Was macht man, wenn man immer den ganzen Tag beruflich eingespannt war und plötzlich der so lieb gewonnene Beruf wegfällt? Diese Frage stellte sich auch Gabriele Heidenreich, die 24 Jahre an der Grundschule in Wintersulgen tätig war, davon 19 Jahre als Schulleiterin. Im Jahr 2019 wurde sie mit einer von Kreativität, Humor und Emotionen geprägten Feier in den Vorruhestand verabschiedet.

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54 Seiten mit vielen Informationen und Bildern

Die heute 63 Jahre alte Pädagogin wollte sich viel mit ihren Enkeln beschäftigen und auch Hobbys intensivieren. Corona machte manchem ihrer Vorhaben einen Strich durch die Rechnung – nicht aber der Idee, eine Schulchronik zusammenzustellen. Und diese ist jetzt fertig. Entstanden ist eine 54-seitige Schrift mit vielen Informationen und Bildern und der klaren Aussage: Auch kleine Schulen haben ihre Daseinsberechtigung.

Im Jahr 2019 schnappte Gabriele Heidenreich ihren Koffer und ging in die Freistellungsphase vor dem Ruhestand. Da hatte sie nun auch mehr Zeit für die Schulchronik.
Im Jahr 2019 schnappte Gabriele Heidenreich ihren Koffer und ging in die Freistellungsphase vor dem Ruhestand. Da hatte sie nun auch mehr Zeit für die Schulchronik. | Bild: Karlheinz Fahlbusch
„Es ist etwas Besonderes entstanden mit zahlreichen Facetten der letzten fünf Jahrzehnte Grundschule Heiligenberg.“
Frank Amann, Bürgermeister

Weil eine öffentliche Vorstellung derzeit nicht möglich ist, hat sich Bürgermeister Frank Amann entschlossen, die gedruckte Schulchronik kostenlos dem Mitteilungsblatt der Gemeinde beizulegen. „Da kann man sich schon jetzt drauf freuen“, sagt der Bürgermeister. Gabriele Heidenreich habe die Idee zu dieser Chronik gehabt und voller Esprit die Initiative ergriffen. „Sie hat die Geschichte unserer Grundschule recherchiert, historische Bilder gesammelt, Gemeinderatsprotokolle gelesen und Bauakten studiert. Es ist etwas Besonderes entstanden mit zahlreichen Facetten der letzten fünf Jahrzehnte Grundschule Heiligenberg“, ist Amann voll des Lobes.

So sah die Grundschule ursprünglich nach der Fertigsstellung aus. Flachdächer waren damals sehr modern.
So sah die Grundschule ursprünglich nach der Fertigsstellung aus. Flachdächer waren damals sehr modern. | Bild: Gemeinde

Anregung kam von den Lehrkräften Edda und Gerd Gießbach

Gabriele Heidenreich schloss ihrem Lehramtsstudium noch ein Studium der Geschichte und Kunstgeschichte an und schrieb ein Buch über Schloss Meßkirch. Sie hat Interesse an geschichtlichen Themen, auch regionalen, und war im Heimatverein aktiv. Eine Schulchronik kam ihr auf Anregung von Edda und Gerd Gießbach in den Sinn. Die beiden waren viele Jahre Lehrer in Wintersulgen und bei Heidenreichs Verabschiedung kam von Edda Grießbach die Idee: „Mensch, ihr feiert doch Jubiläum. Da muss man was machen.“

„Ich bekam im Rathaus ein Zimmerle und Thomas Muff von der Gemeindeverwaltung brachte viele Ordner und Kischtle.“
Gabriele Heidenreich

Gesagt, getan. Eine Anfrage beim Bürgermeister verlief positiv. Doch woher das Material nehmen? In der Schule gab es nichts und mit der Eingemeindung waren alle Unterlagen aus Wintersulgen nach Heiligenberg gekommen. „Ich bekam im Rathaus ein Zimmerle und Thomas Muff von der Gemeindeverwaltung brachte viele Ordner und Kischtle“, erinnert sich die Autorin. Zwei Wochen lang war sie täglich im Gemeindearchiv, sichtete Dokument, Zeitungsseiten und Fotos. „Da gab es schon sehr spannende Sachen.“ Im Mai 2020 legte sie richtig los und im November war das Werk vollendet. Um das Layout kümmerte sich Tochter Dorothea Heidenreich, die von Beruf Kommunikationsdesignerin ist.

