80 Senioren leben derzeit in der Herzogin-Luisen-Residenz, einer betreuten Wohnanlage. Eigentümer ist Heinz Vogel Graf von Roit. Er betreibt auch den ambulanten Pflegedienst Homecare, der die Bewohner in der Residenz versorgt. „Wir haben bisher keine Komplikationen“, sagt der Graf. Schon zehn Tage vor der amtlichen Anordnung habe man sehr viel auf den Weg gebracht. So habe man bereits zu diesem Zeitpunkt ein Besuchsverbot ausgesprochen und Pflegehilfsmittel wie Mundschutz und Schutzkleidung in großen Mengen bestellt.

Gespräche sind nur per Telefon oder Skype möglich. Besucher dürfen nicht ins Gebäude.
Gespräche sind nur per Telefon oder Skype möglich. Besucher dürfen nicht ins Gebäude. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Wünsche der Bewohner erfüllen derzeit besonders wichtig

Die Bewohner haben beim Essen die Wahl und können sich bestellen, was sie wollen. Aktuell bekommen sie ihre Mahlzeiten direkt in ihre Appartements gebracht. Wer möchte, darf auch ein Gals Wein oder Sekt trinken. „Wir versuchen auch sonst, jeden Wunsch zu erfüllen“, macht Graf von Roit deutlich. Das sei in der jetzigen Situation noch wichtiger als sonst.

Heinz Vogel Graf von Roit ist Inhaber der Luisen-Residenz und hat schon frühzeitig für Schutzmasken gesorgt.
Heinz Vogel Graf von Roit ist Inhaber der Luisen-Residenz und hat schon frühzeitig für Schutzmasken gesorgt. | Bild: Residenz

Skype und Videotelefonie sind wichtig

Man versuche nicht, die Senioren von der Außenwelt abzuschotten. „Wir haben viele Bewohner, die sehr gut im Umgang mit dem Internet sind. Skype wird sehr viel genutzt“, macht Graf von Roit deutlich. Doch auch das Menschliche komme nicht zu kurz.

Botschaft: „Uns geht es hier gut“

Das Stammpersonal sowie die Pflege- und Assistenzschüler würden sich sehr viel Zeit nehmen für Gespräche oder Spiele. Beliebt sei vor allem das gemeinsame Anschauen von Fotoalben. Das gehe aber nur, weil man über genügend Personal verfüge. „Unsere Fachschwestern pflegen maximal sechs Personen. Durch unsere eigene Schule für Krankenpflegeassistenz und die Ausbildung ab 1. August verfügen wir auch über viele Schüler“, sagt Graf von Roit. Wichtig sei es auch, den Menschen draußen Mut zu machen. „Uns geht es hier gut“, laute daher die Botschaft.

Bewohnerin Maja Huber wird im Mai 95 Jahre alt. Am Telefon erzählt sie, wie es ihr ergeht

Maja Huber
Maja Huber | Bild: Residenz

Pflegedienstleiter Patrick Schwarz erzählt: „Unsere Bewohner haben deutlich mehr Gesprächsbedarf, es gehen Ängste um.“ Allen sei klar, dass sie vom Alter her und aufgrund ihrer Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören. Es gebe viele Fragen. Zudem habe jeder Bewohner einen Fernseher und da seien aktuell ständig Sendungen über Corona zu sehen. Da müsse man manchmal helfen, die viele Informationen einzusortieren.

Pflegedienstleiter: „Von einem Lagerkoller können wir nicht sprechen“

Trotzdem sei er erstaunt, wie gut die Menschen die Situation wegstecken, sagt Patrick Schwarz: „Von einem Lagerkoller können wir nicht sprechen“, stellt der 43-Jährige fest. Speisesäle und Gemeinschaftsräume seien geschlossen. Die Bewohner verbringen den Tag überwiegend in ihren Appartements. Auch das Essen wird auf dem Zimmer serviert. Für die Einrichtung sei das natürlich ein enormer Mehraufwand, sagt der Pflegedienstleiter.

Pflegedienstleiter Patrick Schwarz berichtet von gesteigertem Gesprächsbedarf der Senioren.
Pflegedienstleiter Patrick Schwarz berichtet von gesteigertem Gesprächsbedarf der Senioren. | Bild: Residenz

Dass derzeit keine Besuche möglich sind, das sei für viele Bewohner schon eine große Einschränkung. Aber man tue alles, damit der Kontakt zur Außenwelt nicht ganz abbreche. Skypen oder Videotelefonie im Allgemeinen sei da sehr hilfreich.

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Großes Lob gibt es vom Pflegedienstleiter für das Personal. „Die Mehrbelastung wird sehr gut weggesteckt und es gibt keine Diskussion, wenn neue und strengere Vorgaben erfüllt werden müssen. Alle sind hoch motiviert.“ Belastend sei für das Personal jedoch, dass man derzeit kaum einen Ausgleich zur Arbeit habe.