalt genutzt worden. In den vielen Jahren nagte der Zahn der Zeit kräftig im Hallenbad. Immer wieder hätten sich die Aluminium-Paneele der Decke gelöst. Eine behördliche Verfügung, das Bad zu schließen, gab es nicht. „Ich bin aber lieber auf Nummer sicher gegangen“, macht der Besitzer im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich.

Die marode Decke wurde entfernt. Auf die noch vorhandene Unterkonstruktion wird eine Polyethylen-Verkleidung aufgebracht.
Die marode Decke wurde entfernt. Auf die noch vorhandene Unterkonstruktion wird eine Polyethylen-Verkleidung aufgebracht. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Berechnungen für Sanierung lagen bei knapp 1 Million Euro

Doch was tun? Die Berechnungen für eine umfassende Sanierung lagen bei 980 000 Euro. Eine Summe, die der Besitzer nicht stemmen konnte. Also machte er sich auf die Suche nach Unterstützung. Abgeordnete kamen und befürworteten eine Sanierung. Auch Sozialminister Manfred Lucha war vor Ort und sprach sich dafür aus, das Bad unbedingt zu erhalten. „Jeder hat Hilfe versprochen“, erinnert sich der Graf. Aber es blieb bei Absichtsbekundungen, sagt er enttäuscht: Eine Unterstützung oder gar finanzielle Hilfe bekam er nicht.

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Gemeinde hat 50 000 Euro in den Haushalt eingestellt

Immerhin hat die Gemeinde Heiligenberg 50 000 Euro im Haushalt 2021 eingestellt. Ob die letztendlich auch vergeben werden, das muss der Gemeinderat noch beschließen. Erst vor einigen Wochen waren die Räte im Rahmen einer Klausur in der Herzogin-Luisen-Residenz und nahmen das Bad in Augenschein. „Ich habe viel Wohlwollen gespürt“, freut sich Graf von Roit. Mit nun 50 Jahren habe das Hallenbad eine lange Tradition. So mancher Heiligenberger sei hier im damaligen Krankenhaus zur Welt gekommen und habe auch hier das Schwimmen gelernt, weiß der Besitzer.

Wenn das Bad wieder geöffnet ist, dann hat man zu jeder Jahreszeit einen herrlichen Blick auf den Park der Seniorenresidenz.
Wenn das Bad wieder geöffnet ist, dann hat man zu jeder Jahreszeit einen herrlichen Blick auf den Park der Seniorenresidenz. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Viele Einheimische sehen Hallenbad als Pluspunkt für Tourismus

Die Schließung des Bades war allgemein bedauert worden. Heiligenberg ist zwar Luftkurort, aber außer dem Freibad, einem Kneippbecken und den Wanderwegen ist man mit touristischer Infrastruktur nicht üppig versorgt. So ein Hallenbad sehen viele Einheimische deshalb als Pluspunkt.

Heinz Vogel haderte lange mit den hohen Kosten für eine Sanierung. Elf Monate gingen ins Land. „Dann habe ich das ganze zur Chefsache gemacht und selbst mit Handwerkern diskutiert und verhandelt.“ Die Gespräche seien hart gewesen, aber nach drei Wochen sei dann die Entscheidung für eine Sanierung gefallen. Die Statik der Decke war in Ordnung. Der hohe Preis des ursprünglichen Kostenvoranschlags sei ihm schon immer sehr hoch erschienen. Jetzt liege man bei 150 000 Euro.

Ein Solarium wurde neu angeschafft.
Ein Solarium wurde neu angeschafft. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Neue Decke, neues Licht, neues Solarium

Die Arbeiten haben bereits begonnen. Die Betonsanierung an der Decke wurde von einer Fachfirma erledigt. Auch das Flachdach werde erneuert. Das sei sogar ein Drittel billiger als eine Sanierung und zudem wärmetechnisch noch besser. Die Innendecke im Bad selbst bekommt eine weiß-blaue Polyethylen-Verkleidung. Das Licht kommt zukünftig nicht mehr von der Decke, sondern von LED-Strahlern an den Wänden. Auch die Beckenumrandung wird komplett neu gemacht und farblich abgesetzt. Für die Wassergymnastik wird eine Soundanlage installiert, dann steht auch ein Headset zur Verfügung. Sauna und Dampfbad werden komplett saniert und Heinz Vogel hat zusätzlich noch ein Solarium angeschafft.

Bad soll sieben Tage die Woche von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein

Das Hallenbad wird sieben Tage die Woche von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein. Die vielen Gruppen, die das Bad bisher schon nutzten, hätten sich bereits nach den neuen Modalitäten erkundigt, erzählt Graf von Roit. Er erklärt: „Es wird einen Gruppenpreis pro Stunde geben. Die Anzahl der Teilnehmer spielt keine Rolle.“ Außerdem werden Zeitkorridore für Einzelpersonen und Familien angeboten. Alles kann man dann auf der Internetseite der Herzogin-Luisen-Residenz nachlesen oder auch telefonisch erfragen.

Die Halle mit dem Schwimmbecken wird neu gestaltet und mit einer modernen Beleuchtungsanlage ausgestattet.
Die Halle mit dem Schwimmbecken wird neu gestaltet und mit einer modernen Beleuchtungsanlage ausgestattet. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Spätestens am 15. März soll das Bad wieder geöffnet werden

Auch die Bewohner der Senioren-Residenz werden das Bad dann wieder nutzen können. „Sie sind aber in der Regel Frühaufsteher und können nun schon vor dem Frühstück etwas schwimmen“, erklärt der Chef der Residenz. Er hofft, dass man spätestens am 15. März wieder öffnen kann. Aber das hängt natürlich auch von Handwerkern ab. Heinz Vogel ist zuversichtlich, dass der Termin zu halten ist. Auch eine kleine Einweihungsfeier soll es geben. Da wird dann auch Helmut Schmid dabei sein: Er hat als Architekt das Hallenbad vor Jahrzehnten geplant.