Schulen lagen vor dem Neubau in den Teilorten von Wintersulgen

Die Schulen lagen vor der Gemeindereform in den Teilorten des damals noch selbstständigen Wintersulgen, nicht in Wintersulgen selbst. So gab es bis zum Schuljahr 1968/69 die Schule in Röhrenbach mit zwei Klassen. Die 1. bis 4. Klasse und die 5. bis 8. Klasse waren jeweils zusammengelegt. In die Einklassenschule in Echbeck ging man von der 1. bis zur 8. Klasse, in Betenbrunn gab es ein gleiches System.

Zum Schuljahr 1969/70 wechselten die Schulkinder der Klassen eins bis vier von der kleinen Schule in Betenbrunn, die aufgegeben wurde, nach Röhrenbach. Unterrichtet wurde dort in zwei Klassen. Die Hauptschüler wechselten in diesem Schuljahr nach Heiligenberg, wo die 9. Klasse schon seit 1966/67 unterrichtet wurde.

Spatenstich zum Anbau am 8. Juli 1998: (von links) Rektor Karl Walter, Architekt Steffen Peter, Bürgermeister Bernhard Hölderl, Pfarrer Andreas Maier, Elternbeiratsvorsitzende Helga Allweyer und die Gemeinderäte Matthias Heidenreich und Anton Biller.
Spatenstich zum Anbau am 8. Juli 1998: (von links) Rektor Karl Walter, Architekt Steffen Peter, Bürgermeister Bernhard Hölderl, Pfarrer Andreas Maier, Elternbeiratsvorsitzende Helga Allweyer und die Gemeinderäte Matthias Heidenreich und Anton Biller. | Bild: Gemeinde

Gemeinderat stimmte im Dezember 1965 dem Neubau zu

Nachdem bekannt geworden war, dass das Land die Baukosten für eine neue Schule übernimmt, stimmte der Wintersulgener Gemeinderat am 28. Dezember 1965 dem Neubau eines Schulhauses am Ortsrand zu. Dort sollten sich alle Klassen konzentrieren. Die erste Planung für den Neubau mit Flachdach sah eine Turnhalle und sogar eine Schwimmhalle vor. Diese wurde dann aus Kostengründen gestrichen. 1970 wurde der Neubau feierlich eröffnet. In der Schulchronik sind auch die Baupläne von damals abgedruckt und sehr viele Details zum Bauvorhaben.

Zur Einweihung des Anbaus 1999 führten die Schüler „Die Vogelhochzeit“ auf, auf der Gitarre von Gabriele Heidenreich begleitet.
Zur Einweihung des Anbaus 1999 führten die Schüler „Die Vogelhochzeit“ auf, auf der Gitarre von Gabriele Heidenreich begleitet. | Bild: Gemeinde

Was sich hinter und vor den politischen Kulissen getan hat, damit Heiligenberg nach der Gemeindereform eine Nachbarschaftsgrundschule bekommen sollte, der Kampf um eine Hauptschule für den Kernort, all das kann man in der Chronik nachlesen. Schließlich musste sich die neue Gemeinde entscheiden, ob Wintersulgen oder Heiligenberg Schulstandort sein sollte. Das Oberschulamt erinnerte damals noch daran, dass man in Wintersulgen ein neues Gebäude habe und sprach sich indirekt für diesen Standort aus.

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Bald stehen wieder Bauarbeiten an

Dort war aber bereits sechs bis acht Jahre nach dem Grundschulneubau das moderne Flachdach undicht geworden, ebenso die Holzfenster. Renovierungskosten in Höhe von mindestens 100.000 DM standen an. Letztendlich wurde ein Pultdach auf das Gebäude gesetzt. 1998 war sogar Spatenstich für einen Erweiterungsbau, in dem endlich die gewünschte Schulküche Platz fand. In nächster Zeit stehen wieder Bauarbeiten an, denn die Mensa braucht mehr Platz. Digitalisiert ist die Schule bereits.