Es sei „ein Thema, das die Menschen bewegt und kontrovers diskutiert wird“, stellte Bürgermeister Frank Amann in der jüngsten Gemeinderatssitzung fest. Es ging um die Einleitung eines Planverfahrens für die Erstellung einer Freiflächenfotovoltaikanlage auf der Fläche des Restle-Hofs in Rickertsreute. Zehn bis zwölf Hektar Land werden dafür benötigt, um eine Leistung von 100 Megawatt in der Spitze zu erreichen.

Überraschend klares Votum für Solarparkpläne

Schon in der Sitzung am 30. Juni hatte das Gremium das Vorhaben diskutiert und es zeichnete sich ab, dass eine Entscheidung für das Vorhaben wohl sehr knapp ausgehen würde. Umso größer dann die Überraschung am Dienstagabend: Nur Wilfried Jerg (CDU) enthielt sich der Stimme. Alle anderen Gemeinderäte und auch der Bürgermeister votierten für die Einleitung des Planverfahrens. Die Kosten dafür übernimmt Hubert Bechinger, der der Besitzer des landwirtschaftlichen Anwesens ist und auch der Investor sein wird.

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Technische Einzelheiten spielten, im Gegensatz zur Juni-Sitzung, keine Rolle bei der jetzigen Entscheidung. Die Bewertung, wie der Strom ins Netz eingespeist werde, ob die prognostizierte Leistung überhaupt erreicht werden könne und andere technische Dinge seien nicht Aufgabe des Gremiums, wie der Bürgermeister feststellte. Man müsse sich nur festlegen, ob man eine solche Anlage wolle oder nicht.

Entscheidung fiel nach Vor-Ort-Termin

Um die Entscheidung zu erleichtern, hatte es einen Vor-Ort-Termin gegeben und in der Juni-Sitzung war Wilfried Franke, Geschäftsführer des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben, zu Gast. Der stellte fest, dass die Fläche nicht in einem regionalen Grünzug liege und dass solche Anlagen in einem landwirtschaftlich benachteiligten Gebiet erstellt werden dürfen. Zudem sei ein Änderungsverfahren für den Flächennutzungsplan nötig und auch ein Planfeststellungsverfahren.

Kritische Stimmen von Landwirten

Bei einer intensiven Diskussion machte damals Hubert Nadler (CDU) deutlich, dass er gegen eine solche Anlage sei, weil sie wertvolles Ackerland verbrauche. Nadler konnte bei der Sitzung am Dienstag nicht anwesend sein. Kritische Stimmen hatte es auch aus den Reihen der Gemeinderäte gegeben, die selbst eine Landwirtschaft betreiben.

Innerer Zwiespalt führt zur Enthaltung

Nebenerwerbslandwirt Wilfried Jerg tat vor allem der Landschaftsverbrauch weh: „Es blutet mir das Herz ob der schönen Fläche.“ Am Dienstag machte er aber auch deutlich: „Das Projekt hat Charme. Irgendwo muss der Strom herkommen.“ Der innere Zwiespalt führte dann zur Enthaltung.

Fotovoltaik als eine der Zukunftsenergien

Peter Apfelstädt (Bürgerliste) lobte den intensiven Informationsaustausch zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Investor. Als Landwirt schlage sein Herz natürlich für die Landwirtschaft, sagte er, weshalb er für eine entsprechende Weiternutzung wäre. Dass ein Teil der Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden soll, spreche in seinen Augen für das Vorhaben.

Auf dieser Fläche soll Strom produziert werden. Sie ist sehr abgelegen und von einer Straße aus einsehbar.
Auf dieser Fläche soll Strom produziert werden. Sie ist sehr abgelegen und von einer Straße aus einsehbar. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Auch die ökologischen Aspekte böten überzeugende Vorteile. Fotovoltaik sei eine der Zukunftsenergien. Man benötige aber entsprechend große Anlagen. „Es gibt wenige Flächen in der Gemeinde, die so versteckt und kaum einsehbar sind“, machte er deutlich und sprach damit die Veränderungen des Landschaftsbildes an.

Wunsch, das Hofstelle erhalten bleibt

Der Biolandwirt wünschte sich „von Herzen, dass die Hofstelle erhalten bleibt“ und sprach sich für die Anlage aus. Apfelstädt brachte noch einen bislang nicht behandelten Aspekt in die Diskussion ein. Man müsse den erzeugten Strom ja nicht unbedingt ins Netz einspeisen, sondern könnte ihn auch zur Produktion von Wasserstoff nutzen, was dann zusätzliche Arbeitsplätze schaffen könnte.

Projekt als Mosaikstein für die Energiewende

Micheal Moser (CDU) sieht in der geplanten Anlage Potenzial. „Wir wollen keine Braunkohle, keinen Atomstrom und an der Stelle auch keine Windkraft“, stellte er fest. Die Anlage sei ein Mosaikstein für die Energiewende. „Wir sollten auch uns eine Chance geben und schauen, was passiert“, plädierte er für die Anlage.

Solarpark als Touristenattraktion?

Dominik Sonntag (CDU), Landwirt und Biogaserzeuger, wertete die möglichen Gewerbesteuereinnahmen als Pluspunkt. Er sagte, er könne sich vorstellen, dass durchaus auch Touristen Interesse hätten, sich eine derartige Anlage einmal anzuschauen, die es im Bodenseekreis ja so noch nirgends gebe.

Burkhard Haus (Bürgerliste) sprach von einem „heißen Thema, bei dem man auch einen inneren Widerwillen entwickelt“. Bei genauer Abwägung müsse man dem Projekt aber zustimmen. Man dürfe Heiligenberg auch nicht isoliert sehen. „Wir wollen die Energiewende und können jetzt einen Baustein setzen.“

Chancen für neue Konzepte

Auch Florian Kopp (Bürgerliste) betonte, er stehe hinter der Energiewende. Er wünschte sich den Erhalt der Landwirtschaft auf dem Restle-Hof, sagte aber auch, er sehe Chancen für neue Konzepte. Markus Müller (Bürgerliste) hatte das Vorhaben, besonders auch im Hinblick auf die Natur, kritisch gesehen, wollte aber keine Chancen vergeben und stimmte auch dafür.

Maria Morgen (Bürgerliste) hat nach eigenen Worten „die Energiewende gewählt“, sie sehe den Standort als passend an. „Das ist weitab vom Schuss, das stört niemanden“, gab sie sich überzeugt. Sebastian Sailer (Bürgerliste) stellte fest: „Wenn die PV dazu beiträgt, dass der Hof in der Familie bleibt, dann ist das schon Grund genug.“

Kritik an geringer Zuhörerzahl bei Sitzung

Bürgermeister Frank Amann machte deutlich, dass man die Bevölkerung umfassend informieren müsse, sollte das Projekt Wirklichkeit werden. Er erinnerte an das damals sehr umstrittene Thema Friedwald. Auch da habe man intensiv diskutiert und abgewogen. Mittlerweile gibt es sogar zwei Friedwälder.

Dass das Thema nur wenige Zuhörer in die Gemeinderatsitzung gelockt hatte, stieß beim Bürgermeister auf unmissverständliche Kritik. Es genüge nicht, für die Energiewende zu demonstrieren, man müsse sich auch mit den Fakten vor Ort auseinandersetzen.

Heiligenberg ist übrigens energieautark. Es wird also mehr Strom produziert, als verbraucht wird.